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25.09.2026
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War Hitler ein Linker? Eine 23 Jahre alte These wird zum ZĂŒndstoff

War Hitler ein Linker? Eine 23 Jahre alte These wird zum ZĂŒndstoff
Symbolbild: KI-generiert

AfD-Chefin Alice Weidel hat ihre umstrittene Aussage erneuert, Adolf Hitler sei ein „Linksextremist“ gewesen. Damit bekommt ein Text neue Aufmerksamkeit, den der Hitler-Biograf Joachim Fest im September 2003 veröffentlichte, ausgerechnet in der linken taz. Seine These lautete: Der Nationalsozialismus gehöre politisch eher nach links als nach rechts.

Ein Satz nach der Wahl

Medienberichten zufolge wiederholte Weidel ihre EinschÀtzung auf einer Pressekonferenz nach den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Anlass war eine Frage zum deutlichen Wahlsieg der Linken in Berlin. Neu ist die Aussage nicht. Schon Anfang 2025 hatte Weidel Hitler in ihrem Live-GesprÀch mit Elon Musk auf X als Linken bezeichnet.

Musk selbst formulierte es auf X noch zugespitzter: „Hitler war ein Sozialist, deshalb sind alle Sozialisten Hitler.“ Die Empörung in vielen Redaktionen folgte prompt. Doch worauf stĂŒtzt sich die These ĂŒberhaupt?

Der Historiker, der die Schubladen aufriss

Joachim Fest war kein Provokateur vom Rand. Er war Mitherausgeber der FAZ und schrieb 1973 eine der bekanntesten Hitler-Biografien ĂŒberhaupt. Seinen Beitrag verfasste er fĂŒr die sogenannte „Feindes-taz“ vom 27. September 2003. Zum JubilĂ€um der Zeitung hatte damals der Chefredakteur der Bild, Kai Diekmann, eine Sonderausgabe gestaltet.

Fest schrieb, es sprĂ€chen „manche guten GrĂŒnde“ dafĂŒr, den Nationalsozialismus eher links als rechts einzuordnen. Er habe jedenfalls mehr mit Stalins Totalitarismus gemein gehabt als mit Mussolinis Faschismus. Seine Argumente:

  • Die Idee der „Volksgemeinschaft“ als Ersatz fĂŒr die klassenlose Gesellschaft
  • EgalitĂ€re, antibĂŒrgerliche Elemente und antikapitalistische Rhetorik
  • Die Unterordnung des Einzelnen unter ein kollektives Ganzes
  • Das gemeinsame Ideal des „Neuen Menschen“ und der Kampf gegen die bĂŒrgerlich-liberale Ordnung

Fest rÀumte ein, dass Hitler die Produktionsmittel nicht verstaatlicht habe. Die Klassenunterschiede habe er aber einebnen wollen. Italien dagegen habe seine alten Klassenstrukturen behalten.

Was die Forschung dagegenhÀlt

Die historische Forschung ordnet den Nationalsozialismus ĂŒberwiegend der extremen Rechten zu. Als Kernmerkmale gelten radikaler Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, FĂŒhrerprinzip und Antimarxismus. Die „Volksgemeinschaft“ war ethnisch definiert. Wer nicht dazugehören sollte, wurde ausgegrenzt, verfolgt und ermordet.

Historiker bestreiten nicht, dass es antikapitalistische und gleichmacherische Töne gab. Sozialistisch im klassischen Sinn sei die Bewegung deshalb aber nicht gewesen. Der sozialrevolutionĂ€re FlĂŒgel um die SA wurde 1934 beim sogenannten Röhm-Putsch blutig ausgeschaltet. Zudem wird ein von Fest verwendetes Hitler-Wort angezweifelt, er habe „nicht die Betriebe, sondern den Menschen“ sozialisiert. Die Quellenlage gilt als unsicher.

Die eigentliche Lehre: Totalitarismus kennt keine Farbe

Am Ende ist Fests Text weniger ein Urteil als eine Provokation gegen bequeme Denkmuster. Nationalsozialisten und Stalinisten waren Todfeinde. Trotzdem schlossen sie 1939 einen Pakt. Und sie teilten die Methoden: Einparteienstaat, Geheimpolizei, Terror und den Anspruch, Menschen und Gesellschaft von Grund auf umzuformen.

Genau das ist der Punkt, den viele in der Aufregung ĂŒbersehen. Die entscheidende Grenze verlĂ€uft nicht zwischen links und rechts, sondern zwischen Freiheit und Allmachtsstaat. Wer das Eigentum, den Einzelnen und die Familie dem Kollektiv opfert, landet am Ende im Totalitarismus, egal unter welcher Fahne.

Ob Weidels Zuspitzung der Geschichte gerecht wird, bleibt heftig umstritten. Beobachter sehen darin auch ein politisches Manöver gegen den Nazi-Vorwurf, der die AfD seit Jahren begleitet. Eines zeigt die Debatte aber schon: Mehr als 80 Jahre nach Kriegsende ist die Frage, wie man die dunkelste Epoche der deutschen Geschichte einordnet, keine bloße Sache fĂŒr Fachleute. Sie ist ein Kampf um die politische Deutungshoheit von heute.

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