
Pommes-Aus in Mehrum: McCain beerdigt Milliarden-Fabrik!

Bittere Nachricht für den Landkreis Peine: Der kanadische Tiefkühlriese McCain stoppt seine geplante Pommesfabrik in Mehrum. Bis zu eine Milliarde Euro sollten auf dem Gelände des früheren Kohlekraftwerks fließen, bis zu 650 Jobs entstehen. Jetzt platzt eine der größten Industrie-Hoffnungen Niedersachsens.
Kosten rauf, Nachfrage runter
Der Konzern hatte die Wirtschaftlichkeit des Projekts nach eigenen Angaben noch einmal gründlich überprüft. Das Ergebnis: Die Investition werde "in ihrer derzeitigen Form" vorerst nicht weiterverfolgt, so heißt es laut Medienberichten aus dem Unternehmen.
Als Gründe nennt der weltgrößte Hersteller von Tiefkühl-Pommes die durch Inflation stark gestiegenen Projektkosten. Hinzu kämen Überkapazitäten in der europäischen Kartoffelverarbeitung und eine schwächere Nachfrage auf wichtigen Absatzmärkten. Ursprünglich sollte die erste Anlage bereits 2028 in Betrieb gehen.
Ganz verabschieden will sich McCain nicht. Deutschland bleibe ein wichtiger Markt, in den kommenden Monaten wolle man alternative Investitionen prüfen. Konkretes? Fehlanzeige.
60 Millionen Steuergeld – und trotzdem kein Spatenstich
Politisch war das Vorhaben mit allen Mitteln umworben worden. Niedersachsen half dabei, rund 50 Millionen Euro an Bundesmitteln einzuwerben. Weitere etwa zehn Millionen Euro standen aus Landesprogrammen in Aussicht. Gereicht hat es offenbar nicht.
Das ist die eigentliche Pointe dieser Geschichte. Wenn selbst ein Subventionspaket von 60 Millionen Euro die Rechnung nicht mehr retten kann, sagt das viel über die Lage am Standort Deutschland. Hohe Baukosten, Energiepreise, Bürokratie: Beobachter sehen hier ein Muster, das sich durch zahlreiche Großprojekte zieht.
Ein Muster mit Ansage?
Man erinnere sich an Intels Chipfabrik in Magdeburg, die trotz Milliardenförderung nie gebaut wurde. Oder an Thyssenkrupps hochsubventioniertes Grünstahl-Vorzeigeprojekt, das der Konzern auf den Prüfstand gestellt hat. Die Politik verteilt Fördermillionen – und die Investoren winken dennoch ab.
Strukturwandel ohne Struktur
Besonders schmerzhaft: Die Fabrik galt als Herzstück des Strukturwandels in Mehrum. Dort endete 2024 die Kohleverstromung. Der Standort am Mittellandkanal mit Verkehrsanbindung und industrieller Vergangenheit schien ideal, auch wenn belastete Böden die Vorarbeiten erschwerten. McCain nennt diese Altlasten allerdings nicht als ausschlaggebenden Grund.
Peines Landrat Henning Heiß sowie die Bürgermeister von Hohenhameln und Peine (alle SPD) bedauerten die Entscheidung laut NDR in einem gemeinsamen Statement: Die Fabrik hätte den gesamten Landkreis wirtschaftlich gestärkt. Erst raus aus der Kohle, dann rein ins Nichts? Was nun auf dem Gelände entstehen soll, ist völlig offen.
Bauern verlieren einen Großabnehmer
Hart trifft es auch die Landwirte. Laut Fachmedien sollten in Mehrum jährlich bis zu 750.000 Tonnen Kartoffeln verarbeitet werden. Einige Erzeuger hatten bereits über Lieferverträge verhandelt, eine regionale Organisation der Rohstoffversorgung war in Vorbereitung. Auch Logistiker und Dienstleister hätten profitiert.
Beim Landvolk Niedersachsen herrscht Ernüchterung. Dessen Vorsitzender Karl-Friedrich Wolff von der Sahl mahnte gegenüber dem NDR:
"Wir müssen dringend an unserer Wettbewerbsfähigkeit auch bei der Ansiedlung von Industrieanlagen arbeiten."
Erleichterung gibt es dagegen bei der Bürgerinitiative "Lebenswertes Hämelerwald", die jahrelang aus Sorge vor zusätzlichem Lkw-Verkehr gegen das Werk gekämpft hatte. Ihr stellvertretender Vorsitzender sieht den Protest als lohnend an.
Unser Fazit
Mehrum ist kein Einzelfall, sondern ein Warnsignal. Ein Weltkonzern rechnet nach – und Deutschland fällt durch, trotz Subventionen. Solange Berlin glaubt, Standortschwächen mit Fördergeld überdecken zu können, statt Kosten und Regeln grundlegend zu senken, werden weitere Milliardenprojekte folgen. Auf dem Papier, nicht auf der Baustelle.












