
Billionen-Beben an der Börse: Platzt jetzt die KI-Blase?

Zweite Verkaufswelle innerhalb weniger Tage: An den Börsen in den USA und Asien fliehen die Anleger erneut aus Chip- und KI-Aktien. Allein die US-Halbleiterkonzerne haben laut Daten des Finanzdienstes Bloomberg binnen einer Woche mehr als eine Billion Dollar an Börsenwert verloren. Die niederländische ING-Bank spricht bereits von einer „KI-Korrektur“.
Sechs Tage, ein Absturz
Nach dem Beben zum Wochenstart hielt die Ruhe nicht lange. Medienberichten zufolge fiel der Philadelphia Semiconductor Index (SOX), das wichtigste Barometer der Branche, sechs Handelstage in Folge und hat rund zehn Prozent eingebüßt. Am Montag und am Dienstag verlor er jeweils 2,7 Prozent, am Mittwoch noch einmal 3,1 Prozent. Nach Angaben von Bloomberg könnte es die längste Verlustserie seit Mai 2025 sein.
Die Liste der Verlierer ist lang. Arm Holdings verlor fast 20 Prozent, Applied Materials rund 15 Prozent und Intel elf Prozent. Wie berichtet wird, haben selbst Konzerne mit einer Bewertung im Billionenbereich mehr als 40 Prozent an Kurswert eingebüßt. In Seoul brachen SK Hynix und Samsung zweistellig oder fast zweistellig ein. Auch in Deutschland gerieten Infineon, Suss Microtec und Aixtron unter Druck.
Bemerkenswert ist, dass nicht einmal gute Nachrichten den Abwärtstrend stoppen. Wenn ein Markt auf positive Meldungen nicht mehr reagiert, hat sich die Stimmung grundlegend gedreht.
Vom „Casino“ bis zur Zinsfalle
Ausgerechnet ein Branchenchef soll Öl ins Feuer gegossen haben. Broadcom-Chef Hock Tan habe einige Investoren im KI-Boom mit Glücksspielern verglichen und vor möglichen Finanzierungsengpässen in der Branche gewarnt. Experten der Dekabank sehen darin einen Auslöser für den heftigen Ausverkauf am Dienstag.
Hinzu kommt Konkurrenz aus China: Der Speicherchip-Hersteller ChangXin Memory Technologies meldete Berichten zufolge Fortschritte bei einem Chip-Design, das mehr Daten auf weniger Fläche unterbringt. Das schürt Zweifel an den traumhaften Margen der etablierten Hersteller.
Die Inflation ist zurück
Viel schwerer könnte aber die Geldpolitik wiegen. Die US-Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 Prozent zum Vorjahresmonat und damit stärker als erwartet. Die US-Notenbank Fed hatte den Leitzins bereits im September auf eine Spanne von 3,75 bis 4 Prozent angehoben. An den Terminmärkten wird eine weitere Erhöhung im Oktober mit rund 40 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreist. Steigende Zinsen sind Gift für hoch bewertete Wachstumsaktien, deren Gewinne zu großen Teilen erst in ferner Zukunft erwartet werden.
IWF warnt vor globalen Folgen
Auch der Internationale Währungsfonds schlägt Alarm. In seinem aktuellen Bericht zur Finanzstabilität warnt er, die Folgen einer KI-Korrektur könnten weltweit zu spüren sein. Die UBS hält dagegen: Ihr Investment Office sieht in dem Rückschlag eher eine Neujustierung der Erwartungen als einen fundamentalen Bruch in der KI-Geschichte.
Wer recht behält, ist offen. Die Warnzeichen häufen sich allerdings. Schon Anfang Juni war der SOX an einem einzigen Tag um 10,3 Prozent eingebrochen, das war der stärkste Tagesverlust seit dem Corona-Crash im März 2020. Ältere Anleger erinnern sich zudem an das Jahr 2000. Damals versprach das Internet eine neue Ära, und die Nasdaq verlor nach dem Platzen der Dotcom-Blase bis 2002 rund drei Viertel ihres Wertes. Die Technologie hat sich damals durchgesetzt, viele Anleger hat das trotzdem nicht vor hohen Verlusten bewahrt.
Was das für Sparer bedeutet
Besonders bitter ist die Lage für Millionen Privatanleger, die sich über breit gestreute Indexfonds sicher fühlen. Die großen Aktienindizes sind inzwischen stark von wenigen Tech-Giganten abhängig. Wer glaubt, mit einem ETF breit gestreut zu sein, hält in Wahrheit oft eine große Wette auf die KI.
Gerade in solchen Phasen zeigt sich, wie wichtig echte Streuung ist. Physisches Gold und Silber hängen nicht an Quartalszahlen, Rechenzentren oder den Aussagen einzelner Konzernchefs. Als Beimischung in einem breit aufgestellten Portfolio können Edelmetalle helfen, das Vermögen gegen Übertreibungen an den Börsen abzusichern.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Edelmetallen oder anderen Finanzprodukten dar. Jeder Anleger sollte sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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