
Stopp für Peking im Hamburger Hafen: Berlin will Cosco-Deal kippen!

Die Bundesregierung will verhindern, dass der chinesische Staatskonzern Cosco die Hamburger Traditionsspedition Konrad Zippel übernimmt. Das geht Medienberichten zufolge aus einem vertraulichen Vermerk hervor, der als „Verschlusssache – nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft ist. Endgültig entschieden ist noch nichts. Insidern zufolge läuft aber alles auf ein Nein hinaus.
150 Jahre Hamburger Institution – und plötzlich ein Sicherheitsfall
Zippel ist kein beliebiger Mittelständler. Seit 1876 bringt das Unternehmen Fracht vom Hafen ins Hinterland, lange Zeit per Lkw, inzwischen auch per Container auf der Schiene. Die grünen Lastwagen mit gelbem Schriftzug gehören in Hamburg zum Stadtbild. Rund 350 Menschen arbeiten dort.
Cosco will laut Berichten über seine niederländische Tochter Goldlead Supply Chain Development 80 Prozent der Anteile übernehmen. Das Bundeskartellamt hat den Kauf schon im Februar 2026 freigegeben. Wettbewerb ist allerdings nicht das Problem. Es geht um die Frage, wer künftig weiß, was durch Deutschlands Lieferketten rollt.
„Druckmittel“ in politischen Krisen
Der Vermerk spricht Berichten zufolge von „erheblichen Sicherheitsbedenken“. Es bestehe die Gefahr strategischer Abhängigkeiten, die „im Zuge politischer Verwerfungen als Druckmittel genutzt werden könnten“. In Berlin und Brüssel wachse die Sorge, dass Peking über solche Käufe Einblick in sensible Transporte gewinnen könnte, etwa in Lieferungen in die Ukraine.
Schon im Frühjahr hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz laut Recherchen von NDR und WDR gewarnt. Die Verfassungsschützer sollen im Investitionsprüfverfahren auf „kumulative Erwerbsvorhaben“ verwiesen haben. Gemeint ist die Strategie, sich Stück für Stück entlang der Transportketten einzukaufen. Den Ehrgeiz verschweigt Cosco nicht: Der Europa-Chef des Konzerns hatte öffentlich angekündigt, man wolle über den reinen Seetransport hinaus das Hinterland per Schiene erschließen.
Tollerort lässt grüßen
Das Muster ist bekannt. Beim Containerterminal Tollerort stritt die Ampel-Regierung monatelang, bevor Cosco nach Protesten aus mehreren Ministerien und von Sicherheitsbehörden einsteigen durfte, allerdings mit einem Anteil unter 25 Prozent. Kritiker sahen darin schon damals einen gefährlichen Präzedenzfall. Heute wirkt die damalige Entscheidung wie der Fuß in der Tür.
Dass Berlin nun offenbar härter durchgreift, ist überfällig. Man fragt sich aber, warum ein deutscher Staat Jahre braucht, um zu erkennen, dass ein Staatskonzern aus Peking nicht nach denselben Regeln spielt wie ein privater Investor aus Rotterdam. Hinzu kommt: Zippel ist Berichten zufolge nicht einmal als kritische Infrastruktur registriert. Hier zeigt sich, wie lückenhaft Deutschlands Schutzschild bisher ist.
Offene Fragen und Schweigen
Das Bundeswirtschaftsministerium wollte sich zunächst nicht äußern. Auch Zippel ließ eine Anfrage unbeantwortet. Die Grünen im Bundestag hatten schon im Mai bemängelt, das Prüfverfahren laufe intransparent. Zahlreiche Informationen, etwa zu möglichen Datenabflüssen nach China, würden unter Verschluss gehalten.
Die eigentliche Lehre aus dem Fall
Ein Verbot allein löst allerdings nichts. Wenn ein gesunder Familienbetrieb am Ende nur in Peking einen zahlungskräftigen Käufer findet, sagt das viel über den Standort Deutschland: zu wenig heimisches Kapital, zu viel Bürokratie, zu wenig Anreiz für Nachfolger. Wer chinesischen Konzernen die Tür verschließt, muss dem eigenen Mittelstand andere öffnen.
Die Regierung Merz steht deshalb vor einer Doppelaufgabe. Sie muss die Lieferketten schützen, ohne ausländische Investoren pauschal zu verschrecken. Und sie muss endlich die Bedingungen schaffen, unter denen deutsche Unternehmen auch deutsche Eigentümer finden. Der Fall Zippel dürfte zeigen, ob Berlin dazu bereit ist.
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