
Polizei-Folie im Klassenzimmer: Behrens sieht kein Problem!

Ein Vortrag zur ExtremismusprÀvention, rechtsextreme Symbolbilder und mittendrin die Logos zweier kritischer Medien. Ein Polizeibeamter hat Anfang Oktober an einer Berufsschule im niedersÀchsischen Lohne eine solche Folie gezeigt. Das Innenministerium unter SPD-Ministerin Daniela Behrens findet daran nichts auszusetzen.
Nach eigenen Angaben sieht das Ministerium darin âkeinen rechtlich zu beanstandenden Sachverhaltâ. Das schrieb es auf die Anfrage eines der betroffenen Portale. Viele Eltern dĂŒrften das anders sehen.
Ein Schulfoto bringt alles ins Rollen
Ausgelöst hat den Fall die Adolf-Kolping-Schule in Lohne. Sie veröffentlichte selbst ein Foto des Polizei-Vortrags vom 6. Oktober. Darauf ist ein Ausschnitt der PrÀsentation zu erkennen: Neben Motiven der IdentitÀren Bewegung, die der Verfassungsschutz als rechtsextrem einstuft, sind nachgebaute Logos von Apollo News und Nius zu sehen.
Gehalten hat den Vortrag zum Thema âSoziale Medien und politisch motivierte KriminalitĂ€tâ laut Ministerium der PrĂ€ventionsbeauftragte fĂŒr den Staatsschutz bei der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta. Er habe die Folien selbst erstellt, ein Vorgesetzter habe sie freigegeben. Im Einsatz sei die PrĂ€sentation schon seit rund drei Jahren, an allgemein- und berufsbildenden Schulen in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta.
âKeine Bewertungâ â und doch eine Botschaft?
Das Ministerium betont, beide Medien seien âaktuell keine Beobachtungsobjekte des NiedersĂ€chsischen Verfassungsschutzesâ. Man habe sie lediglich beispielhaft als zwei von mehreren Online-Medien gezeigt, die ĂŒber Politik berichten. Eine Zuordnung zum Extremismus habe nicht stattgefunden.
âTextliche ErlĂ€uterungen oder Bewertungen enthielt die Folie nicht. Eine gesonderte Behandlung, inhaltliche Einordnung oder Bewertung von Apollo News und Nius erfolgte nicht.â
Insgesamt seien auf der Folie rund zwanzig Bildmotive zusammengestellt gewesen, heiĂt es. Doch genau hier liegt der Haken. Die ĂŒbrigen Motive verweisen laut dem Bericht auf Organisationen, die der Verfassungsschutz als verfassungsfeindlich einstuft. Wer zwei legale Medien zwischen Extremisten platziert und das kommentarlos stehen lĂ€sst, muss sich nicht wundern, wenn SchĂŒler ihre eigenen SchlĂŒsse ziehen. Bilder wirken eben auch ohne Untertitel.
Kein Einzelfall im Klassenzimmer
Ein Elternvertreter einer anderen niedersÀchsischen Schule berichtet, er habe Ende 2025 einen Àhnlichen Vortrag desselben Beamten erlebt. Schon damals seien beide Medien auf der Folie gewesen, wenn auch nicht mit den echten Logos. NÀher eingegangen sei der Referent in den rund 30 Minuten auf die Portale nicht.
Bemerkenswert ist das Detail mit den Logos ohnehin. Sie wurden nach Darstellung der Betroffenen nicht originalgetreu, sondern verfÀlscht abgebildet. Ob das eine Rolle spielt, lieà das Ministerium offen.
Was gilt eigentlich im Unterricht?
FĂŒr politische Bildung an deutschen Schulen gibt es seit 1976 eine klare Richtschnur: den Beutelsbacher Konsens. Er verbietet, SchĂŒler mit einer Meinung zu ĂŒberwĂ€ltigen, und verlangt, dass kontrovers dargestellt wird, was auch in Politik und Gesellschaft umstritten ist. Kritiker fragen nun, ob eine Folie, die kritische Medien optisch in die NĂ€he von Extremisten rĂŒckt, zu diesen GrundsĂ€tzen passt.
Ein Staat, der Medien sortiert?
NatĂŒrlich ist ExtremismusprĂ€vention an Schulen sinnvoll. Aber gerade die Polizei, die zur NeutralitĂ€t verpflichtet ist, sollte peinlich genau darauf achten, wen sie in welchem Zusammenhang zeigt. Aus Sicht unserer Redaktion ist es ein fatales Signal, wenn ein Innenministerium so etwas achselzuckend als zulĂ€ssig abhakt.
Junge Menschen sollen lernen, Quellen kritisch zu prĂŒfen und sich selbst eine Meinung zu bilden. Eine stille Vorauswahl, welche Medien als anrĂŒchig gelten, gehört nicht dazu. Dass Hannover nicht einmal eine Ăberarbeitung der Folie in Aussicht stellt, spricht BĂ€nde ĂŒber das VerstĂ€ndnis von Pressevielfalt im Land.
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