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19.10.2026
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„Wander doch aus“: Antisemitismus-Eklat erschüttert Trierer Stadtrat!

„Wander doch aus“: Antisemitismus-Eklat erschüttert Trierer Stadtrat!
Symbolbild: KI-generiert

Ein einziger Facebook-Kommentar bringt Triers Kommunalpolitik in Aufruhr. Unter dem Namen des Linken-Fraktionschefs Jörg Johann soll die deutsch-jüdische Publizistin Malca Goldstein-Wolf aufgefordert worden sein, Deutschland zu verlassen. Die CDU verlangt seinen Rücktritt. Johann bestreitet, den Text geschrieben zu haben, und spricht von einem gehackten Konto.

Ein Kommentar wie ein Schlag ins Gesicht

Am Anfang stand ein Beitrag von Goldstein-Wolf. Darin äußerte sie ihre Sorge über Antisemitismus und Islamismus in Berlin und warf Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor, dazu zu schweigen. Ein Anliegen, das viele Juden in Deutschland teilen dürften.

Die Antwort, die unter Johanns Namen erschien, war nach übereinstimmenden Berichten diese:

„Selten sowas Hirnloses gelesen. Wander doch aus oder mach einen Bogen um Berlin. Oder biste etwa reich und hast einen Kackstift in der Unterhose?“

Goldstein-Wolf veröffentlichte einen Screenshot auf X. Ihre Kritik: Einer deutschen Jüdin werde nahegelegt, das eigene Land zu verlassen. Mit der Anspielung auf Reichtum werde zudem das uralte antisemitische Klischee vom „reichen Juden“ bedient.

CDU spricht von „schwerwiegender Grenzüberschreitung“

Die Trierer CDU reagierte am Montag mit einer Presseerklärung. Wer einer jüdischen Frau, die ihre Angst vor Antisemitismus äußere, die Auswanderung empfehle, begehe „eine schwerwiegende Grenzüberschreitung“, heißt es darin. Ihre Sorgen als „hirnlos“ abzutun, sei ebenso inakzeptabel.

Kreisvorsitzende Franziska Lang wurde deutlich:

„Wer die Sorgen einer jüdischen Frau über Antisemitismus als hirnlos bezeichnet und ihr nahelegt, auszuwandern, ist auf dem schnellsten Wege, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu verlassen.“

Die Linke müsse sich klar distanzieren und parteiintern Konsequenzen ziehen, so Lang. Sollte Johann tatsächlich der Urheber sein, fordere die CDU seinen sofortigen Rücktritt vom Fraktionsvorsitz und eine ausdrückliche Entschuldigung bei Goldstein-Wolf und der jüdischen Gemeinschaft. Fraktionschef Thomas Marx ergänzte: „Antisemitismus hat im Trierer Stadtrat keinen Platz.“ Die Christdemokraten sehen in dem Vorfall ein Symptom für Antisemitismus innerhalb der Linkspartei.

Der Hacker-Einwand: Ausrede oder Aufklärung?

Dann die Wendung. Gegenüber einem regionalen Nachrichtenportal erklärte Johann, die Kommentare stammten nicht von ihm. Er könne sich das nur so erklären, dass sein Account gehackt worden sei oder sich jemand anderweitig Zugang verschafft habe. Profil und Kommentar habe er gelöscht, „sicherheitshalber“. Er wolle sich bei Goldstein-Wolf persönlich entschuldigen.

Ein unabhängiger Beleg für den behaupteten Fremdzugriff liegt laut dem Bericht bislang nicht vor. Angaben zu Sicherheitswarnungen oder verdächtigen Anmeldungen machte Johann offenbar nicht. Die Urheberschaft ist damit derzeit ungeklärt. Goldstein-Wolf reagierte auf X mit einem knappen, hörbar skeptischen „Aha“.

Es geht um mehr als eine Person

Ihr gehe es nicht um sich selbst, betonte die Publizistin. Sie wolle zeigen, was in Deutschland wieder möglich sei und wer sich hinter der Linken verberge, nicht nur in Berlin. SPD und Grüne könnten bei Koalitionen mit solchen Akteuren später nicht behaupten, sie hätten von nichts gewusst.

Ein Muster, das Sorgen macht

Der Fall fällt in eine Zeit, in der jüdische Organisationen seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 einen massiven Anstieg antisemitischer Vorfälle beklagen. Die Linke ringt dabei sichtbar mit sich selbst. Medienberichten zufolge stellte sich die Partei 2025 auf ihrem Parteitag hinter die umstrittene „Jerusalemer Erklärung“, eine Antisemitismus-Definition, die Kritiker für zu weich gegenüber israelfeindlicher Agitation halten.

Wer immer den Kommentar tatsächlich getippt hat: Dass eine Jüdin, die über ihre Angst spricht, mit „Wander doch aus“ abgefertigt wird, sollte im Deutschland des Jahres 2026 undenkbar sein. Ist es aber offenbar nicht. Für viele Bürger ist das ein Alarmsignal, das weit über Trier hinausreicht. Und die Frage, wie ernst es Teile der politischen Linken mit dem Kampf gegen jeden Antisemitismus meinen, wird durch einen gelöschten Account nicht beantwortet.

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