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„Schuldknechte“-Eklat: Indien schäumt vor Wut über JD Vance!

„Schuldknechte“-Eklat: Indien schäumt vor Wut über JD Vance!
Symbolbild: KI-generiert

Zwischen Washington und Neu-Delhi wird es frostig. Die indische Regierung hat am Freitag Äußerungen von US-Vizepräsident JD Vance über indische Arbeitskräfte als „zutiefst beleidigend“ zurückgewiesen. Ausgelöst hat den Streit ein harter Schlag des US-Arbeitsministeriums gegen Microsoft, Adobe und mehrere große IT-Dienstleister.

Ein Satz, der in Neu-Delhi wie eine Ohrfeige wirkt

Vance hatte am Donnerstag erklärt, was die Trump-Regierung von Unternehmen erwartet, ob amerikanisch oder ausländisch: Sie sollen amerikanische Arbeiter beschäftigen. Danach kam der Satz, der in Indien wie eine Bombe einschlug.

Firmen könnten nicht amerikanische Arbeiter entlassen und sie dann durch ausländische „indentured servants“ ersetzen, sagte Vance. Zu Deutsch heißt das ungefähr: Schuld- oder Vertragsknechte. Besonders scharf ging er Microsoft an. Der Konzern habe 6.000 entlassene Beschäftigte durch Arbeitskräfte mit H-1B-Visum ersetzt, so sein Vorwurf. Auf eine Anfrage zur indischen Kritik antwortete sein Büro zunächst nicht.

Warum das Wort so tief trifft

Mit diplomatischem Theater hat die Empörung wenig zu tun. Nachdem das Britische Empire 1834 die Sklaverei abgeschafft hatte, verschifften die Kolonialherren jahrzehntelang mehr als eine Million Inder als Kontraktarbeiter. Sie schufteten auf Plantagen in der Karibik, auf Mauritius, auf Fidschi und in Südafrika. Der britische Historiker Hugh Tinker nannte dieses System „ein neues System der Sklaverei“.

Das indische Außenministerium reagierte entsprechend scharf. Vance verwende Begriffe mit „schmerzhaften historischen und kolonialen Konnotationen“. Solche Beschreibungen seien ungerechtfertigt. Sie übergingen, dass indische Fachkräfte in den USA hochgebildet seien und viel zu Wirtschaft und Innovation beitrügen. Pikant ist das auch, weil Vances Ehefrau Usha die Tochter indischer Einwanderer ist.

Der eigentliche Hammer: die Green-Card-Sperre

Hinter dem Wortgefecht steht handfeste Politik. Das US-Arbeitsministerium schließt die betroffenen Konzerne vom „Permanent Labor Certification Program“ (PERM) aus. Medienberichten zufolge begründet die Regierung das mit Betrugsvorwürfen. Die Firmen dürfen damit vorerst keine Green Card, also kein dauerhaftes Aufenthaltsrecht, für ihre H-1B-Beschäftigten beantragen. Betroffen sind neben Microsoft und Adobe:

  • Tata Consultancy Services
  • Infosys
  • Wipro
  • HCL
  • Cognizant
  • Capgemini

Für Indien geht es um viel. Laut offiziellen Daten wurden 2025 rund 70 Prozent aller H-1B-Begünstigten in Indien geboren. Trotzdem beruhigt Neu-Delhi die eigenen Bürger: Bestehende H-1B-Visa und der Status der Inhaber samt Familien seien nicht betroffen. Die Mobilität von Fachkräften nütze beiden Volkswirtschaften, die Sperren brächten die gemeinsamen Ziele dagegen nicht voran.

Indiens IT-Riesen wehren sich

Der Branchenverband NASSCOM erklärt, die indischen Technologiekonzerne seien in den vergangenen Jahren deutlich weniger auf H-1B-Visa angewiesen. Stattdessen stellten sie mehr Personal direkt in den USA ein. Tata Consultancy Services, Indiens größter IT-Konzern, habe in den letzten zwei Jahren nur eine „einstellige“ Zahl von H-1B-Anträgen gestellt. In den nächsten fünf Jahren wolle das Unternehmen weitere 15.000 Menschen in den USA einstellen.

Ganz nach Belieben kann Trump nicht handeln. Im Juni stoppte ein Bundesrichter die 100.000-Dollar-Gebühr für H-1B-Visa, die der Präsident im vergangenen Jahr eingeführt hatte.

Ein Lehrstück, auch für Berlin

Vances Wortwahl kann man für entgleist halten. Seine Frage bleibt trotzdem unbequem: Dürfen Konzerne heimische Arbeitskräfte entlassen und die Stellen dann mit ausländischem Personal besetzen? In Berlin gilt Fachkräfteeinwanderung oft als Antwort auf fast jedes Problem. Ob dabei die Interessen der Beschäftigten im eigenen Land genug zählen, wird dagegen selten gefragt. Washington zeigt: Wer die eigenen Arbeitnehmer an die erste Stelle setzt, riskiert diplomatischen Ärger, macht aber seine Prioritäten klar.

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