
Gold im Härtetest: Warum HSBC trotz Absturz weiter auf Gold setzt

Ein Viertel unter dem Rekord, Nerven blank, und die Kritiker melden sich wieder. Ende Januar kostete die Feinunze rund 5.400 US-Dollar. Inzwischen notiert Gold Medienberichten zufolge nur noch bei etwa 4.120 Dollar. Ausgerechnet die Strategen der Großbank HSBC halten jetzt dagegen: Die Flucht in harte Werte sei nicht vorbei, sie habe nur eine Pause eingelegt.
Ein Bullenmarkt, der ins Stottern geriet
In einem aktuellen Bericht räumen die Analysten von HSBC Asset Management ein, die spektakuläre Rally sei verpufft. Die Preise seien gefallen, die Schwankungen gestiegen. Ihre provokante Frage dazu: Sollten Anleger jetzt das Handtuch werfen?
Ihre Antwort lautet nein. Die geopolitische Zersplitterung der Welt und die Umschichtung der Währungsreserven durch die Notenbanken stützten die Nachfrage weiterhin. Der sogenannte „Debasement Trade“, also die Flucht aus Papiergeld in Sachwerte, könne weitergehen, solange die Sorgen um Schulden und Inflation anhielten. Gemessen an der Geschichte sei auch die aktuelle Volatilität gar nicht so dramatisch.
Der Haken: Gold fing den Aktiencrash nicht ab
Einen Schönheitsfehler benennen die Strategen aber offen. Gold habe sich zuletzt nicht als verlässlicher Schutz gegen fallende Aktienkurse erwiesen. Der Grund liege im Hebel: Viel geliehenes Geld sei in Gold geflossen. Brächen die Börsen ein, kämen Nachschussforderungen, und Investoren müssten verkaufen, was sich gerade zu Geld machen lässt.
Gegen systemische Risiken in einer „multipolaren“ Welt sei Gold daher robust, so HSBC, als kurzfristiger Stoßdämpfer aber nicht garantiert. Kein einzelner Vermögenswert überstehe jede Art von Marktstress. Die Bank rät deshalb, auch die Absicherungen selbst breit zu streuen.
Zinsen, Dollar, Öl: das toxische Trio
Was drückt den Preis? Laut HSBC sind vor allem die Renditen von US-Staatsanleihen der Taktgeber. Steigen sie, wird das Halten eines zinslosen Metalls teurer. Hinzu kommen ein starker Dollar und hohe Ölpreise, die die Inflationsangst neu anfachen. Medienberichten zufolge hat die US-Notenbank Fed zuletzt sogar erstmals seit 2023 wieder die Zinsen angehoben. Für Gold ist das Gegenwind pur.
„Die Versicherung wurde eingelöst“
HSBC-Chefanalyst James Steel hatte schon im Mai eine bemerkenswerte Deutung geliefert. Den Vorwurf, Gold habe im Iran-Konflikt als sicherer Hafen versagt, wies er zurück. Als Ölpreis, Renditen und Dollar stiegen und die Aktien fielen, hätten Anleger dringend Bargeld gebraucht. Genau das biete Gold. Sinngemäß übersetzt sagte er:
In gewisser Weise war Gold eine Versicherungspolice, und diese Versicherungspolice wurde eingelöst.
Den Anstieg auf 5.400 Dollar hielt Steel im Rückblick für etwas überhitzt. Der Markt sei zu einseitig positioniert gewesen. Gleichzeitig verwies er auf eine neue Nachfrage: In China dürften große Versicherer inzwischen Barren horten, in Indien auch Vermögensverwalter. Der Aufschlag an der Shanghai Gold Exchange von rund 20 Dollar zeige eine kräftige, vor allem institutionelle Nachfrage.
Unser Fazit: Ein Rücksetzer, kein Abgesang
Die Lage ist eindeutig. Die Staatsschulden steigen weltweit weiter, auch in Deutschland, wo die Bundesregierung mit einem 500-Milliarden-Sondervermögen neue Lasten für kommende Generationen schafft. Die Notenbanken kaufen weiter Gold, und laut Steel entdecken immer mehr Vermögensverwalter das Metall als Alternative. Gold ist zugleich Sachwert und jederzeit handelbar. Diese Kombination bietet kaum eine andere Anlage, ganz sicher kein Ackerland in Kanada, wie Steel spöttisch anmerkte.
Wer Gold als langfristige Vermögenssicherung versteht und nicht als Spekulation auf Pump, für den ist die aktuelle Schwäche eher eine Atempause als ein Alarmsignal. Physisches Gold und Silber bleiben eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio, gerade weil sie anders funktionieren als Aktien.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt unsere eigene Meinung und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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