
Aufstand gegen Infantino: Europas Top-Ligen fordern Fifa-Umbau!

Der Weltfußball steht vor einer Machtprobe. Bundesliga, Premier League, La Liga und Serie A verlangen in einem gemeinsamen Brief einen radikalen Umbau der Fifa-Führung. Das zweiseitige Schreiben wurde am Freitag veröffentlicht, ein halbes Jahr vor der Präsidentenwahl in Rabat. Es trifft Gianni Infantino in einer Phase, in der er ohnehin schon unter Druck steht.
Vier Ligabosse, eine Botschaft
Unterschrieben haben die Männer, die über das Milliardengeschäft des europäischen Vereinsfußballs wachen: Bundesliga-Geschäftsführer Marc Lenz, Javier Tebas aus Spanien, Luigi De Siervo aus Italien und Richard Masters aus England. Ihr Befund fällt vernichtend aus.
„Die langjährigen Grundlagen des Fussballs wurden in den letzten Jahren durch ein grundlegendes Führungsproblem bedroht.“
Medienberichten zufolge werfen die Ligen dem Fifa-Präsidenten außerdem vor, er habe „ausbeuterische Ideen“ gefördert, statt sie zu stoppen. Beim Namen nennen sie Infantino allerdings nicht. Auch eine Rücktrittsforderung fehlt. Man könnte das Diplomatie nennen. Oder Vorsicht.
Drei Forderungen, die es in sich haben
Der Brief enthält einen klaren Katalog. Die Ligen verlangen:
- echte Mitsprache für betroffene Gruppen bei wichtigen Entscheidungen,
- Beschlüsse, die sich auf überprüfbare Fakten stützen,
- einen besseren Schutz des Weltverbands vor kommerziellen Interessen.
Kosmetik reicht den Unterzeichnern nicht. „Oberflächliche Verfahrensänderungen“ lehnen sie ausdrücklich ab. Nötig sei eine grundlegende Reform mit klaren Grenzen für die Führungsspitze. Disziplinarentscheidungen müssten zudem nachweislich vor politischer Einflussnahme geschützt sein.
Der Fall Balogun: Ein Anruf aus dem Weißen Haus
Für diesen letzten Punkt nennt der Brief ein Beispiel, das die Fußballwelt im Sommer erschüttert hat. Bei der WM hatte US-Stürmer Folarin Balogun im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina nach Videobeweis Rot gesehen. Kurz vor dem Achtelfinale gegen Belgien setzte die Fifa die Sperre überraschend zur Bewährung aus.
Vorher hatte, wie Präsident Donald Trump selbst bestätigte, das Telefon bei Infantino geklingelt. Trump erklärte, er habe lediglich um eine Überprüfung gebeten. Infantino räumte das Gespräch ein, bestritt Berichten zufolge jedoch jeden Einfluss auf die Entscheidung. Der Eindruck blieb trotzdem hängen. Nach Ansicht vieler Kritiker wirkt ein Weltverband, der eine Rotsperre nach einem Anruf aus dem Oval Office aussetzt, nicht wie ein neutraler Schiedsrichter. Er wirkt eher wie ein Bittsteller der Mächtigen.
Der Fahrplan nach der Wahl in Rabat
Die Ligen haben einen konkreten Zeitplan vorgelegt. Innerhalb von 100 Tagen nach der Präsidentenwahl am 18. März 2027 in Rabat soll eine unabhängige Kommission ihre Arbeit aufnehmen. Spätestens sechs Monate danach soll sie öffentlich darlegen, welche Reformen nötig sind.
Infantino hat bereits reagiert. Er habe eine externe Prüfung der Fifa-Führung angeboten und Gespräche über veränderte Entscheidungswege in Aussicht gestellt, heißt es. Zuvor war der 56-Jährige Medienberichten zufolge vor allem wegen seines Vorstoßes in die Kritik geraten, WM-Vermarktungsrechte an externe Investoren zu geben.
Viel Gegenwind, kein Gegenkandidat
Aufhören will Infantino nicht. Er strebt eine vierte Amtszeit an und ist bislang der einzige Kandidat. Auch die Uefa unter Aleksandar Ceferin und Verbände aus Nord- und Mittelamerika lehnen seinen Kurs ab. Einen Herausforderer haben sie aber bis heute nicht aufgestellt.
Genau hier liegt der Widerspruch. Wer „grundlegendes Führungsversagen“ beklagt, aber niemanden gegen den Amtsinhaber ins Rennen schickt, schwächt die eigene Kritik. Man darf zudem fragen, ob es den europäischen Ligen nur um saubere Strukturen geht. Schließlich stehen auch ihre eigenen Einnahmen, ihre Spielpläne und ihre Stars auf dem Spiel.
Die Fans dürfte dieses Gerangel wenig trösten. Sie erleben seit Jahren, wie der Fußball immer mehr zur Geldmaschine wird, mit aufgeblähten Turnieren und überlasteten Spielern. Mit dem Brief ist der Machtkampf eröffnet. Ob er am Ende mehr bringt als neue Posten, zeigt sich spätestens in Rabat.
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