
Diesel-Poker mit Washington: Ölpreis rutscht unter 100 Dollar!

Am Freitag sind die Ölpreise deutlich gefallen. Auslöser waren Berichte, nach denen die EU-Staaten über die Freigabe von 50 Millionen Barrel Diesel aus ihren Notreserven beraten. Hinter dem französischen Vorstoß steht massiver Druck aus Washington. Dazu kommt eine Drohung, die Europas Lkw-Flotten, Traktoren und Baumaschinen hart treffen könnte.
Brent fällt unter die magische Marke
Die Nordseesorte Brent mit Lieferung im Dezember verbilligte sich um 2,6 Prozent auf 99,65 Dollar je Barrel. Noch stärker fiel die US-Sorte WTI: Sie verlor 4 Prozent und lag bei 89,11 Dollar. Am Vortag hatten die Notierungen noch zugelegt. Da hieß es, die USA schickten einen dritten Flugzeugträgerverband samt 2.000 Marines in den Nahen Osten.
Was den Rückgang auslöste: Medienberichten zufolge, die sich auf eine einzige anonyme Quelle stützen, habe Frankreich vorgeschlagen, dass die EU-Länder 50 Millionen Barrel Diesel freigeben. Die Mitglieder der Internationalen Energieagentur (IEA) sollten zusätzlich 50 Millionen Barrel Rohöl auf den Markt bringen. Offiziell bestätigt ist das bislang nicht. Laut Insidern soll ein Deal an eine Bedingung geknüpft sein: Die USA müssten auf ein einseitiges Exportverbot für Diesel verzichten.
Bessents Ultimatum an Europa
US-Finanzminister Scott Bessent hatte am Donnerstag auf X kräftig Druck gemacht. Die europäischen Partner sollten ihre bestehenden Zusagen schneller erfüllen und sofort zusätzliche Mengen bereitstellen. Er schrieb:
„Amerikanische Landwirte, Lkw-Fahrer und Unternehmen sollten nicht die Last einer globalen Dieselknappheit tragen müssen.“
Der Hintergrund ist auch innenpolitisch. Am 3. November stehen in den USA die Zwischenwahlen an. Laut Medienberichten kostet eine Gallone Diesel dort inzwischen im Schnitt 6,31 Dollar, vor dem Iran-Krieg waren es rund 3,50 Dollar. Washington verlange insgesamt 120 Millionen Barrel über 180 Tage. Das wäre knapp die Hälfte der europäischen Dieselreserven. Präsident Trump hat ein Exportverbot zwar wiederholt ins Spiel gebracht. Zuletzt wirkte er aber zurückhaltender, weil wieder mehr Rohöl durch die Straße von Hormus fließt.
Europas gefährliche Abhängigkeit
Nach Angaben der IEA stammte im August rund die Hälfte der EU-Dieselimporte aus den USA. Die Vereinigten Staaten sind inzwischen der größte Dieselexporteur der Welt. Russland und China haben ihre Treibstoffexporte eingeschränkt. Raffinerieprodukte aus dem Nahen Osten fehlen weiterhin, weil dort Anlagen beschädigt wurden.
Die Krise zeigt deutlich, wie verwundbar Europa bei der Energieversorgung geworden ist. Fehlt der Diesel, stehen Speditionen, Landwirte und Baustellen still. Die Folgen tragen dann vor allem diejenigen, die das Land jeden Tag am Laufen halten.
Berlin zögert, die Bürger zahlen
Die Bundesregierung reagiert zurückhaltend. Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille sagte am Freitag in Berlin: „Der Grund für die hohen Kraftstoffpreise liegt zuvorderst in der Lage im Nahen Osten und der damit zusammenhängenden Verknappung des Angebots. Es gilt jetzt, die Märkte nicht weiter zu verunsichern.“ Kanzler Merz werde an einer möglichen G7-Schalte teilnehmen.
Aus Regierungskreisen heißt es, die gemeinsame Freigabe von 400 Millionen Barrel durch die IEA im März habe die Preise nur kurz gedrückt. Einige Verbündete warnen offenbar außerdem: Wer die Reserven jetzt aufbraucht, hat bei einer weiteren Eskalation im Roten Meer womöglich nichts mehr in der Hinterhand. Inzwischen hat die Inflation in Deutschland im September 3,3 Prozent erreicht. Das ist der höchste Stand seit Ende 2023.
Fazit: Notreserven sind kein Dauerschutz
Strategische Reserven verschaffen Zeit, mehr nicht. Sie lösen weder die Knappheit noch die geopolitischen Konflikte dahinter. Wer sein Vermögen vor Energieschocks und hoher Inflation schützen will, sollte breit streuen. Physisches Gold und Silber haben sich in solchen Krisen über Generationen als stabile Beimischung bewährt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung. Jeder Leser muss eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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