
Patt im Erfurter Landtag: Wolfs Truppe fÀllt bei der Vize-Wahl durch!

Die Brombeer-Koalition in ThĂŒringen musste die nĂ€chste Niederlage einstecken. Steffen Quasebarth, Kandidat der BSW-Abspaltung âThĂŒringen.Gerechtâ, ist am Donnerstag in Erfurt bei der Wahl zum VizeprĂ€sidenten des Landtags gescheitert. Das Ergebnis: 41 Ja-Stimmen, 41 Nein-Stimmen, zwei Enthaltungen. Bei einem Patt gilt ein Kandidat als nicht gewĂ€hlt.
Aufgeben will die Regionalpartei von Finanzministerin Katja Wolf trotzdem nicht. Schon am Freitag soll es einen neuen Wahlgang geben. Nach Angaben seiner Fraktion will Quasebarth erneut antreten.
Ein Amt, das er bis vor Kurzem noch innehatte
FĂŒr den 56-jĂ€hrigen Quasebarth ist das ein bitterer Moment. Der frĂŒhere Moderator des âThĂŒringen Journalsâ beim MDR saĂ seit September 2024 als VizeprĂ€sident im LandtagsprĂ€sidium, damals noch mit dem Mandat des BSW. Dann zerfiel die Fraktion, und das Amt geriet ins Wanken.
Die AfD-Fraktion bezweifelte, dass Quasebarth nach der Spaltung rechtmĂ€Ăig im Amt bleiben dĂŒrfe. Ihr Argument: Eine neu gegrĂŒndete Fraktion könne einen VizeprĂ€sidenten nicht einfach ĂŒbernehmen, die ThĂŒringer Verfassung verlange eine neue Wahl. TatsĂ€chlich sieht die GeschĂ€ftsordnung des Landtags vor, dass ein PrĂ€sidiumsmitglied seine Funktion verliert, wenn es die Fraktion verlĂ€sst, fĂŒr die es gewĂ€hlt wurde. Im September trat Quasebarth zurĂŒck. Sein Comeback ist nun vorerst gescheitert.
39 von 88: Eine Regierung ohne Mehrheit
Die Schlappe zeigt, wie wackelig die CDU-gefĂŒhrte Minderheitsregierung von MinisterprĂ€sident Mario Voigt inzwischen steht. CDU, SPD und âThĂŒringen.Gerechtâ kommen gemeinsam auf nur 39 der 88 Sitze im Landtag. FĂŒr eigene Mehrheiten reicht das nicht.
Medienberichten zufolge ist das BĂŒndnis bei Abstimmungen deshalb auf die oppositionelle Linke angewiesen und auĂerdem auf fĂŒnf fraktionslose Abgeordnete, die frĂŒher der BSW-Fraktion angehörten. Erst vergangene Woche vereinbarte die Koalition feste Absprachen mit der Linkspartei, um bestimmte Gesetze durchzubringen. Eine Zusammenarbeit mit der AfD lehnt sie weiterhin ab.
Rechnerisch lagen die 41 Ja-Stimmen nur knapp ĂŒber der Sitzzahl der Koalition. Die Wahl war geheim, wer wie abgestimmt hat, bleibt offen. FĂŒr Beobachter wirkt das Ergebnis aber nicht gerade wie ein Beleg dafĂŒr, dass die neuen UnterstĂŒtzer zuverlĂ€ssig hinter der Regierung stehen.
Vom Wahlerfolg zum Scherbenhaufen
Dabei hatte fĂŒr das BSW in ThĂŒringen alles stark begonnen. Bei der Landtagswahl 2024 holte die junge Partei 15,8 Prozent und zog mit 15 Abgeordneten ins Parlament ein. Sie wurde sofort zur Regierungspartei.
Danach folgte ein langer Machtkampf. ParteigrĂŒnderin Sahra Wagenknecht und die damalige Landeschefin Katja Wolf gerieten immer wieder aneinander. Auslöser war Berichten zufolge die anhaltende Kritik der Bundesspitze an der Arbeit der Brombeer-Koalition in Erfurt. Anfang September zog Wolf dann die ReiĂleine. Mit neun weiteren Abgeordneten trat sie aus dem BSW aus und grĂŒndete âThĂŒringen.Gerechtâ.
Was bleibt?
Eine Landesregierung, die fĂŒr jedes Gesetz bei der Linken um Stimmen werben muss, eine Partei, die zwei Jahre nach ihrem Wahlerfolg in ThĂŒringen gespalten ist, und ein Parlament, das sich mit GeschĂ€ftsordnungsfragen statt mit den Problemen im Land beschĂ€ftigt. Ein WĂ€hler, der 2024 BSW gewĂ€hlt hat, wird sich fragen, was aus seiner Stimme geworden ist.
Am Freitag folgt der nĂ€chste Wahlgang. FĂ€llt Quasebarth erneut durch, wĂ€re das fĂŒr Mario Voigt mehr als eine Panne im PrĂ€sidium. Es wĂŒrde zeigen, dass seiner Koalition die Kontrolle ĂŒber die AblĂ€ufe im Landtag zunehmend entgleitet.

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