
Sanktionen verpuffen: Putins Flüssiggas-Geschäft boomt dank China!

Russland verkauft so viel Flüssigerdgas wie lange nicht, obwohl Washington die Anlagen sanktioniert hat. Von Januar bis September 2026 exportierte das Land 25,3 Millionen Tonnen LNG, 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das zeigen Daten des Analysehauses Kpler, über die der Fachdienst Energy Intelligence berichtet. Der Zuwachs kommt ausgerechnet aus den Anlagen, die die USA vom Markt fernhalten wollten.
Gerade die sanktionierten Terminals bringen das Plus
Im Mittelpunkt stehen zwei Projekte. Das eine ist Arctic LNG 2 des Gaskonzerns Novatek in der Arktis, das andere Gazproms Anlage Portovaya an der Ostsee. Beide stehen auf der US-Sanktionsliste. Seit der zweiten Jahreshälfte 2025 haben sie laut Energy Intelligence Lieferwege zum chinesischen Terminal Beihai aufgebaut.
Ohne diese Mengen hätte Russland nur rund 21,6 Millionen Tonnen exportiert. Das wäre ein Minus von 0,3 Prozent gewesen. Die Sanktionen bremsen den Handel also kaum, er läuft jetzt einfach über andere Wege.
Bei Arctic LNG 2 fällt der Anstieg besonders stark aus. Laut Daten des Londoner Börsenbetreibers LSEG wurden dort von Januar bis Juli 2026 rund 1,71 Millionen Tonnen verladen. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 0,21 Millionen Tonnen, also gut ein Achtel davon.
China kauft mit hohen Rabatten
Peking hilft dabei gern, wenn der Preis stimmt. Unter Berufung auf S&P Global Energy wird berichtet, Novatek habe Ladungen mit Abschlägen von 30 bis 40 Prozent auf die asiatischen Referenzpreise angeboten. Die Wirkung ist deutlich: Von Januar bis Juli stiegen Chinas LNG-Importe aus Russland um 24,9 Prozent auf 4,23 Millionen Tonnen. Chinas gesamte LNG-Einfuhren sanken im selben Zeitraum um 4,6 Prozent.
Gleichzeitig baut Novatek seine Tankerflotte aus. Laut Reuters führt die Novatek-Tochter Gas & Power Asia inzwischen zwei Eisklasse-Tanker als kommerzieller Betreiber, die „North Ocean“ und die „North Moon“. Die EU hatte beide Schiffe zuvor von ihrer Sanktionsliste gestrichen. Voraussetzung war die Zusage, sie nicht für Yamal LNG und Arctic LNG 2 einzusetzen. Ob sie dort schon Ladungen aufgenommen haben, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Und Europa kauft weiter mit
Brüssel tut sich mit Kritik schwer, denn die EU kauft selbst wieder mehr. Laut einem Monatsbericht des Forschungszentrums CREA führten die Mitgliedstaaten im September 60 Prozent mehr russisches LNG ein als im August. Frankreich verdoppelte seine Einfuhren. Fast drei Viertel der Mengen wurden in französischen Häfen entladen.
Allerdings war der August der schwächste Monat seit Beginn des russischen Angriffskriegs. Auch die Septembermenge gilt im längeren Vergleich als niedrig. Für Moskau lohnt sich das Geschäft trotzdem: Laut CREA stiegen die weltweiten LNG-Einnahmen um 68 Prozent auf durchschnittlich 75 Millionen Euro pro Tag. Das ist der höchste Wert seit Januar 2023.
Engpässe bremsen den Ausbau noch
Grenzenlos wachsen kann Russlands LNG-Geschäft vorerst nicht. Laut Energy Intelligence liefern Arctic LNG 2 und Portovaya deutlich weniger, als sie könnten. Ihr einziges Ziel Beihai kann nur sechs Millionen Tonnen pro Jahr aufnehmen. Das zweite vorgesehene Terminal Longkou hatte bis zum Bericht noch keine solchen Ladungen erhalten. Im Winter kommt das Eis in der Arktis hinzu, und weitere US-Sanktionen gegen Yamal könnten die Zahl möglicher Käufer verringern.
Ab dem 1. Januar 2027 gilt das vollständige EU-Importverbot für russisches LNG. Verkäufe an Kunden außerhalb der EU bleiben aber grundsätzlich erlaubt. China wird damit für Moskau noch wichtiger.
Fazit: Sanktionen verlagern den Handel nur
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall, wie wenig Sanktionen ausrichten, wenn große Abnehmer wie China nicht mitziehen. Das Gas wird nach Asien umgeleitet, mit hohen Rabatten verkauft, und Peking bekommt es billiger. Europas Bürger und Betriebe zahlen dagegen weiter hohe Energiepreise. Wenn Energie zum Machtmittel wird und politische Versprechen wenig verlässlich sind, setzen viele Sparer auf Werte, die niemand sanktionieren oder politisch steuern kann. Physisches Gold und Silber können eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sein.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte sich selbst informieren und trifft seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung.
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