
Ryanair-Flucht: Warum Deutschlands Himmel immer leerer wird

Europas größter Billigflieger zieht sich Schritt für Schritt aus Deutschland zurück. Am 24. Oktober 2026 schließt Ryanair seine Basis am Hauptstadtflughafen BER, ab April 2027 fliegt die Airline Bremen gar nicht mehr an. Im Winter 2026/27 streicht der Konzern bundesweit rund 700.000 Sitzplätze. Den Grund sieht die Airline vor allem bei der deutschen Politik.
Berlin: Erst kein Flughafen, jetzt keine Flieger
Jahrelang war der BER eine Lachnummer. Erst nach rund 14 Jahren Bauzeit ging er 2020 in Betrieb. Jetzt steht er endlich, nur die Flugzeuge bleiben weg: Ryanair zieht sieben Maschinen ab, halbiert das Angebot und streicht zwölf Strecken. Darunter sind beliebte Ziele wie Gran Canaria, Palermo und Thessaloniki.
Ryanair spart dabei nicht mit Spott und nennt den BER den „erfolglosesten Flughafen Europas“. Die Betreibergesellschaft hat Medienberichten zufolge bereits einen Sparkurs angekündigt. Die frei werdenden Jets fliegen künftig in Ländern, die die Luftverkehrsteuer abgeschafft und die Gebühren gesenkt haben.
Bremen: Volle Maschinen, trotzdem Abschied
In Bremen sind die Folgen noch drastischer. Sechs Direktverbindungen fallen weg, fünf davon bot nur Ryanair an. Der Flughafen verliert jährlich mehr als 400.000 Passagiere, also jeden fünften Fluggast, und dazu rund drei Millionen Euro. Das wiegt schwer, denn der Airport schreibt ohnehin schon ein Defizit von etwa 13 Millionen Euro.
Und das, obwohl die Flieger nach Angaben des Landes zu 88 Prozent ausgelastet waren. Der Senat wollte nicht bis zu fünf Euro pro Passagier zuschießen. Selbst der Aufsichtsratschef räumt ein, dass die hohen deutschen Luftfahrtkosten ein Wettbewerbsnachteil seien, den kein Flughafen allein ausgleichen könne.
Die Liste der Verlierer wird länger
- Dortmund, Dresden, Leipzig/Halle: seit Sommer 2025 ohne Ryanair, Gespräche über eine Rückkehr sind gescheitert
- Frankfurt: verlor im März 2022 alle fünf stationierten Maschinen
- Düsseldorf und Stuttgart: im Herbst 2020 aufgegeben, Stuttgart durch die Tochter Laudamotion
- Hamburg: minus fünf Prozent im kommenden Winter
Abkassieren statt Abheben
Kritiker werfen Ryanair seit Jahren vor, Flughäfen und Staaten gegeneinander auszuspielen. Das mag stimmen. Aber so funktioniert ein Markt: Flugzeuge können umziehen, Regionen und Arbeitsplätze nicht. Und der Standort Deutschland ist teuer.
Laut einem Bericht der „Welt“ haben sich Steuern und Gebühren für Fluggäste zwischen 2020 und 2024 verdoppelt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat ausgerechnet, dass die Standortkosten von 2019 bis 2024 um 38 Prozent gestiegen sind, im europäischen Schnitt dagegen nur um 26 Prozent. Nach Angaben der Lufthansa sind die staatlichen Abgaben für einen Start in Dresden etwa achtmal so hoch wie im nur 120 Kilometer entfernten Prag.
Die Luftverkehrsteuer gibt es seit 2011, im Mai 2024 wurde sie angehoben. Zum 1. Juli 2026 hat die schwarz-rote Koalition diese Erhöhung wieder zurückgenommen und als Erfolg verkauft. Drei Monate später schließt Ryanair trotzdem seine Basis in Berlin. Ein echter Befreiungsschlag sieht anders aus.
Schweden schafft die Steuer ab und gewinnt
Wie es besser geht, zeigt Schweden. Das Land hat die Luftverkehrsteuer komplett gestrichen. Ryanair hat dort daraufhin die Flotte um 33 Prozent vergrößert, rund 200 Millionen Dollar investiert, 60 Arbeitsplätze geschaffen und das Netz auf 83 Routen ausgebaut. Nach Angaben der Airline haben auch Italien, Ungarn und die Slowakei ihre Steuern abgeschafft. Bratislava senkt die Flughafengebühren um bis zu 40 Prozent.
Und Deutschland? Emirates bekam erst nach 22 Jahren Verhandlungen Berlin als Ziel, mit höchstens sieben Flügen pro Woche. Dazu steigen die Kerosinpreise, und jede Airline prüft genau, welche Strecken sich noch lohnen.
Eine Exportnation darf nicht unerreichbar werden
Selbst die Bundesregierung schätzt, dass direkt oder indirekt rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze an der Luftfahrt hängen. Jede gestrichene Verbindung bedeutet weniger Messegäste, weniger Hotelübernachtungen und weniger Kunden für den Mittelstand. Der Staat steckt Milliarden in Straßen und Schienen, während er die Luftfahrt vor allem besteuert.
Für den Weg zum Bäcker taugt ein Lastenfahrrad bestens. Mit der Welt verbunden bleibt ein Land damit aber nicht.
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