
Clan-Alarm vor Rot-Rot-Grün: Neuköllns Bürgermeister rechnet mit Linken ab

Eine Woche nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin schlägt Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) Alarm. Im Gespräch mit dem Fernsehsender „Welt“ warnte er am Montag, kriminelle Clans könnten von Debatten innerhalb der Linken profitieren. Für eine mögliche Koalition stellt er klare Bedingungen, vor allem beim Thema Antisemitismus.
„Willige Gehilfen“: Hikels scharfe Warnung
Hikels Kritik ist deutlich. Die Gefahr sei real, sagte er. Wer jede Maßnahme gegen Clan-Kriminalität als rassistisch abstemple, entziehe der Polizei die Legitimation. Freuen dürften sich darüber am Ende vor allem die kriminellen Clans.
Wer so argumentiere, mache sich nach Hikels Worten „zum willigen Gehilfen krimineller Strukturen“. Das ist ein harter Vorwurf, und er kommt nicht von der Union oder der AfD, sondern von einem Sozialdemokraten, der seit Jahren in einem der schwierigsten Bezirke der Republik Verantwortung trägt.
Ein Mahner, den die eigene Partei ausbremste
Hikel gilt bundesweit als einer der wenigen SPD-Politiker, die Probleme offen ansprechen. Bei Razzien gegen Clan-Strukturen war er Medienberichten zufolge oft persönlich vor Ort. Gedankt hat es ihm seine Partei kaum: Im November 2025 zog er sich nach Kritik vom linken Parteiflügel von einer erneuten Kandidatur in Neukölln zurück.
Mehrere Kommentatoren sahen darin damals ein bitteres Signal. Ausgerechnet ein Mann mit klarer Haltung zur inneren Sicherheit wurde von den eigenen Genossen ausgebremst. Die Quittung kam an der Wahlurne. Laut vorläufigem Ergebnis stürzte die SPD bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 auf historisch schwache 12,1 Prozent ab.
Berlin nach der Wahl: Die Linke am Drücker
Die Zahlen zeigen, wie stark sich die Hauptstadt politisch verschoben hat:
- Die Linke: 25,7 Prozent (2023: 12,2 Prozent)
- CDU: 18,8 Prozent
- AfD: 16,3 Prozent
- Grüne: 14,3 Prozent
- SPD: 12,1 Prozent
Schwarz-Rot hat damit keine Mehrheit mehr. Spitzenkandidatin Elif Eralp will laut Medienberichten mit Grünen und SPD sprechen. Ganz oben auf ihrer Agenda steht die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne. Für Eigentümer, Investoren und den Wirtschaftsstandort Berlin wäre das ein Schreckensszenario.
Der Knackpunkt: Antisemitismus in den eigenen Reihen
Hikel stellt die Machtfrage erst an zweite Stelle. Zuerst müsse die Linke erklären, wie sie mit Mitgliedern umgehe, die dulden, dass von Bühnen „Yalla Intifada“ gerufen werde. Damit werde nach seiner Darstellung der Mord an Jüdinnen und Juden in Israel quasi glorifiziert.
Solche Menschen hätten aus seiner Sicht in einer demokratischen Partei nichts verloren. Das gelte erst recht für eine Partei, die für vier Millionen Berliner regieren wolle. Mit dieser Sorge steht er nicht allein. Grünen-Bundeschefin Franziska Brantner stellte bereits am Wahlabend klar:
„Wir werden nicht regieren mit Antisemiten.“
Was jetzt auf dem Spiel steht
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt Hikels Warnung ein Grundproblem deutscher Sicherheitspolitik. Wer jede konsequente Polizeiarbeit unter Rassismusverdacht stellt, schwächt den Rechtsstaat. Getroffen werden dann auch die vielen gesetzestreuen Bürger in Vierteln wie Neukölln, die unter Clan-Strukturen leiden.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik meldet bundesweit Rekordwerte. Gleichzeitig trauten laut Nachwahlbefragungen nur zwölf Prozent der Berliner der Linken eine gute Kriminalitätsbekämpfung zu. Ist das die richtige Partei für das Rote Rathaus? Die SPD muss sich nun entscheiden. Setzt sie auf Macht um jeden Preis oder auf Leute wie Martin Hikel, die sie selbst aufs Abstellgleis geschoben hat?
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