
Öl-Alarm vor dem Winter: Notreserven bereit – und Brüssel knickt ein

Die Internationale Energieagentur (IEA) hält den nächsten Griff in die Ölreserven bereit, Washington will weitere 40 Millionen Barrel auf den Markt werfen. Beim Treffen der EU-Energieminister in Dublin wurde außerdem klar: Brüssel will eigene Klimaauflagen aufschieben, damit im Winter genug Energie da ist. Die Energiekrise wird zur Belastungsprobe für den Westen.
Birol hält den Finger am Abzug
IEA-Chef Fatih Birol sagte vor Journalisten in Dublin, ein weiterer Notverkauf aus den strategischen Reserven stehe bereit. Kommen solle er, falls die Krise „viel größer“ werde und länger andauere. Dafür müssten die Mitgliedsländer zustimmen. Man beobachte besonders Diesel und andere Ölprodukte sehr genau.
Laut Birol ist ein Drittel der 400 Millionen Barrel noch gar nicht auf dem Markt angekommen. Diese Freigabe war im März beschlossen worden, kurz nach Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Rund 80 Prozent der gesamten Bestände seien noch verfügbar. Das soll beruhigen. Aber ist ein Vorrat wirklich beruhigend, wenn man ihn so dringend braucht?
Amerikas Reserve schrumpft auf den Stand von 1980
Nach einem Bericht von Bloomberg hat das US-Energieministerium einen Tausch von bis zu 40 Millionen Barrel aus der Strategic Petroleum Reserve (SPR) beantragt. Das ist nur ein Teil eines viel größeren Plans: Insgesamt sollen 172 Millionen Barrel auf den Markt kommen, um den Ölpreis trotz der Probleme in der Straße von Hormus zu drücken.
Derzeit liegen in der Reserve rund 285 Millionen Barrel. Nach dem Abbau wäre sie so leer wie seit Anfang der 1980er-Jahre nicht mehr. Zur Einordnung: Die USA legten die SPR nach dem arabischen Ölembargo von 1973 an, damit das Land nie wieder erpressbar ist. Seit Jahren nutzen Regierungen sie aber, um die Spritpreise politisch zu steuern.
Leichte Entspannung, die trügen könnte
Der Preis für Brent-Öl sank zuletzt auf 103,90 Dollar pro Barrel. Gründe sind die laufende Diplomatie und die Tatsache, dass wieder Öl durch Saudi-Arabiens Ost-West-Pipeline fließt. Laut Daten des Analysehauses Kpler gingen am Wochenende rund 13 Millionen Barrel pro Tag durch die Straße von Hormus. Das sind etwa zwei Drittel der Menge vor dem Krieg. Gleichzeitig kauft China wieder mehr Öl.
Die Raffinerien als Nadelöhr
Das eigentliche Problem liegt woanders. Die Schweizer Großbank UBS schätzt, dass im August rund 11 Prozent der weltweiten Raffineriekapazität ausgefallen waren. Ursachen waren die Lage in Hormus und Angriffe auf russische Raffinerien. Die Raffineriemargen in Europa erreichten mit 50 Dollar pro Barrel ein Rekordhoch. Die Analysten rechnen bis mindestens Oktober mit Ausfällen von über 11 Millionen Barrel pro Tag.
Das größte Risiko wäre laut UBS ein Exportverbot der USA für Ölprodukte. Die Vereinigten Staaten liefern mehr als 20 Prozent der weltweiten Dieselexporte, und einen weiteren großen Ausfall könne der Markt kaum verkraften. Goldman Sachs hatte schon vergangene Woche gewarnt, die Raffineriekrise könne bis weit ins Jahr 2027 anhalten.
Brüssel entdeckt plötzlich den Pragmatismus
Auch die EU-Kommission scheint die Lage ernst zu nehmen. Energiekommissar Dan Jørgensen erklärte in Dublin, er habe seine Behörde beauftragt, den Teil der neuen Methanregeln für Importe aufzuschieben. Die Regeln sollten Anfang 2027 starten und könnten nun um ein Jahr verschoben werden. Ausländische Öl- und Gaslieferanten müssten danach ihre Methanemissionen überwachen und melden.
Die Sorge dahinter: Wegen drohender Strafen könnten Lieferanten Europa meiden, und das gerade dann, wenn die Regierungen verzweifelt Vorräte für den Winter suchen. Kritiker sehen darin ein Eingeständnis: Die Brüsseler Bürokratie ist erst dann zu Zugeständnissen bereit, wenn es ernst wird. Die Rechnung für teure Energie zahlen am Ende deutsche Familien und Mittelständler.
Fazit: Wer vorsorgt, muss nicht auf Brüssel hoffen
Schwindende Notreserven, Rekordmargen und geopolitische Engpässe zeigen, wie anfällig das Energiesystem ist. Für Sparer heißt das: Inflation und Unsicherheit bleiben wohl noch lange ein Thema. Physisches Gold und Silber haben sich in solchen Phasen immer wieder bewährt. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie helfen, Vermögen zu sichern.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung, Wertpapiere oder Edelmetalle zu kaufen oder zu verkaufen. Jeder Anleger sollte sich selbst gründlich informieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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