
Börsen-Legende Tudor Jones warnt: Droht 2027 ein Dotcom-Crash 2.0?

Paul Tudor Jones, einer der bekanntesten Hedgefonds-Manager der Welt, hat am Dienstag im US-Sender CNBC eine düstere Prognose abgegeben. Das Jahr 2027 werde für den US-Aktienmarkt „wirklich, wirklich herausfordernd“, sagte der Gründer von Tudor Investment. Er will das gesamte Jahr über auf fallende Kurse setzen.
Der Grund ist kein Konjunktureinbruch und keine Zinswende. Es ist eine Angebotsflut neuer Aktien, wie es sie seit der Dotcom-Blase nicht mehr gegeben hat.
Der Rückenwind dreht sich
Vier Jahre lang hätten Aktienrückkäufe und Firmenübernahmen die Hausse befeuert, so Jones. Dabei verschwanden Aktien vom Markt, das knappe Angebot trieb die Preise. Dieser Mechanismus stehe nun vor dem Umkippen. Nach seiner Einschätzung sei das Bild der Kapitalflüsse so negativ wie wohl seit 2002 nicht mehr.
„I'll be short the whole year. There just... there's little value.“
Seine Begründung kommt aus eigener Erfahrung. In den Jahren 1998 bis 2002 hätten massenhaft Börsengänge und auslaufende Haltefristen für Altaktionäre immer neue Papiere auf den Markt gespült. Für Leerverkäufer seien das die leichtesten Jahre gewesen. Medienberichten zufolge vergleicht Jones die heutige Lage mit 1999, also etwa ein Jahr vor dem Platzen der Blase.
SpaceX, Anthropic, OpenAI: Die Mega-Welle rollt
Die Zahlen sind gewaltig. Allein der Börsengang von SpaceX spülte 75 Milliarden Dollar ein, der Chipkonzern SK hynix holte sich bei seiner US-Zweitnotiz 26,5 Milliarden. Die KI-Schwergewichte Anthropic und OpenAI haben vertraulich Unterlagen für mögliche Börsengänge eingereicht.
Laut Goldman Sachs haben US-Unternehmen 2026 bereits 431 Milliarden Dollar über neue Aktien eingesammelt, fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Rekord von 540 Milliarden aus dem Corona-Rauschjahr 2021 dürfte fallen. Für 2027 rechnet die Bank damit:
- Aktien im Wert von 1,7 Billionen Dollar werden nach Ablauf von Sperrfristen frei handelbar.
- Hinzu kommen rund 600 Milliarden Dollar an neuen Emissionen.
- Insgesamt der größte Anstieg des Netto-Aktienangebots seit dem Jahr 2000.
Goldman winkt ab – aus gutem Grund?
Goldman-Chefstratege Ben Snider sieht die Hausse dennoch nicht in Gefahr. Rückkäufe von 1,7 Billionen Dollar, kräftige Käufe von Privathaushalten und ausländischen Investoren sowie sinkende Zinsen würden das Angebot schon aufnehmen, heißt es in seiner Analyse.
Ein Schönheitsfehler bleibt: Die Bank verdient prächtig an genau diesen Emissionen. Und Sniders eigene Daten klingen eher nach Alarm. Der S&P 500 notiert nahe seinem Rekordhoch, die mittlere Aktie aber 16 Prozent darunter. Die Marktbreite ist so schwach wie zuletzt zur Dotcom-Zeit. Die Gewinne hängen an wenigen KI-Titeln.
Wer soll das alles kaufen?
Steigende Anleiherenditen würden Rückkäufe verteuern, warnt selbst Goldman. Zugleich wirbt US-Finanzminister Scott Bessent für eine neue „ownership society“. Kritiker sehen darin den Versuch, Kleinanleger als letzte Käufer an den Markt zu locken. Auch die Staatsfinanzen bereiten Jones Sorgen: Die Politik werde die Defizite erst angehen, wenn der Markt sie dazu zwinge, sagte er laut Berichten.
Fazit: Wenn Papier sich vermehrt, glänzt das Knappe
Wer heute Aktien druckt, verwässert den Wert der vorhandenen. Physisches Gold und Silber lassen sich nicht beliebig vermehren, weder per Börsengang noch per Gesetz. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können Edelmetalle deshalb gerade dann Stabilität bieten, wenn die Börsen ins Wanken geraten.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.
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