
Gas-Poker vor dem Winter: Wie sicher ist Reiches Versprechen wirklich?

Deutschland geht mit halbleeren Gasspeichern in den Winter 2026/27, und Berlin bleibt trotzdem gelassen. Das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche (CDU) erklärt die Versorgung für „derzeit sicher“. Gleichzeitig zeigt ein bekannt gewordener Gesetzentwurf, wie knapp das geplante Sicherheitsnetz ausfällt.
Am 9. Oktober meldete die Bundesnetzagentur einen Füllstand von 59,4 Prozent. Laut Medienberichten waren es am 13. Oktober 60,3 Prozent. Zum Vergleich: Ende September 2025 lagen die Speicher bei rund 76,5 Prozent, in den Jahren 2018 bis 2020 nie unter 79 Prozent.
Das Gewicht eines einzigen Wortes
Eine Sprecherin des Ministeriums teilte auf Presseanfrage mit, es bestünden „keine Versorgungslücken“. Verantwortlich für die Wintervorsorge seien Händler, Lieferanten und Stadtwerke. Den entscheidenden Satz sollte man allerdings genau lesen: „Die Versorgung ist derzeit sicher.“
Derzeit. Eine Garantie für den ganzen Winter ist das nicht, und das dürfte kaum Zufall sein. Wer Bürgern und Betrieben Sicherheit verspricht, müsste eigentlich auch sagen, ab welcher Belastung das System an seine Grenzen kommt. Genau darüber schweigen die Behörden bisher.
Die Reserve, die erst übermorgen kommt
Der Referentenentwurf sieht eine strategische Gasreserve von 24 Terawattstunden vor. Das sind etwa zehn Prozent der deutschen Speicherkapazität. Damit ließe sich Berichten zufolge ein 20-tägiger Ausfall aller norwegischen Pipelineimporte überbrücken. Fallen sämtliche Importe weg, reicht die Menge, um Haushalte und Gewerbe je nach Witterung zehn bis 18 Tage zu versorgen. Die gesamte Industrie ist ausdrücklich nicht mitgemeint.
Der Haken: Mit dem Aufbau soll erst 2027 begonnen werden. Einsatzbereit wäre die Reserve frühestens im Winter 2027/28. Österreich unterhält nach Medienberichten schon heute einen Notvorrat von rund 20 Terawattstunden. Reiche selbst sprach zuletzt davon, man müsse „neben Gürtel auch Hosenträger“ vorhalten. Für diesen Winter fehlen die Hosenträger allerdings noch.
Branche hält die Reserve für zu klein
Der Speicherverband INES fordert 78 statt 24 Terawattstunden. Geschäftsführer Sebastian Heinermann bezweifelt, dass sich ein Ausfall norwegischer Leitungen im Winter schnell beheben ließe:
„Wir halten es nicht für realistisch, dass ein solcher Ausfall im Winter verlässlich innerhalb von 20 Tagen behoben werden kann.“
Die kleine Lösung verschaffe vor allem Zeit, um Abschaltungen in der Industrie vorzubereiten. Sonst gleiche sie, so Heinermann, einer Versicherung, „deren Deckung gerade im entscheidenden Schadensfall nicht ausreicht“. Dazu gehört allerdings: Der Verband vertritt Unternehmen, die an zusätzlichen Speicheraufträgen verdienen würden.
Am Ende zahlt wieder der Gaskunde
Die kleine Reserve kostet laut Entwurf jährlich 247 bis 308 Millionen Euro. Bezahlen soll das eine neue Umlage. Rund 60 Prozent davon tragen Industriekunden, rund 40 Prozent Haushalte und Gewerbe. Für eine Familie im Einfamilienhaus wären das nach den Schätzungen etwa 7,20 Euro im Jahr.
Der Betrag klingt harmlos. Ärgerlich ist eher das Prinzip: Die alte Gasspeicherumlage ist gerade erst zum Jahreswechsel ausgelaufen, und schon kommt die nächste Abgabe. Für Unternehmen, die ohnehin unter Standortkosten leiden, ist das ein weiterer Stein im Rucksack. Das Ministerium lehnt eine größere Reserve unter anderem mit dem Argument ab, sie könne Speicherraum für die marktwirtschaftliche Vorsorge verknappen.
Dunkelflaute als zweite Unbekannte
Die Gasfrage betrifft auch den Strom. Gaskraftwerke springen ein, wenn Wind und Sonne schwächeln. Die neuen, regelbaren Kraftwerke stecken jedoch noch in Ausschreibungen. In diesem Winter müssen bestehende Anlagen, Speicher und Importe aus Europa die Last tragen.
Wie teuer Versorgungsengpässe werden können, hat 2022 gezeigt: Die Gasknappheit verursachte nach Branchenangaben Kosten von rund neun Milliarden Euro. Wer sich auf einen milden Winter verlässt, betreibt keine Vorsorge, er hofft auf Glück. Für Bürger heißt das: lieber selbst Vorsorge treffen, statt sich nur auf Versprechen aus Berlin zu verlassen. Dazu können auch krisenfeste Sachwerte wie physisches Gold und Silber gehören, die sich als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen eignen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
Kostenloses Live-Webinar
Der digitale Euro kommt
Was er für Ihr Erspartes bedeutet und wie Sie jetzt vorsorgen.

DieterBohlen
ErnstWolff
Prof. Dr.Werner
Tom-OliverRegenauer
JochenStaiger
GeraldGrosz
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik













