
Putin in der Kriegsfalle: Kann der Kreml gar nicht mehr aufhören?

Ein Satz aus Pullach, der in Berlin nachhallt: BND-Präsident Martin Jäger hat am 5. Oktober 2026 vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium erklärt, Wladimir Putin könne den Krieg gegen die Ukraine nicht mehr einfach beenden. Er riskiere sonst seine Machtbasis im eigenen Land. So deutlich hatte sich Deutschlands Auslandsgeheimdienst öffentlich noch nie geäußert.
Putin sei „über den Punkt hinaus, wo er den Angriff auf die Ukraine einfach einstellen könnte, ohne seine Machtbasis im Inneren zu gefährden“.
Laut Jäger braucht der Kremlchef einen Erfolg, der die gewaltigen Verluste rechtfertigt. Der Krieg sei zu einem Werkzeug geworden, mit dem Putin seine Herrschaft absichere. Doch wie sehen das die Partnerdienste und Denkfabriken in Washington, London und Paris?
Ein Land, das vom Krieg lebt
Viele westliche Analysten stimmen dem BND zumindest teilweise zu. Die US-Geheimdienste schrieben schon im März 2025 in ihrer jährlichen Lageeinschätzung, Putin werde den erhofften „total victory“ nicht erreichen. Beide Kriegsparteien hielten einen langen Krieg aber für weniger riskant als einen faulen Kompromiss.
In der Fachzeitschrift Foreign Affairs ist von einer „Kriegsfalle“ die Rede, die niemand geplant habe und aus der niemand leicht herauskomme. Ganze Regionen, Arbeitsmärkte, Rüstungsfabriken und Sozialleistungen hingen inzwischen am Krieg. Die Zahlen sind gewaltig: Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri steckte Russland 2025 rund 16 Billionen Rubel in Militär und Krieg – etwa 7,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung.
Falle oder Kalkül?
Ausgerechnet aus den USA kommt aber auch Widerspruch. Auf dem Fachportal War on the Rocks heißt es, Putin führe den Krieg nicht weiter, weil Frieden politisch unmöglich wäre. Repression, Kontrolle der Eliten und Propaganda könnten auch schlechte Ergebnisse auffangen. Die Denkfabrik CSIS sieht es ähnlich: Putin glaube schlicht noch an einen Sieg durch Abnutzung. Das wäre dann keine Falle, sondern eiskalte Berechnung.
Aus London kommen deutliche Worte. Der damalige MI6-Chef Sir Richard Moore sagte im September 2025, Putin müsse sich zwischen zwei Übeln entscheiden oder eine Krise riskieren, die seine eigene Herrschaft bedrohe. Der Rüstungsexperte Jack Watling vom Thinktank RUSI schrieb im Februar 2026, Moskau halte den Krieg bis 2027 durch. Kaufkraftbereinigt gebe Russland rund 500 Milliarden US-Dollar im Jahr für Verteidigung aus.
Paris spricht von einer Sackgasse
Die klarste Bestätigung der BND-These kommt aus Frankreich. Die Fondation pour la Recherche Stratégique schrieb im August 2026: „Putin sieht keinen Ausweg, sondern eine Sackgasse.“ Diese Einschätzung beruht allerdings auf Vergleichen mit anderen Autokratien, nicht auf Einblicken in den Kreml. Andere britische und französische Institute sehen Putin eher im Gefühl, die Zeit arbeite für ihn. Ein eingefrorener Konflikt sei ebenfalls denkbar.
Die Russen wollen verhandeln, aber kein Land abgeben
Laut Umfragen des Levada-Zentrums wünschen sich über 60 Prozent der Russen Friedensgespräche. Müssten dafür besetzte Gebiete zurückgegeben werden, wäre aber nur noch ein Drittel dafür. Zugleich stehen 78 Prozent hinter der Armee. Hinzu kommt: Tausende Kriegsveteranen sitzen laut der Denkfabrik ECFR inzwischen in Behörden, rund 50 werden im neuen Parlament erwartet. Wer soll da noch bremsen?
Berlin wacht spät auf
Warum spricht Deutschland erst jetzt so offen? Beobachter sehen den Grund in einer jahrelangen Wunschvorstellung der Politik: Sanktionen, Erschöpfung und Gesprächsangebote würden Moskau schon irgendwann zum Einlenken bringen. Diese Hoffnung zerplatzt nun. Wenn der BND recht hat, ist der Krieg kein Konflikt mehr, der auf die Ukraine begrenzt bleibt. Er könnte ein Vorspiel sein, falls Russland Europas Entschlossenheit auch an den Nato-Grenzen auf die Probe stellt.
Für die Bundesregierung unter Friedrich Merz heißt das: Frieden entsteht durch Abschreckung und eine echte Verteidigungsfähigkeit, nicht durch fromme Wünsche. Die Rechnung dafür zahlen am Ende die Bürger. Wer sein Erspartes in solchen Zeiten absichern will, setzt oft auf Werte, die seit Jahrhunderten jede Krise überstanden haben: physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Jeder Leser muss sich selbst informieren und trifft seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











