
Schweizer NeutralitÀt als Bremsklotz: Bern stoppt Waffenlieferungen an Washington
Was fĂŒr eine Ironie der Geschichte. Ausgerechnet die Schweiz â jenes kleine Alpenland, das sich seit Jahrhunderten auf seine NeutralitĂ€t beruft wie andere auf ihre Verfassung â erteilt den Vereinigten Staaten von Amerika eine rĂŒstungspolitische Abfuhr. Der Bundesrat in Bern hat sĂ€mtliche neuen Ausfuhrgenehmigungen fĂŒr Kriegsmaterial an die USA mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Der Grund: Washingtons Verwicklung in den bewaffneten Konflikt mit dem Iran.
Ein Exportstopp mit Signalwirkung
Seit der Eskalation des Konflikts Ende Februar 2026 seien keine neuen Lizenzen fĂŒr RĂŒstungsexporte in die USA mehr erteilt worden, teilte die Schweizer Regierung am Freitag mit. âDie Ausfuhr von Kriegsmaterial in die USA kann derzeit nicht genehmigt werden", hieĂ es in einer unmissverstĂ€ndlichen ErklĂ€rung aus Bern. Bereits bestehende Genehmigungen wĂŒrden hingegen als âderzeit nicht kriegsrelevant" eingestuft und dĂŒrften vorerst weiter genutzt werden â ein diplomatischer Spagat, der typisch schweizerisch anmutet.
Eine ressortĂŒbergreifende Expertengruppe aus Vertretern des Wirtschafts-, AuĂen- und Verteidigungsministeriums soll die Lage regelmĂ€Ăig neu bewerten. Man darf gespannt sein, wie lange diese Bewertung dauern wird â und ob sie am Ende mehr als ein bĂŒrokratisches Feigenblatt darstellt.
94 Millionen Franken stehen auf dem Spiel
Die wirtschaftliche Dimension dieser Entscheidung ist keineswegs trivial. Die USA waren im vergangenen Jahr der zweitgröĂte Abnehmer Schweizer RĂŒstungsgĂŒter. Rund zehn Prozent aller Exporte gingen ĂŒber den Atlantik â Lieferungen im Wert von stolzen 94,2 Millionen Franken, umgerechnet etwa 103 Millionen Euro. FluggerĂ€te, Munition, Handfeuerwaffen â das Sortiment liest sich wie der Katalog eines gut sortierten WaffenhĂ€ndlers. Dass die Schweiz nun ausgerechnet diesen lukrativen Markt auf Eis legt, zeigt, wie ernst Bern die eigene NeutralitĂ€tsdoktrin nimmt. Oder nehmen muss.
Denn der Exportstopp reiht sich nahtlos in eine Serie neutralitĂ€tsbedingter MaĂnahmen ein. Bereits Mitte MĂ€rz hatte die Schweiz ihren Luftraum fĂŒr mehrere US-MilitĂ€rflĂŒge gesperrt, die in direktem Zusammenhang mit dem Iran-Krieg standen. Eine Ohrfeige fĂŒr Washington, die in ihrer Symbolkraft kaum zu ĂŒberschĂ€tzen ist.
Déjà -vu: Die Lehren aus dem Ukraine-Krieg
Wer nun ĂŒberrascht die Augenbrauen hebt, hat offenbar die jĂŒngere Vergangenheit verdrĂ€ngt. Schon im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg hatte die Schweizer Regierung verbĂŒndeten Staaten untersagt, in der Eidgenossenschaft hergestelltes MilitĂ€rgerĂ€t an Kiew weiterzugeben. Die Konsequenz? Einige RĂŒstungsunternehmen verlagerten kurzerhand ihre Produktionsstandorte ins Ausland, um die NeutralitĂ€tspolitik zu umgehen. Ein Exodus, der Bern durchaus zu denken geben sollte.
Das Schweizer Parlament reagierte im Dezember mit einer Gesetzeslockerung, die Exporte an eine Gruppe von 25 ĂŒberwiegend westlichen Staaten auch dann erlauben wĂŒrde, wenn diese in einen Konflikt verwickelt sind. Auch die USA wĂ€ren Teil dieser privilegierten Gruppe. Doch hier liegt der Haken: Die Ănderung ist noch nicht in Kraft getreten und kann bis Mitte April per Referendum angefochten werden, sofern genĂŒgend Unterschriften zusammenkommen. In der direktdemokratischen Schweiz ist das keineswegs ein unrealistisches Szenario.
Was bedeutet das fĂŒr Europa â und fĂŒr Deutschland?
Die Schweizer Entscheidung wirft ein grelles Schlaglicht auf die geopolitischen Verwerfungen, die der Iran-Konflikt nach sich zieht. WĂ€hrend die Eidgenossen konsequent an ihrer NeutralitĂ€t festhalten â man mag das als prinzipientreu oder als weltfremd bezeichnen â, stellt sich fĂŒr Deutschland eine ganz andere Frage: Wie lange kann sich Europa noch den Luxus leisten, in sicherheitspolitischen Fragen derart fragmentiert aufzutreten?
Die neue GroĂe Koalition unter Friedrich Merz hat mit dem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen bereits gezeigt, dass sie bereit ist, astronomische Summen in die Hand zu nehmen. Ob davon auch die VerteidigungsfĂ€higkeit Deutschlands profitiert oder ob das Geld einmal mehr in bĂŒrokratischen Strukturen versickert, bleibt abzuwarten. Die Schweizer jedenfalls machen vor, was konsequente Haltung bedeutet â auch wenn man ĂŒber den Inhalt dieser Haltung trefflich streiten kann.
FĂŒr Israel und den Iran gelten ĂŒbrigens weiterhin strenge BeschrĂ€nkungen. FĂŒr beide LĂ€nder seien seit Jahren keine endgĂŒltigen Ausfuhrgenehmigungen fĂŒr Kriegsmaterial mehr erteilt worden, so der Bundesrat. DarĂŒber hinaus wĂŒrden auch GĂŒter mit doppeltem Verwendungszweck â also Produkte, die sowohl zivil als auch militĂ€risch genutzt werden können â kĂŒnftig ebenfalls regelmĂ€Ăig von der Expertengruppe ĂŒberprĂŒft. Die Schweiz zieht ihre NeutralitĂ€tslinie also mit dem Lineal. Ob das in einer Welt, die zunehmend in Flammen steht, noch zeitgemÀà ist, darf bezweifelt werden.
Eines steht fest: Die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran werden Europa noch lange beschĂ€ftigen. Und wĂ€hrend die Schweiz ihre Waffenexporte einfriert, dĂŒrften die Gaspreise â befeuert durch die Katar-AusfĂ€lle infolge des Konflikts â weiter steigen. FĂŒr den deutschen BĂŒrger, der ohnehin unter explodierenden Energiekosten Ă€chzt, ist das eine weitere bittere Nachricht in einer langen Reihe bitterer Nachrichten.
In Zeiten derartiger geopolitischer Unsicherheit und steigender Inflation erweisen sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber einmal mehr als verlĂ€sslicher Anker der Vermögenssicherung. Wer sein Portfolio klug diversifiziert und auf bewĂ€hrte Sachwerte setzt, dĂŒrfte auch in stĂŒrmischen Zeiten ruhiger schlafen als jene, die ihr Vertrauen ausschlieĂlich in Papierwerte und politische Versprechen setzen.
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