
Batterie-Falle: Frisst die neue Energiewende-Hoffnung sich selbst?

Erst sollte Wasserstoff die Energiewende retten, jetzt sollen es Batterien richten. Neue Simulationen des Fraunhofer ISE zeigen, dass zusätzliche 20 Gigawatt Großspeicher die täglichen Preisschwankungen an der deutschen Strombörse um rund 60 Prozent glätten könnten. Gerade von diesen Schwankungen leben die Speicher aber. Die nächste große Hoffnung der Energiewende könnte damit ihr eigenes Geschäftsmodell untergraben.
Wasserstoff: Große Pläne, wenig Leistung
Ein Blick zurück zeigt, wie die Lage entstanden ist. Grüner Wasserstoff galt lange als Antwort auf schwankenden Wind- und Solarstrom. Berlin schraubte das Ziel auf zehn Gigawatt heimische Elektrolyseleistung bis 2030 hoch. Anfang 2026 liefen laut dem Energiewirtschaftlichen Institut (EWI) jedoch nur rund 181 Megawatt. Das sind weniger als zwei Prozent des Ziels.
Auch bei den geplanten Projekten sieht es schlecht aus. Für etwa 1,27 Gigawatt gibt es eine Investitionsentscheidung oder die Anlagen sind im Bau. Bei mehr als sieben Gigawatt angekündigter Projekte fehlt diese Entscheidung noch. Rund drei Gigawatt strich das EWI ganz aus seiner Datenbank, weil die Projekte abgesagt wurden oder seit Langem nicht vorankamen.
Als Gründe nennt das Institut hohe Produktionskosten, Abnehmer, die kaum mehr zahlen wollen, und unklare Regeln. ArcelorMittal stoppte 2025 seine Wasserstoffpläne für Bremen und Eisenhüttenstadt und verzichtete dabei auf rund 1,3 Milliarden Euro zugesagter Fördergelder. Thyssenkrupp Nucera gab 2026 Medienberichten zufolge die geplante Serienfertigung bestimmter Hochtemperatur-Stacks auf und verbuchte dafür Belastungen von etwa 30 Millionen Euro.
Wenn Speicher am eigenen Ast sägen
Nun rücken Batterien in den Mittelpunkt. Ende des ersten Halbjahres 2026 waren laut Fraunhofer bereits 19,2 Gigawatt installiert. Für die Simulation nahmen die Forscher noch einmal 20 Gigawatt mit zwei Stunden Speicherdauer hinzu, also 40 Gigawattstunden Kapazität. Grundlage waren die echten Kauf- und Verkaufsgebote an der Strombörse aus dem Jahr 2025.
Das Ergebnis klingt zunächst gut. Der durchschnittliche Preisunterschied zwischen der teuersten und der billigsten Viertelstunde eines Tages sinkt von 130 auf 53 Euro je Megawattstunde. Die Zahl der Stunden mit negativen Preisen fällt von 575 auf 271. Der Marktwert von Solarstrom steigt um 35 Prozent.
Für Betreiber ist genau das aber ein Problem. Ihr Geschäft besteht darin, Strom billig einzukaufen und teurer wieder zu verkaufen. Je mehr Speicher das gleichzeitig tun, desto kleiner wird der Abstand zwischen billigem und teurem Strom. Eine aktuelle Studie im Fachjournal Energy Policy berechnet, dass schon zehn zusätzliche Gigawattstunden die Erlöse der Speicher um 65,6 Prozent senken würden. Die Autoren denken deshalb sogar über Subventionen oder eine eigene Speicherumlage nach.
Wer die Simulation bestellt hat
Dazu kommt ein Detail, das aufhorchen lässt. Wie in der Fachpresse berichtet wird, entstand die Fraunhofer-Simulation im Auftrag der Branchenverbände BVES und bne. Das Institut betont außerdem selbst, das Werkzeug liefere nur eine Was-wäre-wenn-Rechnung und keine Prognose.
Dasselbe Muster wie bei Wind und Sonne
Neu ist dieses Problem nicht. Scheint mittags überall die Sonne, sinkt der Strompreis genau dann, wenn Solaranlagen am meisten liefern. Bei starkem Wind geht es Windparks genauso. Batterien schieben dieses Problem nur auf: Sie helfen Wind und Sonne und verkleinern dabei ihre eigene Gewinnspanne. Zusätzliche Einnahmen aus Regelenergie können das abmildern, lösen das Problem aber nicht.
Und was haben Stromkunden davon?
Hier wird es unbequem. Laut der Simulation senken 20 Gigawatt zusätzliche Speicher den durchschnittlichen Börsenstrompreis praktisch nicht. Trotzdem müssen Milliardeninvestitionen, Netzanschlüsse, Speicherverluste und womöglich neue Vergütungsmodelle bezahlt werden. Und ein Zweistundenspeicher hilft nicht, wenn tagelang weder Wind weht noch Sonne scheint.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein bekanntes Muster: Eine Technik soll das Problem der vorherigen lösen, und am Ende sollen wieder Umlagen, Förderprogramme oder Steuergeld die Lücke schließen. Ob die Bundesregierung daraus lernt oder die nächste Förderspirale anstößt, ist offen. Für Haushalte und Mittelstand ist günstiger Strom damit nicht in Sicht.
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