
Weimers Preis-Posse: Erst rausgeworfen, jetzt der Verlag ausgezeichnet

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat im Januar 2026 die Göttinger Buchhandlung Rote Straße vom Deutschen Buchhandlungspreis gestrichen. Begründet wurde das mit Erkenntnissen des Verfassungsschutzes. Jetzt steht ausgerechnet ein Verlag, der aus einem Verlagsprojekt dieses Ladens hervorgegangen ist, auf der Gewinnerliste des Deutschen Verlagspreises. Wie passt das zusammen?
Ein Verlag mit bekannter Herkunft
Es geht um den Verlag Assoziation A. Laut dem Magazin Glut gehört er zu den 85 Preisträgern, deren Namen Weimer Ende September bekannt gab. Gegründet wurde der Verlag 2001. Damals schlossen sich der Hamburger Verlag Libertäre Assoziation und der Verlag der Buchläden Schwarze Risse/Rote Straße zusammen. Buchläden und Verlage hatten schon vorher zusammengearbeitet.
Die Herkunft ist also kein Geheimnis. Trotz dieser Nähe hat Weimers Behörde offenbar nicht genauer hingeschaut. Auf Anfrage teilte eine Sprecherin mit, es hätten „keine konkreten Anhaltspunkte für ein weitergehendes Prüfverfahren“ vorgelegen.
Rückblick: Der Eklat um den Buchhandlungspreis
Zur Erinnerung: Die Rote Straße war eine von drei Buchhandlungen, die die unabhängige Jury für den Buchhandlungspreis vorgeschlagen hatte. Weimers Haus zeichnete sie trotzdem nicht aus. Ebenfalls gestrichen wurden der Golden Shop in Bremen und der Berliner Laden Zur schwankenden Weltkugel.
Dafür nutzte die Behörde das sogenannte Haber-Verfahren. Dabei fragt sie beim Bundesamt für Verfassungsschutz nach, was über die Empfänger von Fördergeld bekannt ist. Anfang März erklärte die Bundesregierung, bei den drei Läden hätten „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“ vorgelegen. Der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer sagte damals, wer solche Steuermittel bekomme, müsse nach Ansicht des Kulturstaatsministers „über jeden Zweifel erhaben“ sein.
Gerichtliche Ohrfeige und abgesagte Gala
Danach ging es schief. Der Streit wurde so laut, dass Weimer die Verleihung auf der Leipziger Buchmesse ganz absagte. Die übrigen Preisträger bekamen ihre Auszeichnungen und ihr Geld trotzdem. Dann folgte eine Niederlage vor Gericht: Das Verwaltungsgericht Berlin verbot dem Minister vorläufig, die Betreiberinnen von Zur schwankenden Weltkugel als „politische Extremisten“ zu bezeichnen. Der bloße Hinweis des Verfassungsschutzes reiche dafür nicht aus, so das Gericht.
Antifa-Handbuch auf der Gewinnerliste
Assoziation A ist nicht der einzige linke Verlag unter den Gewinnern. Auch der Schmetterling Verlag aus Stuttgart wird ausgezeichnet. In seinem Programm steht das Buch „Antifa – Geschichte und Organisierung“. Darin geht es laut Verlag um die „Theorien und Praktiken der linksradikalen Antifaschist_innen“. Das Buch soll Wissen vermitteln, das für die „moderne“ und „radikale Antifa“ wichtig sei. So solle eine „gesellschaftlich wirksame, emanzipatorische Bewegung“ vorangebracht werden.
Dabei gelten auch für den Verlagspreis klare Regeln: Ausgeschlossen sind Verlage mit Büchern, die „verfassungsfeindliche, insbesondere antisemitische, rassistische oder sonstige gruppenbezogen menschenverachtende Inhalte“ enthalten. Wer bei solchen Texten ganz ohne Nachfragen durchkommt, der kann für Kritiker kaum noch von einem durchdachten Prüfmaßstab sprechen.
Der Steuerzahler zahlt so oder so
Um diese Summen geht es:
- 79 Verlage erhalten jeweils 18.000 Euro
- Drei Spitzenpreise sind mit jeweils 50.000 Euro dotiert
- Der Nachhaltigkeitspreis und der neue Innovationspreis bringen jeweils 24.000 Euro
- Ein weiterer Verlag bekommt ein Gütesiegel ohne Preisgeld
Zusammen sind das rund 1,6 Millionen Euro an Steuergeld. Beworben hatten sich 279 Verlage. Wer die Spitzen- und Sonderpreise bekommt, wird bei der Verleihung am 9. Oktober bekanntgegeben.
Unterm Strich bleibt ein schiefes Bild. Erst wirft das Ministerium Buchläden mit Hilfe von Geheimdienstinformationen raus und verliert damit vor Gericht. Wenige Monate später fördert es einen Verlag aus genau diesem Umfeld. Das ist kein klarer Kurs, sondern Beliebigkeit. Dahinter steht eine Frage, die in Berlin kaum jemand stellt: Warum soll der Staat überhaupt entscheiden, welche Verlage und Buchläden Geld von den Bürgern bekommen?
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