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22.10.2026
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Wolfram-Achterbahn: Warum Pekings Rohstoff-Hebel scharf bleibt

Wolfram-Achterbahn: Warum Pekings Rohstoff-Hebel scharf bleibt
Symbolbild: KI-generiert

Erst die Rekordjagd, dann der Absturz – der Wolframmarkt hat 2026 ein Jahr hinter sich, das selbst hartgesottene Rohstoffhändler schwindlig macht. Im Januar notierte das wichtige Zwischenprodukt Ammoniumparawolframat (APT) in China und in Rotterdam auf Allzeithochs, im Frühjahr explodierten die Preise weiter. Inzwischen ist ein Großteil der Gewinne verpufft. An der eigentlichen Gefahr für die westliche Industrie hat das allerdings nichts geändert.

Januar: Der Startschuss zur Rekordjagd

Laut dem Preisanalysehaus Fastmarkets kostete APT mit mindestens 88,5 Prozent WO₃ am 7. Januar zwischen 1.090 und 1.150 US-Dollar je Metric Ton Unit (mtu). In China wurden Medienberichten zufolge sogar bis zu 1.150 Dollar aufgerufen, in Rotterdam rund 1.100 Dollar.

Die gesamte Kette zog mit. Ferrowolfram verteuerte sich im Export auf 143 bis 150 Dollar je Kilogramm. Die Preisspannen gingen immer weiter auseinander. Das ist ein klassisches Zeichen dafür, dass kaum noch echte Abschlüsse zustande kommen.

Und das war erst der Anfang. Ende April meldete Reuters APT-Preise in Rotterdam von über 3.000 Dollar je Einheit. Das war ein Plus von mehr als 200 Prozent seit Jahresbeginn.

Pekings Würgegriff auf die Lieferkette

Der Grund für den Höhenflug liegt in Peking. Seit Februar 2025 verlangt China Exportlizenzen für Wolfram. Ab März 2025 durften nur noch 15 staatlich benannte Unternehmen ausführen. Für 2026 und 2027 hat Peking diese Begrenzung Berichten zufolge bestätigt. Nach Einschätzung des Analysehauses Wolfram Advisory seien die chinesischen Exporte dadurch um knapp 40 Prozent eingebrochen. Außerhalb Chinas gebe es schlicht nicht genug Material, um diese Lücke zu füllen.

Die Zolldaten fallen noch drastischer aus. Von Januar bis November 2025 exportierte China nur noch 243 Tonnen APT. Im gesamten Jahr 2024 waren es 782 Tonnen. Gleichzeitig senkte Peking die heimische Förderquote um 6,5 Prozent. Am 6. Januar folgte dann der nächste Schlag: Im Streit mit Japans Premierministerin Takaichi Sanae über Taiwan verbot China die Lieferung von Dual-Use-Gütern an militärische Endnutzer in Japan.

Ohne Wolfram stehen die Maschinen still

Kein Metall hat einen höheren Schmelzpunkt. Wolframcarbid steckt in Bohrern, Fräsern und Verschleißteilen und damit im Kern des deutschen Maschinenbaus. Hinzu kommen Turbinen, Luftfahrt und panzerbrechende Munition. Für die meisten Anwendungen gibt es keinen gleichwertigen Ersatz.

Laut dem U.S. Geological Survey förderte China 2024 rund 67.000 Tonnen. Der Rest der Welt bringt es zusammen nur auf einige tausend Tonnen. Dazu zählen Vietnam, Russland, Ruanda, Bolivien, Spanien und Österreich.

Der Absturz und warum er täuscht

Seit März ist die Luft raus. Nach Angaben von Shanghai Metals Market lag APT in China Mitte Oktober bei etwa 470.000 Yuan je Tonne, rund 69 Prozent unter dem Hoch vom März. Branchenberichte nennen als Gründe eine schwache Nachfrage der Hartmetallhersteller und Schmelzer, die ihre Produktion drosseln. US-Bohrerhersteller wichen laut Reuters bereits auf Stahl aus, weil ihnen das Hartmetall zu teuer wurde.

Wer jetzt Entwarnung gibt, macht es sich zu leicht. Ab dem 1. Januar 2027 dürfen US-Rüstungslieferanten kein Wolfram mehr verwenden, das in China, Russland, Nordkorea oder dem Iran gefördert oder verarbeitet wurde. S&P Global erwartet für 2026 außerhalb Chinas eine Versorgungslücke von rund 21.000 Tonnen. Der Preis ist also gefallen, die Abhängigkeit aber geblieben.

Die Lehre für Berlin und Brüssel

Washington steckt Hunderte Millionen Dollar in eigene Lieferketten. Europa dagegen verwaltet seine Abhängigkeit vor allem mit Strategiepapieren. Ein einziges Dekret aus Peking reicht, um die Kosten deutscher Werkzeugbauer zu vervielfachen. Ist das die vielbeschworene Resilienz?

Der Wolfram-Crash zeigt auch, wie riskant Spekulation mit Industriemetallen ist, deren Preise eine einzige Regierung steuert. Physisches Gold und Silber spielen in einer anderen Liga. Beide werden weltweit gehandelt, sind seit Jahrtausenden als Wertspeicher bewährt und hängen nicht vom Wohlwollen einer einzelnen Hauptstadt ab. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie gerade in Zeiten geopolitischer Rohstoffkriege für Stabilität sorgen.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Rohstoffen, Wertpapieren oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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