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Tiefgaragen-OP und Triage beim Hausarzt: Deutschland probt den Ernstfall

Tiefgaragen-OP und Triage beim Hausarzt: Deutschland probt den Ernstfall
Symbolbild: KI-generiert

Deutschlands Arztpraxen und Kliniken werden auf den Kriegsfall vorbereitet. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat die niedergelassenen Ärzte zum ersten Mal überhaupt zu ihrer „Krisen- und Katastrophenresilienz“ befragt. Gefragt wurde unter anderem nach Wissen über chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren. Gleichzeitig rechnen Krankenhäuser durch, wie viele Verwundete sie versorgen könnten und ob notfalls unter der Erde operiert werden muss.

Der Fragebogen, der alles verrät

Rund 70.000 Praxen hatte das Zi im Frühjahr angeschrieben, knapp 4.000 haben geantwortet. Die Auswertung fällt laut Fachpresse ernüchternd aus: 82 Prozent der befragten Praxen haben keinen Notfallplan für einen Stromausfall. Fällt die Telekommunikation aus, stehen 80 Prozent ohne Plan da.

Vielen Ärzten sei außerdem unklar, welche Rolle sie im Katastrophenfall spielen, wer zuständig ist und über welche Wege kommuniziert wird. Das ist kein Vorwurf an die Mediziner. Es zeigt vielmehr, wie wenig sich Politik und Behörden bisher um die ambulante Versorgung gekümmert haben.

Es gibt auch gute Nachrichten. 65 Prozent der Arztpraxen geben an, im Krisenfall schnell herausfinden zu können, welche Patienten dringend behandelt werden müssen. Von den Ärzten, die grundsätzlich helfen würden, wären 76 Prozent bereit, an einem anderen Ort in erreichbarer Nähe zu arbeiten. Weitere 21 Prozent würden auch weiter entfernt einspringen. Der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried mahnt:

„Krisenfestigkeit beginnt lange vor dem eigentlichen Ereignis.“

Bis zu 1.000 Verwundete – an jedem einzelnen Tag

Wie ernst die Lage ist, zeigen die Planungen der Bundeswehr. Bei einem Angriff auf die Verbündeten in Osteuropa würde Deutschland zur Drehscheibe. Die Szenarien rechnen nach Angaben der Truppe mit 300 bis 1.000 Patienten pro Tag, die aus dem Osten nach Deutschland kämen. Ein Drittel davon müsste auf die Intensivstation.

Ausgerechnet dann wäre der Sanitätsdienst größtenteils in der Nähe der Front im Einsatz. Die fünf Bundeswehrkrankenhäuser stünden der Bevölkerung nur noch eingeschränkt zur Verfügung. Fachleute warnen seit Langem: Bundeswehrkliniken, Unfallkliniken und die vorgesehenen Universitätskliniken wären im Ernstfall schon nach etwa 48 Stunden voll.

Deshalb überlegen Kliniken inzwischen, ob sie unterirdische Räume als Behandlungsflächen bereithalten sollten. Tiefgaragen als OP-Säle? Was nach Kaltem Krieg klingt, wird wieder ernsthaft geplant. Offen ist auch, ob und wie stark sich die Bundeswehr an den Kosten solcher Kapazitäten beteiligt.

Zeitenwende mit Verspätung

Schon im März 2024 hatte der damalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine „Zeitenwende im Gesundheitswesen“ ausgerufen. Zweieinhalb Jahre später wirkt die Bilanz dünn. Seine Nachfolgerin Nina Warken (CDU) nannte die Krisenfestigkeit der medizinischen Infrastruktur im Februar 2026 offen „unzureichend“. Für den Sommer kündigte sie den Entwurf eines Gesundheitssicherstellungsgesetzes an. Schon die Ampel wollte ein solches Gesetz.

Inzwischen ist Warken nicht mehr im Amt, seit Juli führt Carsten Linnemann (CDU) das Ministerium. Wer die Vorsorge am Ende bezahlt, ist Fachberichten zufolge weiter ungeklärt. Die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, sagt es deutlich: „Unser Gesundheitswesen ist nicht krisenfest.“

Ein System, das schon im Frieden ächzt

Das ist das eigentliche Problem. Die Kliniken leiden seit Jahren unter einem Investitionsstau, es fehlen Fachkräfte, und die Digitalisierung kommt kaum voran. Jetzt sollen sie zusätzlich Hunderte Schwerverletzte am Tag aufnehmen und die normale Versorgung trotzdem aufrechterhalten.

Viele Bürger dürften sich fragen, warum Berlin Milliarden an neuen Schulden aufnimmt, während Praxen nicht einmal einen Plan für einen Stromausfall haben. Vorsorge lässt sich nicht im Ernstfall nachholen. Das gilt für den Staat. Und wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auch selbst vorsorgen.

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