
Trumps Gas-Coup in Alaska: Taiwan soll 30 Prozent abnehmen!

US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wasilla, Alaska, einen Großabnehmer für das umstrittene Gasprojekt „Alaska LNG“ präsentiert: Taiwan. Die Inselrepublik soll laut Trump 30 Prozent des geförderten Gases kaufen, und das zwei Jahrzehnte lang. Wie belastbar diese Zusage ist, bleibt bislang offen.
Ein Satz, viele Fragezeichen
Trump gab sich vor seinen Anhängern siegessicher. Wörtlich sagte er nach Medienberichten:
„Taiwan has just agreed to buy 30% of the gas coming off the pipeline for the next 20 years. That guarantees a success.“
Taiwan habe also gerade zugesagt, 30 Prozent des Pipeline-Gases für die nächsten 20 Jahre abzunehmen. Damit sei der Erfolg garantiert. Klingt gut. Nur: Konkrete Vertragsbedingungen nannte der Präsident nicht. Das Weiße Haus, Taiwans Energieministerium und der staatliche Energiekonzern CPC Corp. äußerten sich zunächst nicht.
Ganz aus der Luft gegriffen ist die Meldung allerdings nicht. Schon im März 2025 hatte CPC Berichten zufolge mit der Alaska Gasline Development Corp. eine Vereinbarung über den Kauf von Flüssigerdgas und eine Beteiligung am Projekt geschlossen.
Taiwans Energiehunger: Chips brauchen Strom
Für Taipeh hat das Thema existenzielle Bedeutung. Taiwan ist die Heimat des Chip-Giganten TSMC und damit einer der wichtigsten Standorte der globalen Technologiebranche. Der KI-Boom treibt den Stromverbrauch kräftig nach oben.
Das Problem: Mehr als 90 Prozent seiner Energie muss die Insel importieren. Nach Prognosen des Wirtschaftsministeriums dürfte die Stromnachfrage bis 2035 jährlich um rund 2,5 Prozent wachsen. Das wäre der zweithöchste Wert, den das Ministerium je vorhergesagt hat, und mehr als in Japan oder Südkorea.
Hinzu kommt die Geopolitik. Peking betrachtet die demokratisch regierte Insel als eigenes Territorium, Taiwan wartet noch immer auf große neue Waffenlieferungen aus den USA. Wer Washington mit Milliardenkäufen bei Laune hält, verbessert womöglich die eigene Verhandlungsposition. Ein Zufall dürfte das kaum sein.
Druck auf Seoul: Zuckerbrot und Zollpeitsche
Mindestens genauso brisant ist der Streit mit Südkorea. Trump hatte mehrfach erklärt, Seoul beteilige sich mit rund 50 Milliarden Dollar an dem Projekt. Die südkoreanische Regierung widerspricht: Man prüfe noch, ob das Vorhaben wirtschaftlich tragfähig sei und den rechtlichen Vorgaben im eigenen Land entspreche.
Trumps Antwort fiel gewohnt robust aus. Wenn Seoul nicht bald unterschreibe, werde er dem Land mehr berechnen und es „verdoppeln“. Was genau er verdoppeln wolle, ließ er offen. Südkoreanische Medien vermuten, gemeint seien die Zölle. Zur Erinnerung: Erst nach Zolldrohungen hatte Seoul Investitionen von 350 Milliarden Dollar zugesagt, im Gegenzug sank der US-Zollsatz von 25 auf 15 Prozent.
Ein Mega-Projekt am Rande der Wirtschaftlichkeit
Die Skepsis der Asiaten hat gute Gründe. Der Entwickler Glenfarne, der 75 Prozent hält, beziffert die Kosten auf 44,5 bis 54,5 Milliarden Dollar. Laut Reuters wäre das pro Tonne Kapazität mehr als doppelt so teuer wie vergleichbare Anlagen an der Golfküste. Eine rund 1.300 Kilometer lange Pipeline müsste vom North Slope bis nach Nikiski führen, durch Permafrost und über Gebirgspässe.
Das erste Gas soll laut Glenfarne 2029 fließen. Ob dieser Zeitplan hält, ist fraglich. Klar ist dagegen: Der Präsident nutzt das Projekt knapp vor den Midterm-Wahlen als Beleg dafür, dass seine Handelspolitik wirkt.
Die Lehre für Anleger
Für Europa und Deutschland zeigt der Fall vor allem eines. Energie ist längst ein Machtinstrument, und Washington setzt es ohne Zögern ein. Lieferzusagen, Zölle und Sicherheitsgarantien werden munter miteinander verrechnet. Wer sein Vermögen gegen solche geopolitischen Erschütterungen absichern will, kann physische Edelmetalle wie Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser muss eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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