
Silber-Kater nach dem Rekordrausch: Droht jetzt der Absturz auf 50 Dollar?

Bloomberg-Rohstoffstratege Mike McGlone warnt vor einem langen Leidensweg für Silber. In einer aktuellen Analyse hält er einen Rückfall auf rund 50 US-Dollar je Unze für möglich. Danach könnte der Preis jahrelang in einer Spanne zwischen 50 und 84 Dollar feststecken. Silber notiert derzeit bei 59,11 Dollar und lag damit zuletzt fast zwei Prozent im Minus.
Vom Rekordhoch in die Ernüchterung
Der Absturz ist gewaltig. Zu Jahresbeginn kletterte Silber auf ein Allzeithoch von mehr als 120 Dollar je Unze. Seitdem hat das Metall mehr als die Hälfte seines Wertes wieder abgegeben.
McGlone, leitender Rohstoffstratege bei Bloomberg Intelligence, ist schon seit dem Gipfel skeptisch. Er hält den beispiellosen Höhenflug für eine Marke, die womöglich über viele Jahre nicht wieder erreicht werde. Der Markt müsse sich auf niedrigerem Niveau sammeln, bevor sich die Nachfrage stabilisiere.
„Our bias is that silver's hangover may be as enduring as in past extremes, and around $50 is the first good support.“
Auf Deutsch heißt das: Der Kater könnte so lange anhalten wie nach früheren Exzessen. Die erste belastbare Unterstützung sieht McGlone bei etwa 50 Dollar.
Das Gespenst von 1980
Der Stratege greift tief ins Geschichtsbuch. So stark wie 2026 seien Preis und Schwankungen zuletzt beim Ansturm von 1979/80 gewesen. Damals erreichte Silber ein Hoch von knapp 50 Dollar. Diese Marke wurde nach seinen Worten erst im vergangenen Jahr dauerhaft übertroffen.
Seine Zahlen sind drastisch. Die 260-Tage-Volatilität von Silber liege derzeit beim 5,1-Fachen des US-Aktienindex S&P 500. So hoch war der Wert zuletzt 1980, kurz vor dem historischen Preiszusammenbruch. Ende 2025 habe Silber zudem rund das 2,7-Fache seines Zehnjahresdurchschnitts gekostet. Auch das war ein Rekord seit 1979.
Noch tiefer möglich?
McGlone schließt noch stärkere Verluste nicht aus. Der Zehnjahresdurchschnitt, zu dem Preise langfristig oft zurückkehren, liege bei etwa 31 Dollar. Er verweist auch auf frühere Zyklen. Nach dem Hoch von 1980 fiel Silber bis 1993 auf 3,60 Dollar. Nach dem Gipfel von 2011 ging es bis 2020 hinunter auf 11,60 Dollar.
Eine Trendwende sieht er erst, wenn Silber wieder über 84 Dollar steigt und sich dort hält.
Auch Gold im Visier
Nicht nur beim Silber ist der Analyst pessimistisch. Auch Gold könnte nach seiner Einschätzung irgendwann unter die Unterstützung bei 4.000 Dollar rutschen. Als Gegenwind nennt er die fünfjährigen US-Staatsanleihen, deren Renditen so hoch seien wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Ein Grund dafür sei auch der Anstieg des Ölpreises in diesem Jahr.
Dazu kommt der Druck aus Washington. Medienberichten zufolge rechnen die Märkte mit einer Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember. Der Dollar steht nahe einem 18-Monats-Hoch.
Die andere Seite der Medaille
Bei aller Schwarzmalerei lohnt ein zweiter Blick. Selbst McGlones „erste gute Unterstützung“ bei 50 Dollar entspricht in etwa den Rekordhochs von 1980 und 2011. Diese Marken galten jahrzehntelang als unerreichbar.
Gleichzeitig wenden sich große Anleger keineswegs von den Edelmetallen ab. Laut World Gold Council flossen im dritten Quartal rund 31 Milliarden Dollar in Gold-ETFs, ein Rekord, und das trotz steigender Anleiherenditen.
Die Gründe für Gold und Silber sind ohnehin nicht verschwunden: hohe Staatsschulden auf beiden Seiten des Atlantiks, Berlins Sondervermögen in Milliardenhöhe, geopolitische Brandherde. Analystenprognosen kommen und gehen, und wer einen Rückschlag kommen sah, lag beim Timing auch schon oft daneben. Für Sparer, die in Jahrzehnten denken, sind Preisrückgänge oft weniger Bedrohung als Gelegenheit.
Unser Fazit: Die Warnung sollte man ernst nehmen, aber nicht in Panik verfallen. Physisches Gold und Silber sind als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen kein Spekulationsobjekt für die schnelle Rendite. Sie sind eine Versicherung gegen Geldentwertung und Krisen, und eine Versicherung kündigt man nicht, nur weil der Kurs schwankt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung. Er ist weder eine Kauf- noch eine Verkaufsempfehlung. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen allein die Verantwortung.
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