
Abgaben-Falle am Himmel: Deutschland fliegt international hinterher!

Deutschlands Luftfahrt verliert den Anschluss, und laut einer neuen Studie trägt der Staat daran eine Mitschuld. Ein Wirtschaftsreport, den das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) erstmals gemeinsam vorgelegt haben, kommt zu einem klaren Ergebnis: Die staatlichen Standortkosten haben sich zwischen 2019 und 2025 an manchen Flughäfen mehr als verdoppelt. Die Folgen sind weniger Verbindungen, teurere Tickets und abwandernde Airlines.
Doppelt so teuer, halb so attraktiv
Am Beispiel Düsseldorf wird das besonders deutlich. Für einen gewöhnlichen Europaflug mit rund 150 Passagieren verlangte der Staat 2019 noch 2.227 Euro an Luftverkehrsteuer, Sicherheitsabgaben und Flugsicherungsgebühren. 2025 waren es 4.601 Euro.
In Stuttgart werden für denselben Flug inzwischen mehr als 5.000 Euro fällig, ein Plus von 114 Prozent. In Frankfurt stiegen die Kosten um 68 Prozent und liegen damit sogar über dem Düsseldorfer Wert. Im Bundesschnitt zahlt jeder Passagier rund 30 Euro an staatlichen Kosten.
Dazu kommen weitere Belastungen. Seit 2026 bekommen Airlines keine kostenlosen Emissionszertifikate mehr. Außerdem gibt Deutschland die Einnahmeausfälle der Flugsicherung aus der Corona-Zeit, insgesamt 1,2 Milliarden Euro, vollständig an die Nutzer weiter. Spanien, Belgien und Norwegen übernehmen solche Ausfälle laut Report zumindest teilweise selbst.
Istanbul überholt Frankfurt
Für eine Exportnation ist das eine schlechte Nachricht. Gemessen am Frachtaufkommen hat Istanbul Frankfurt als größten Luftfrachtstandort Europas abgelöst. An den deutschen Flughäfen wuchs die Fracht 2025 um 1,6 Prozent auf rund 4,86 Millionen Tonnen, weltweit dagegen um 3,4 Prozent.
Auch bei Geschäftsreisen sieht es düster aus. In Düsseldorf gab es 2024 rund 39,3 Prozent weniger Flüge zu Geschäftsreisezielen als 2019, in Stuttgart 30,3 Prozent und in München 17,9 Prozent weniger. Gleichzeitig hat sich der durchschnittliche Ticketpreis zwischen 2010 und 2024 auf etwa 300 Euro verdoppelt.
„Der Report zeigt eine schleichende Abkopplung Deutschlands vom internationalen Luftverkehr.“
So fasst es BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang zusammen. Seiner Ansicht nach bringe es auch dem Klima nichts, wenn Emissionen lediglich ins Ausland verlagert würden.
Viele Worte, wenig Entlastung
Ein Teil der Belastung geht auf die Ampel zurück: Sie hatte die Luftverkehrsteuer zum 1. Mai 2024 erhöht. Die schwarz-rote Koalition hat diese Erhöhung zum 1. Juli 2026 zurückgenommen. Der Steuersatz für Kurzstrecken sank damit von 15,53 auf 13,03 Euro pro Fluggast. Das ist allerdings nur die Rückkehr zum alten Stand, keine echte Reform.
Aus Sicht der Lufthansa reicht das nicht. Eine Sprecherin forderte, vor allem die Gebühren für Flugsicherung und Luftsicherheit müssten kurzfristig sinken. Im Politikbrief des Konzerns heißt es, die Rücknahme sei noch keine „echte Trendwende“. Ein Abflug in Bremen, Hannover oder Dresden koste weiterhin „ein Vielfaches dessen, was Airlines in Barcelona oder Istanbul zahlen“.
Kanzler Friedrich Merz hatte die Branche im Juni noch als „strategische Schlüsselbranche“ bezeichnet. Auf konkrete Entscheidungen warte man bisher vergeblich, kritisiert die Lufthansa. Gleichzeitig wolle die Bundesregierung einer Staatsairline der Vereinigten Arabischen Emirate Landerechte für Berlin geben. Der Konzern nennt das „eine Entscheidung gegen die Interessen des deutschen Standorts“, denn in den Emiraten gebe es weder Gewerkschaften noch ein Streikrecht.
Condor und TUIfly ziehen mit
Condor verlangt zeitnahe Entscheidungen für faire Wettbewerbsbedingungen. TUIfly verweist auf seine Kunden: Niedrigere Standortkosten würden den Familienurlaub günstiger machen.
Die Umweltorganisation Transport & Environment sieht das anders. Eine von ihr beauftragte Studie finde nur einen schwachen Zusammenhang zwischen Standortkosten und Passagierzahlen. Entscheidend seien weniger Geschäftsreisen und die starke Stellung der Lufthansa. Deshalb lehnt die Organisation Steuersenkungen ab.
Das Problem bleibt trotzdem bestehen: Während die Konkurrenz am Golf und am Bosporus wächst, belastet Deutschland seine eigenen Flughäfen mit hohen Abgaben. Die Kosten dafür tragen am Ende Unternehmen, Pendler und Familien.
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