
Gold-Poker in Asien: Inder drücken die Pausetaste, China kauft wieder

Kaum zieht der Goldpreis wieder an, wird Indiens Kundschaft vorsichtig. In dieser Woche ist die Nachfrage im zweitgrößten Goldmarkt der Welt spürbar abgeflaut. In China, dem weltgrößten Abnehmer, verlief der Handel nach der Feiertagswoche ruhig. Trotzdem gibt es dort schon wieder Signale, die Goldbesitzern gefallen dürften.
Indien: Wenn der Preis steigt, bleibt das Portemonnaie zu
Am Freitag kosteten 10 Gramm Gold in Indien rund 150.900 Rupien, umgerechnet etwa 1.562 US-Dollar. Eine Woche vorher war der Preis noch auf 145.538 Rupien gefallen. So niedrig hatte er seit fast zwei Monaten nicht mehr gelegen.
Ein Juwelier aus Ahmedabad beschreibt das Verhalten der Kundschaft laut Medienberichten so:
„Die Verbraucher sind extrem preissensibel. Sobald die Preise steigen, drücken sie die Pausetaste und warten auf eine Korrektur.“
Das ist typisch für Indien. Dort kaufen viele Familien Gold seit Generationen als Sparform und Schmuck. Sie achten genau auf den Preis und warten lieber ab, als zu viel zu zahlen. Nach Ansicht unserer Redaktion steckt darin mehr Disziplin, als man bei vielen westlichen Kleinanlegern findet.
Der Abschlag schrumpft
Händler gaben zuletzt einen Abschlag von bis zu 6 Dollar je Unze auf den offiziellen Inlandspreis. In der Vorwoche waren es noch bis zu 14 Dollar. In diesem Preis stecken bereits 15 Prozent Importzoll und 3 Prozent Umsatzsteuer. Der Staat verdient also an jedem Gramm kräftig mit. Auch deutsche Sparer kennen dieses Muster von staatlichen Abgaben.
Ein Händler einer Privatbank in Mumbai erklärt den kleineren Abschlag Berichten zufolge mit gesunkenen Importen. Falls die Investmentnachfrage zur Festsaison wieder anziehe, so wie im vergangenen Jahr, könne aus dem Abschlag sogar ein Aufschlag werden. Der Termin dafür steht schon fest: Im Oktober feiert Indien Dussehra, Anfang November folgt Diwali. Zu beiden Festen gilt der Kauf von Gold traditionell als Glücksbringer.
China: Die Feiertage sind vorbei, die Käufer kommen zurück
Ganz anders sieht es in China aus. Dort wurde Gold mit einem Aufschlag von 10 Dollar je Unze auf den internationalen Referenzpreis gehandelt. Seit Donnerstag sind die Märkte nach der „Goldenen Woche“ wieder offen.
Bernard Sin, Regionaldirektor für Großchina beim Edelmetallkonzern MKS PAMP, sagt, viele Marktteilnehmer seien noch im Feiertagsmodus. Der positive Aufschlag zeige aber, dass es eine echte physische Nachfrage gebe. Dazu passt eine andere Nachricht: Laut offiziellen Daten hat die chinesische Zentralbank ihre Goldkäufe im September erhöht. Es ist der 23. Monat in Folge, in dem sie zukauft. Die Notenbank in Peking verringert damit Schritt für Schritt ihre Abhängigkeit vom Dollar.
Das restliche Asien: abwartend
- Singapur: Aufschläge zwischen 0,50 und 1,50 Dollar je Unze
- Hongkong: Handel zum Referenzpreis oder bis zu 1 Dollar darüber
- Japan: zwischen 0,50 Dollar Abschlag und 0,50 Dollar Aufschlag. Ein Händler aus Tokio sagt, diese Woche hätten vor allem Gewinnmitnahmen den Markt bestimmt.
Warum Gold zuletzt nachgab
Der internationale Spotpreis legte zuletzt um mehr als ein Prozent zu. Er erholte sich damit von einem Zwei-Monats-Tief zu Wochenbeginn. Medienberichten zufolge war der Preis am Mittwoch auf etwa 4.110 Dollar je Unze gefallen. Gründe waren ein starker Dollar und US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, deren Rendite so hoch war wie seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die Märkte rechnen außerdem mit hoher Wahrscheinlichkeit damit, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen im Dezember erhöht.
Höhere Zinsen belasten Gold, weil das Metall keine Zinsen abwirft. Allerdings wird an den Märkten ein Faktor oft unterschätzt: Notenbanken kaufen weiter, Monat für Monat. Das zeigt, dass nicht nur Privatleute dem Papiergeld misstrauen, sondern auch Staaten.
Fazit: Abwarten heißt nicht Desinteresse
Indiens Käufer warten auf günstigere Preise, Chinas Notenbank kauft unbeirrt weiter. Beides spricht dafür, dass die Nachfrage nach dem gelben Metall stabil bleibt. Wer sein Vermögen gegen Inflation, hohe Staatsschulden und politische Krisen absichern will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Depot in Betracht ziehen. Gerade Phasen mit gesunkenen Preisen nutzen erfahrene Käufer in Asien gern zum Einstieg.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen dar. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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