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10.10.2026
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„Wacht endlich auf!“: CDU-Mann Radtke warnt vor dem Koalitions-Crash

„Wacht endlich auf!“: CDU-Mann Radtke warnt vor dem Koalitions-Crash
Symbolbild: KI-generiert

Dennis Radtke, Chef des CDU-Sozialflügels, warnt eindringlich davor, das schwarz-rote Bündnis platzen zu lassen. Im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte der Europaabgeordnete, ein Bruch der Koalition nütze allein der AfD. Die Debatte über eine Minderheitsregierung der Union mache ihn „fassungslos“. Die Lage in der Union ist ernst, und das spürt man an jedem seiner Sätze.

Panik im Konrad-Adenauer-Haus?

Seit Tagen wird in Berlin offen darüber spekuliert, ob die Regierung von Kanzler Friedrich Merz bis zum Ende der Legislatur hält. Diskutiert wird ein Modell, in dem die Union allein regiert und sich im Bundestag für jedes Vorhaben eigene Mehrheiten sucht. Das klingt nach Freiheit. In der Praxis würde wohl jedes Gesetz zum Pokerspiel mit offenem Ausgang.

Radtke hält das für „abenteuerlich“. Deutschland könne so seinen Aufgaben nicht gerecht werden, sagt er. Vom schwarz-roten Projekt will er trotzdem nicht lassen:

„Diese Koalition muss handlungsfähig sein, und ich will den Glauben daran nicht aufgeben.“

Manche Verantwortliche hätten den Ernst der Lage noch nicht begriffen, sagt der CDA-Chef. Seine Formel lautet: „Niemand außer der AfD kann sich ernsthaft wünschen, dass diese Regierung zerbricht.“ Viele Bürger dürften das anders sehen. Sie warten seit Monaten auf spürbare Entlastungen, während der Staat mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen neue Schulden auftürmt.

Das Beben von Magdeburg

Was Radtke umtreibt, hat einen Namen: Sachsen-Anhalt. Bei der Landtagswahl Anfang September kam die AfD laut offiziellem Ergebnis auf 43,8 Prozent. Die CDU stürzte auf 17,2 Prozent ab, ein Minus von fast 20 Punkten. Die AfD stellt 39 der 83 Sitze. Inzwischen wurde ihr Abgeordneter Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten gewählt. Medienberichten zufolge wird darüber gestritten, ob ihm auch Stimmen aus der CDU-Fraktion verholfen haben.

Radtke zufolge denken in Magdeburg einige Christdemokraten darüber nach, die Fraktion zu verlassen und mit der AfD zusammenzuarbeiten. Auch der MDR berichtet von einer drohenden Spaltung der CDU-Fraktion. Die Brandmauer bröckelt also nicht in Talkshows, sondern im Plenarsaal.

Seitenhieb gegen Berlin

Radtke kritisiert aber nicht nur die eigene Partei. In der Hauptstadt haben SPD, Grüne und Linke nach der Abgeordnetenhauswahl Sondierungen vereinbart. Radtke wirft SPD und Grünen vor, sie seien bereit, sich mit „Linksextremisten, Antisemiten und Clan-Sympathisanten politisch ins Bett“ zu legen. Die Mitte begebe sich damit ins „Fegefeuer“ von Populisten und Extremisten. Sein Appell: „Ich kann nur sagen: Wacht endlich auf!“

Die eigentliche Wunde: das verlorene Profil

Am aufschlussreichsten ist seine Diagnose zur CDU selbst. Die Partei stecke in einer tiefen Vertrauenskrise, weil ihr christlich-soziales Profil kaum noch erkennbar sei. Als Vorbild empfiehlt er Merz den Landesverband Nordrhein-Westfalen. Dort sei die Union noch Volkspartei und im Alltag der Menschen verwurzelt. Ob das so bleibt, zeigt sich 2027, wenn in NRW gewählt wird.

Ob mehr Sozialprofil wirklich die Lösung ist, darf man bezweifeln. Viele frühere Unionswähler vermissen wohl eher die Politikwechsel, die ihnen im Wahlkampf versprochen wurden: bei Migration, Steuern, Bürokratie und Energiepreisen. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein forderte laut Berichten vor der anstehenden Klausur des CDU-Präsidiums, sich auf Lebenshaltungskosten, Sicherheit, Migration und Arbeitsplätze zu konzentrieren.

Das Fazit ist unbequem: Eine Koalition, die nur noch zusammenhält, damit die AfD nicht profitiert, liefert ihren Kritikern selbst die Argumente. Das „Fegefeuer“, vor dem Radtke warnt, hat sich die Mitte zu großen Teilen selbst geschaffen.

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