
Sprit-Not in Zentralasien: Tadschikistan zapft jetzt den Iran an!

Der Ukraine-Krieg trocknet die Zapfsäulen Zentralasiens aus. Tadschikistan bezieht seit Ende August Öl und Erdölprodukte aus dem Iran. Das hat das Energieministerium in Duschanbe der Nachrichtenagentur Asia-Plus bestätigt. Ausgerechnet ein Land, das selbst unter einer US-Seeblockade leidet, springt nun als Lieferant ein.
Wie viel bereits geflossen ist, zu welchem Preis und auf welchem Weg, bleibt offen. Klar ist: Die alte Abhängigkeit von Moskau bröckelt.
Kiews Drohnen treffen Moskaus Raffinerien
Seit Monaten greift die Ukraine russische Raffinerien mit Drohnen an. Je nach Schätzung lag zeitweise ein Sechstel bis ein Drittel der russischen Verarbeitungskapazität still. Moskau beschränkte daraufhin die Ausfuhr von Benzin und Diesel. In vielen Regionen Russlands wird Treibstoff inzwischen rationiert.
Die Rechnung ist simpel. Was Russland selbst fehlt, kann es nicht exportieren. Für Tadschikistan ist das bitter: Im ersten Halbjahr 2026 stammten noch 91,1 Prozent der importierten Erdölprodukte aus Russland, insgesamt rund 599.500 Tonnen. Wer so einseitig von einem Lieferanten abhängt, steht ziemlich nackt da, wenn der ausfällt. Deutschland kennt das: Vor 2022 kam mehr als die Hälfte seiner Gasimporte aus Russland.
Ein Riesenauftrag und eine Raffinerie, die nie richtig lief
Verkehrsminister Asim Ibrohim sagte im August nach Gesprächen in Teheran, die geopolitische Lage habe die Treibstoffimporte schrumpfen lassen. Sein Ministerium fragte im Iran nach bis zu 2,55 Millionen Tonnen pro Jahr. Zwei Millionen Tonnen davon sollen Rohöl sein, der Rest Diesel, Benzin und Kerosin. Das wäre mehr, als das Land im ganzen Vorjahr an Kraftstoffen eingeführt hat.
Bleibt die Frage: Wer verarbeitet das Rohöl? Die Raffinerie in Dangara ist seit 2018 in Betrieb. Laut der Times of Central Asia hat sie aber nie dauerhaft kommerziell gearbeitet. Ihre erste Ausbaustufe schafft 500.000 Tonnen im Jahr, also gerade ein Viertel der gewünschten Menge.
Auch Kirgistan klopft in Teheran an
Kirgistan bezieht mehr als 90 Prozent seines Benzins aus Russland. Im Juni meldeten Händler dort Engpässe. Präsident Sadyr Dschaparow sprach Ende August beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek mit Irans Präsident Massud Peseschkian über eine gemeinsame Raffinerie. Der habe dem Vorschlag laut der iranischen Agentur Tasnim im Grundsatz zugestimmt. Beschlossen ist aber noch nichts.
Teherans Notausgang führt über die Schiene
Für den Iran kommt die Nachfrage gerade recht. Seit die USA ihre Seeblockade Mitte Juli wieder in Kraft gesetzt haben, passierte laut Reuters, das sich auf die Analysefirmen Kpler und Vortexa beruft, bis Anfang September keine neue Rohölladung die Straße von Hormus Richtung China. Im August verlud Teheran demnach höchstens 255.000 Barrel täglich. Im März waren es noch rund zwei Millionen.
Der Landweg nach Norden bleibt offen, ist aber mühsam. Der Iran grenzt weder an Tadschikistan noch an Kirgistan. Laut Frederic Schneider vom Middle East Council on Global Affairs müsste alles per Bahn durch Turkmenistan und Usbekistan rollen. Für die angefragte Menge bräuchte es nach Angaben des tadschikischen Verkehrsministeriums rund 51.000 Kesselwagen.
Und der Ertrag? Selbst die komplette Anfrage entspräche nur rund 50.000 Barrel pro Tag, etwa drei Prozent des früheren Seegeschäfts. Schneider hält Zentralasien laut Al Dschasira zwar für einen nützlichen Absatzweg, aber für keinen Ersatz für China. Außerdem rechnet er damit, dass das Geschäft endet, sobald billigerer russischer Sprit zollfrei zurückkehrt.
Washington droht, Trump drängt
Wer iranisches Öl kauft, riskiert US-Sanktionen. Ein Beamter des US-Finanzministeriums ließ Radio Free Europe/Radio Liberty wissen, wer in diesem Sektor tätig sei, trage das Risiko selbst. Schneider erwartet Strafen eher gegen einzelne Händler und kleinere Banken als gegen Regierungen. Washington sei schließlich an den Rohstoffen der Region interessiert.
Zugleich drängt Donald Trump Kiew seit September, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. Der Grund liegt nahe: In den USA kletterte der Dieselpreis laut GasBuddy erstmals über sechs Dollar pro Gallone, knapp zwei Monate vor den Kongresswahlen. Moskau hat sein Diesel-Exportverbot seit dem Sommer mehrfach verlängert. Wie lange Zentralasien den Iran braucht, entscheidet sich also in Russlands Raffinerien.
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