
Gas-Umlage kehrt zurück: Reiche bittet Gaskunden erneut zur Kasse!

Kaum ist die alte Gasspeicherumlage weg, kommt schon die nächste. Das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche (CDU) will ab dem 1. Oktober 2027 eine neue Abgabe auf jede Kilowattstunde Erdgas erheben. Damit soll eine nationale Gasreserve für den Ernstfall bezahlt werden. Zahlen sollen das Haushalte, Gewerbe und Industrie.
Der Referentenentwurf hat Medienberichten zufolge den Stand 12. Oktober und liegt jetzt in der Ressortabstimmung. Die Summe für Privathaushalte wirkt zunächst klein. Aber was heißt das schon in einem Land, das immer neue Umlagen erfindet?
Was die neue Abgabe kostet
Nach Berechnungen des Ministeriums soll die Umlage zwischen 0,029 und 0,036 Cent je Kilowattstunde liegen. Wie viel am Ende auf der Rechnung steht, hängt direkt vom eigenen Verbrauch ab:
- 10.000 kWh pro Jahr: 2,90 bis 3,60 Euro
- 15.000 kWh pro Jahr: 4,35 bis 5,40 Euro
- 20.000 kWh pro Jahr: 5,80 bis 7,20 Euro
- 30.000 kWh pro Jahr: 8,70 bis 10,80 Euro
Richtig teuer wird es für Betriebe. Ein Unternehmen mit 100 Millionen Kilowattstunden Verbrauch müsste rechnerisch 29.000 bis 36.000 Euro im Jahr zusätzlich zahlen. Laut dem Entwurf soll die Industrie rund 60 Prozent der Gesamtkosten tragen, auf Haushalte und Gewerbe entfallen etwa 40 Prozent. Ausgerechnet die energieintensive Industrie, die ohnehin unter hohen Standortkosten leidet, trägt also die Hauptlast.
Abgeschafft, und schon kommt die nächste
Zur Erinnerung: Die Ampel-Koalition hatte die Gasspeicherumlage 2022 eingeführt, nachdem Russland seine Lieferungen gestoppt hatte. Zuletzt lag sie bei 0,289 Cent je Kilowattstunde, für einen Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden also bei rund 57,80 Euro im Jahr. Zum 1. Januar 2026 wurde sie abgeschafft. Die Bundesregierung verkaufte das ausdrücklich als Entlastung für Bürger und Betriebe.
Die neue Abgabe ist nach heutigem Stand nur etwa ein Achtel bis ein Zehntel so hoch wie die alte. Das Muster bleibt trotzdem dasselbe: Der Staat entlastet mit der einen Hand und kassiert mit der anderen. Laut Berichten hatte Reiche im Sommer noch offengelassen, ob der Bundeshaushalt oder die Gaskunden die Reserve bezahlen. Jetzt steht die Antwort fest.
Wofür das Geld gedacht ist
Geplant ist eine strategische Reserve von rund 24 Terawattstunden. Das sind knapp zehn Prozent der deutschen Speicherkapazität. Sie soll nur in schweren Krisen angezapft werden, etwa nach Sabotage, wenn wichtige Infrastruktur ausfällt oder große Importe wegbrechen. Die Menge soll reichen, um den Ausfall der größten deutschen Importinfrastruktur rund 30 Tage lang zu überbrücken.
Über den Einsatz entscheidet die Bundesnetzagentur, und zwar laut Entwurf erst, wenn die Notfallstufe ausgerufen ist. Das Ministerium rechnet in den ersten zehn Jahren mit jährlichen Kosten von 247 bis 308 Millionen Euro. Darin enthalten sind Gaseinkauf, Lagerung, Transport, Finanzierung und Verwaltung.
Kein fester Betrag
Den genauen Satz soll der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe festlegen. Er kann ihn jedes Jahr zum 1. Oktober neu berechnen. Die genannten Cent-Beträge sind deshalb nur eine Momentaufnahme. Steigen die Preise, steigt auch die Umlage. Immerhin: Verkauft der Bund günstig eingelagertes Gas später teurer, sollen die Gaskunden laut Entwurf an den Erlösen beteiligt werden.
Speicher vor dem Winter bedenklich leer
Die Pläne kommen zu einer heiklen Zeit. Laut Bundesnetzagentur waren die deutschen Speicher am 13. Oktober nur zu 60,3 Prozent gefüllt, deutlich weniger als in den Vorjahren. Reuters erwartet, dass die europäischen Speicher Anfang November nur zu etwa 75 bis 78 Prozent voll sein werden, klar unter dem Fünfjahresschnitt. Der LNG-Weltmarkt bleibt angespannt.
Paradox ist dabei: Die gesetzlichen Mindestfüllstände für Gasspeicher sollen Ende März 2027 auslaufen. Die neue Reserve soll den normalen Winterbedarf ohnehin nicht absichern, sondern nur extreme Ausfälle abfedern. Ob die Umlage tatsächlich am 1. Oktober 2027 startet, ist noch offen, denn der Entwurf muss noch durch das Gesetzgebungsverfahren. Für die Bürger bleibt eine Erkenntnis: Versorgungssicherheit gibt es in Deutschland nur gegen Aufpreis.
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