
Nagels Jubel-Show in Bangkok: Ein Aufschwung auf Pump?

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel ist zufrieden mit der deutschen Wirtschaft. Am Rande der IWF-Jahrestagung in Bangkok trat er zusammen mit Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) vor die Presse und lobte den Kurs der Bundesregierung. Kritiker fragen sich allerdings, auf welche Zahlen er dabei blickt.
„Es geht voran“, sagt der oberste Währungshüter
Anlass für die gute Laune ist die neue Prognose des Internationalen Währungsfonds. Der IWF hat seine Wachstumserwartung für Deutschland im Jahr 2026 auf 1,3 Prozent angehoben. „Es geht voran“, sagte Nagel dazu. Ein Strohfeuer sieht er nach Agenturberichten nicht.
Der Schwung könne demnach bis ins kommende Jahr und womöglich bis 2028 anhalten. Voraussetzung sei, dass die Koalition ihr Reformpaket umsetze und Künstliche Intelligenz zusätzliche Impulse liefere. Die Zahlen hätten „durchaus Aufholpotenzial in die richtige Richtung“, so Nagel.
Das klingt nach Aufbruch. Wer genauer hinsieht, erkennt aber vor allem viele Wenns.
Wachstum durch Schulden statt durch Wettbewerbsfähigkeit
Was in Bangkok nicht zur Sprache kam: Ein großer Teil des Plus beruht auf Krediten. Die schwarz-rote Koalition hat ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro beschlossen, dazu kommen gelockerte Schuldenregeln. Dabei hatte Friedrich Merz im Wahlkampf eine solide Haushaltspolitik versprochen. Wenn der Staat Milliarden leiht und ausgibt, steigt das Bruttoinlandsprodukt fast zwangsläufig. Ob die Wirtschaft dadurch auch wettbewerbsfähiger wird, ist eine ganz andere Frage.
Kritiker zeichnen ein deutlich düstereres Bild. Sie verweisen auf eine Industrieproduktion, die in diesem Jahr erneut um rund drei Prozent nachgeben soll, und auf reale Umsatzverluste von über fünf Prozent im Gastgewerbe. Aus ihrer Sicht steckt das Land seit fast zehn Jahren in der Stagnation. Nach diesen Darstellungen sind rund eine halbe Million Industriearbeitsplätze verloren gegangen, während beim Staat etwa 700.000 Stellen hinzugekommen seien.
KI mit Windrad-Strom? Eine gewagte Wette
Besonders auffällig war Nagels Begeisterung für Künstliche Intelligenz. Sie könne die Produktivität steigern, werde aber auch deutlich mehr Energie verbrauchen. Seine Schlussfolgerung:
„Deswegen gilt es auch hier auf erneuerbare Energien zu setzen.“
Rechenzentren brauchen Strom, und zwar rund um die Uhr, verlässlich und bezahlbar. Deutschland gehört bei den Strompreisen zu den teuersten Standorten der Welt. Große KI-Investitionen fließen derzeit vor allem in die USA. Ein Wort zur Kernkraft oder zur anhaltenden Pleitewelle war von Nagel nicht zu hören.
Sechs Billionen Euro für das Klimaziel
Wie teuer die Transformation wird, hat gerade die staatliche Förderbank KfW berechnet. Laut einer Prognos-Studie in ihrem Auftrag müssten bis 2045 rund sechs Billionen Euro in die Klimaneutralität fließen. Bisher werden jährlich etwa 110 Milliarden Euro investiert. Daraus ergibt sich eine Lücke von rund 180 Milliarden Euro pro Jahr. Für Bürger und Betriebe ist das keine abstrakte Zahl. Am Ende zahlen sie die Rechnung über Steuern, Abgaben und Preise.
Inflation über Plan, die EZB in der Zwickmühle
Bei der Geldpolitik hielt sich Nagel bedeckt. Die EZB hat die Leitzinsen zuletzt zweimal angehoben. Weitere Schritte schließt er nicht aus, entschieden werde aber von Sitzung zu Sitzung. Im September lag die Inflation im Euroraum bei 3,8 Prozent. Für Deutschland dürfte 2026 Prognosen zufolge das sechste Jahr in Folge mit einer Teuerung über zwei Prozent werden.
Die Zentralbanker stehen damit vor einem kaum lösbaren Problem. Sie sollen den Wertverlust des Euro bremsen, die Konjunktur nicht abwürgen und hoch verschuldete Staaten nicht mit zu hohen Zinskosten belasten. Alle drei Ziele lassen sich nicht gleichzeitig erreichen. Beobachter vermissen von der früher so unbequemen Bundesbank deshalb klare Worte zur Staatsverschuldung.
Fazit: Visionen bezahlen keine Rechnungen
Nagels Auftritt mag die Regierung freuen. Sparer erleben unterdessen seit Jahren eine Inflation über dem Zielwert, wachsende Staatsschulden und eine Notenbank, die sich zwischen Preisstabilität und Haushaltspolitik entscheiden muss. Wer sein Vermögen gegen diese Risiken absichern will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen. Edelmetalle schützen seit Jahrhunderten vor dem Kaufkraftverlust von Papierwährungen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Wir geben keine individuellen Anlageempfehlungen. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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