
Autoland abgebrannt? Jeder zweite Job könnte bis 2035 verschwinden

Die deutsche Autoindustrie verliert immer schneller Arbeitsplätze. VW, Audi und inzwischen auch BMW bauen Zehntausende Stellen ab. Branchenkenner warnen jetzt: Bis 2035 könnte im Vergleich zu 2019 mehr als die Hälfte aller Autojobs weg sein.
Bei Volkswagen sollen an den deutschen Standorten bis 2030 mehr als 35.000 Stellen gestrichen werden, bei Audi bis 2029 bis zu 7500. Sogar BMW, lange der einzige große Hersteller ohne großes Sparprogramm, will Medienberichten zufolge weltweit rund 8000 Jobs abbauen.
142.500 Jobs verloren, und es geht immer schneller
Die Zahlen des Statistischen Bundesamts sind ernüchternd. 2019 arbeiteten rund 834.000 Menschen bei Herstellern und Zulieferern mit mindestens 50 Beschäftigten. Mitte 2026 waren es nur noch 691.500. Das entspricht etwa 142.500 verlorenen Stellen.
Besonders bedrohlich ist das Tempo. Zwischen 2019 und 2024 fielen laut dem Branchenanalysten Philipp Raasch, Herausgeber des Newsletters „Der Autopreneur“, pro Jahr rund 12.000 Jobs weg. Seit 2024 sind es etwa 41.000 jährlich. Eine Analyse von Roland Berger für das Manager Magazin rechnet in den kommenden fünf Jahren mit gut 200.000 weiteren verlorenen Arbeitsplätzen.
„Bis 2035 schreibe ich dieses Tempo weiter. Dann blieben rund 300.000 Jobs, etwa ein Drittel von 2019. Das ist ein Szenario, keine Prognose.“
Selbst wenn sich das Tempo danach halbiere, sei 2035 mehr als jeder zweite Job verschwunden, sagt Raasch.
Experten streiten über das Ausmaß
Nicht alle Fachleute teilen diese Rechnung. Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands nennt das Szenario „unausgegoren“. Er hält etwa 500.000 Stellen im Jahr 2035 für realistischer. Neue Technologien, eine bessere Konjunktur und chinesische Hersteller auf der Suche nach Produktionskapazitäten könnten den Abbau bremsen.
Wulf Schlachter, Gründer von DXBe Management, und Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft rechnen mit 500.000 bis 550.000 direkt Beschäftigten. Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut erwartet diese Größenordnung schon für 2030. Auch der Branchenverband VDA hat seine Prognose im Mai verschärft. Statt 190.000 rechnet er nun mit rund 225.000 verlorenen Arbeitsplätzen zwischen 2019 und 2035. Neue Jobs entstünden zunehmend im Ausland.
Reindl dämpft die Hoffnung auf eine schnelle Besserung:
„Für die kommenden drei bis fünf Jahre spricht wenig für eine schnelle Entspannung.“
Viele angekündigte Programme seien noch gar nicht vollständig umgesetzt. Ohne Produktion und neue Technologien im Land drohe eine zweite Welle durch Verlagerungen, Konsolidierungen und mehr Automatisierung. Besonders gefährdet seien Zulieferer, die von Bauteilen für Verbrennungsmotoren leben.
Der stille Abbau in den Entwicklungsabteilungen
Raasch sieht eine Gefahr, über die kaum jemand spricht: Auch Entwicklerjobs verschwinden. Batterien, Software und Künstliche Intelligenz würden vor allem in China und den USA entwickelt. Deutsche Hersteller kauften diese Technik zunehmend ein. Dieser Abbau verlaufe leise, ohne Werksschließungen und Schlagzeilen. Beschäftigte gingen einzeln und mit Abfindung.
Dudenhöffer zufolge sind die Folgen in der ganzen Wertschöpfungskette zu spüren, bis hin zum Maschinen- und Anlagenbau. Profitieren würden Spanien, Ungarn, Rumänien und Polen. Die deutsche Autoindustrie werde so zum Teil zu einer europäischen.
Volle Werkshallen, aber kaum noch eigene Leistung?
Reindl warnt vor einer Täuschung. Deutschland könne weiterhin viele Autos zusammenbauen, während Entwicklung und Bauteile ins Ausland gehen. Hohe Stückzahlen würden dann verdecken, wie viel industrielle Stärke schon verloren sei.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt sich hier, was hohe Energiepreise, Bürokratie und eine von Brüssel vorgegebene Antriebswende bewirken. Wenn Investitionen in andere Länder fließen, gehen mit ihnen auch Wissen, Steuereinnahmen und der Wohlstand vieler Familien verloren. Die Bundesregierung unter Friedrich Merz hat einen Aufbruch für die Industrie versprochen. Davon ist in den Werkshallen bisher wenig angekommen. Wer seine Ersparnisse gegen solche wirtschaftlichen Umbrüche absichern möchte, kann physische Edelmetalle als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt unsere redaktionelle Meinung und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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