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Prügel-Video aus Frankfurt (Oder): Jetzt ermittelt die Polizei wegen einer Rede

Prügel-Video aus Frankfurt (Oder): Jetzt ermittelt die Polizei wegen einer Rede
Symbolbild: KI-generiert

Ein 14-jähriger Schüler wird am 14. Oktober vor der Heinrich-von-Kleist-Oberschule in Frankfurt (Oder) zusammengeschlagen, das Video der Tat geht durchs Netz. Eine Woche später prüft die Polizei nicht nur die mutmaßlichen Schläger, sondern auch eine Rede: Der brandenburgische AfD-Fraktionschef Hans-Christoph Berndt soll die Tatverdächtigen auf einer Kundgebung als „Orks“ bezeichnet haben.

Tritte gegen den Kopf – vor laufender Handykamera

Die Bilder sind kaum zu ertragen. Laut Polizei und Medienberichten schlug und trat eine Gruppe Jugendlicher auf den Jungen ein, auch als er schon wehrlos am Boden lag. Mehrfach sollen Tritte seinen Kopf getroffen haben. Umstehende hätten gejohlt und angefeuert, berichtete die BILD.

Der Schüler erlitt nach Polizeiangaben Gesichtsverletzungen. Die Ermittler haben zehn Tatverdächtige im Visier, allesamt zwischen 13 und 15 Jahre alt. Sie besitzen laut Polizei die deutsche, syrische, russische und polnische Staatsangehörigkeit. Ermittelt wird wegen gefährlicher Körperverletzung und Raub. Die mutmaßlichen Angreifer sollen ihre Tat selbst gefilmt und ins Internet gestellt haben.

Ein Teil der Verdächtigen besuche Berichten zufolge eine benachbarte Oberschule. Die Polizei warnt ausdrücklich davor, das Video weiterzuverbreiten, denn auch das sei strafbar.

500 Menschen auf der Straße – und ein Wort aus Mittelerde

Am Dienstagabend rief die AfD zu einer „Kundgebung gegen Migrantengewalt“ auf, rund 500 Menschen kamen. Berndt sprach dort davon, das Opfer sei von einer „Horde von Orks angegriffen und verprügelt“ worden. Später fiel der Satz: „Jeder kann Opfer der brutalen Orks werden.“

Wie der Tagesspiegel aus Ermittlerkreisen erfahren haben will, gehe es bei der Prüfung genau um diesen Begriff. Ein Polizeisprecher bestätigte gegenüber der dpa lediglich, dass Aussagen des AfD-Politikers geprüft würden, ohne sie zu benennen. Auch Jugendliche, die das Wort aufgegriffen haben sollen, stehen demnach im Fokus. Ebenso wie eine Gruppe, die gegen Ende „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ skandiert haben soll. Ob überhaupt etwas strafbar war, ist offen.

Wer spricht hier eigentlich noch über das Opfer?

Genau das ist das Fatale an dieser Woche. Ein Kind wird halb totgetreten, und nach wenigen Tagen dreht sich die Debatte um Vokabular aus dem „Herrn der Ringe“. Wer junge Tatverdächtige mit Fantasy-Monstern vergleicht, entmenschlicht, statt aufzuklären. Und er liefert all jenen eine bequeme Ausrede, die über die eigentlichen Probleme lieber schweigen.

Denn diese Probleme sind real. Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist Rekordwerte aus, Messerangriffe nehmen zu. Fachleute der Schulsozialarbeit sagten dem rbb, Gewalt und Kriminalität unter Jugendlichen nähmen wieder zu, und forderten mehr Personal für Prävention. Aus Sicht unserer Redaktion ist die Verrohung auf Schulhöfen auch das Ergebnis jahrelanger politischer Versäumnisse: bei Integration, bei Schulen am Limit und bei einer Justiz, die jugendliche Gewalttäter zu oft folgenlos davonkommen lässt.

Die CDU rügt, die Landesregierung verspricht

Die CDU Frankfurt (Oder) warf der AfD auf Instagram Stimmungsmache vor. Man setze „auf echte Gespräche und konkrete Lösungen vor Ort“, hieß es. Die Täter müssten konsequent zur Rechenschaft gezogen werden, eine „Kollektivschuld“ gebe es jedoch nicht. Innenminister Redmann, Sozialminister Wilke und Bürgermeister Strasser kündigten laut rbb Konsequenzen an, unabhängig von der Nationalität der mutmaßlichen Täter.

Das klingt richtig. Doch die Bürger in Frankfurt (Oder) haben solche Sätze schon oft gehört. Am Ende zählt, ob die zehn Verdächtigen eine spürbare Reaktion des Rechtsstaats erleben. Und ob Eltern ihre Kinder wieder ohne Angst zur Schule schicken können. Mit Kampfbegriffen von der Bühne ist das nicht zu schaffen, mit Sonntagsreden allerdings genauso wenig.

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