
Vierte Pleite in sechs Jahren: Wo blieb der versprochene „Batzen Cash“?

Galeria ist wieder pleite. Am 2. Oktober 2026 hat Deutschlands letzte große Warenhauskette beim Amtsgericht Düsseldorf zum vierten Mal seit 2020 einen Insolvenzantrag gestellt. Zweieinhalb Jahre nachdem die neuen Eigentümer einen kraftvollen Neustart angekündigt hatten, stehen 83 Filialen und Tausende Arbeitsplätze erneut auf der Kippe.
Große Worte vor laufenden Kameras
Rückblende in den April 2024. In der Essener Zentrale tritt Bernd Beetz vor die Presse, früher Chef von Coty und Christian Dior. Gemeinsam mit dem US-Investor Richard Baker und dessen Firma NRDC übernimmt er die Kette aus dem dritten Insolvenzverfahren. Beetz spricht von seiner „Liebe zum Warenhaus“ und davon, ein Stück „deutsche Kultur“ bewahren zu wollen.
„Wir schieben einen ganzen Batzen Cash in das Unternehmen.“
Von diesem Versprechen ist heute wenig übrig. Schon damals hatte es Warnungen gegeben. Der frühere Kaufhof-Chef Lovro Mandac sagte in einem Interview: „In drei Jahren ist das Unternehmen platt.“ Er sollte recht behalten, und zwar früher als gedacht.
Die Gläubiger zahlten die Zeche
Den Preis für den Neustart von 2024 trugen andere. Lieferanten und Vermieter hatten Forderungen von 886,1 Millionen Euro angemeldet. Zurück flossen voraussichtlich nur 22,5 Millionen Euro, also kaum mehr als zweieinhalb Cent je Euro.
Danach folgte der übliche Kosmetik-Katalog. Die Namen Karstadt und Kaufhof verschwanden, die Rechtsform wurde umgebaut, und der Aufsichtsrat fiel weg. Verdi kritisierte, damit fehle ein wichtiger Schutz vor Managementfehlern.
Beraterhonorare und Privatjets
Medienberichten zufolge sollen NRDC laut internen Unterlagen jährlich 2,25 Millionen Euro aus einem „Service Agreement“ zustehen. Beetz soll für August bis Dezember 2024 Reisekosten von rund 47.900 Euro abgerechnet haben, darunter Privatflüge und Hotels in London und Venedig. Für das erste Quartal 2025 sollen weitere 55.000 Euro hinzugekommen sein. Ein Sprecher von Beetz erklärte dazu, die Kosten seien ausschließlich für Galeria angefallen. Beetz habe die Zahlungen zudem aufgeschoben, um die Liquidität des Unternehmens zu schonen.
Rabattschlachten und Personalkarussell
In den Filialen setzte das Management derweil auf Ausverkauf: 30, 50, 70 Prozent Rabatt, aufblasbare Winkefiguren und Glücksräder. Betriebsräte klagten über kaputte Decken, defekte Heizungen und fehlende Basisware. Mit Dauerrabatten bindet man keine Kunden, man bringt ihnen nur bei, auf den nächsten Schlussverkauf zu warten.
Gleichzeitig verließen die Führungskräfte reihenweise das Unternehmen. Chef Olivier Van den Bossche musste im April 2025 gehen, Co-Chef Christian Sailer im Januar 2026. Insidern zufolge sollen sich beide gegen millionenschwere Ausschüttungen an die Gesellschafter gestellt haben. Eine offizielle Begründung gab es in keinem der beiden Fälle. Zur selben Zeit stürzten Bakers Firmen in Nordamerika ab: Die kanadische Hudson's Bay Company, gegründet 1670, ging 2025 in die Insolvenz, Saks Global folgte im Januar 2026.
Der Kredit, der nur Zeit kaufte
Im Juni 2026 präsentierte Galeria stolz einen Kredit von „bis zu 160 Millionen Euro“ des Abverkaufsspezialisten Gordon Brothers. Der Geldgeber ließ sich nahezu den gesamten Warenbestand als Sicherheit übertragen. Ein großer Teil des Geldes floss in die Tilgung alter Schulden bei Bain Capital, die zu 15 Prozent Zinsen verliehen hatte. Für die Ware zum Weihnachtsgeschäft blieb offenbar zu wenig übrig.
Anfang Oktober gelang die Überweisung der Septembergehälter laut Berichten nur noch knapp. Am Abend des 1. Oktober scheiterten die Gespräche über frisches Geld. Einen Tag später folgte der Antrag, den das Unternehmen als Weg zur „nachhaltigen Zukunft“ bezeichnete.
Was bleibt von der Warenhaus-Idee?
Gesamtbetriebsrat und Verdi verlangen nun schnelle Aufklärung. Die Beschäftigten wurden schon dreimal vertröstet. Für viele Innenstädte, ohnehin geschwächt durch hohe Energiekosten, Bürokratie und den Onlinehandel, droht der Verlust ihres letzten Frequenzbringers.
Der Fall Galeria wirft eine unbequeme Frage auf: Wie oft dürfen Eigentümer ein Unternehmen mit Fremdkapital über Wasser halten, während Gläubiger, Vermieter und Mitarbeiter immer wieder die Verluste tragen? Ein Insolvenzrecht, das diesen Kreislauf zulässt, belohnt die Falschen. Leistung und echte Verantwortung sehen anders aus.
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