
Gold-Rücksetzer als Chance? Morgan Stanley peilt 5.000 Dollar an!

Der Goldpreis tritt auf der Stelle, und an den Märkten werden manche Anleger nervös. Die US-Investmentbank Morgan Stanley bleibt trotzdem gelassen: Die Analysten sehen bei rund 4.000 US-Dollar je Unze ein solides Fundament. Bis zur zweiten Jahreshälfte 2027 soll das gelbe Metall die Marke von 5.000 Dollar wieder hinter sich lassen.
Ist das bloß Zweckoptimismus von der Wall Street? Ein genauer Blick auf die Zahlen spricht eher dagegen.
Gegenwind von allen Seiten
Das Umfeld ist für Gold gerade nicht leicht. Die Renditen langlaufender Staatsanleihen stehen auf 20-Jahreshochs, der US-Dollar zeigt sich fest, und der Ölpreis bleibt hoch. Früher hätte schon jeder dieser Faktoren für sich ausgereicht, um den Goldpreis deutlich nach unten zu drücken.
Diesmal passiert das nicht. Laut Amy Gower, die bei Morgan Stanley die Rohstoffstrategie für Metalle und Bergbau leitet, ist der Markt nach unten außergewöhnlich gut abgesichert. Ein Niveau von über 4.000 Dollar gilt der Bank als massive Unterstützungslinie. Der Grund sei eine ungewöhnlich breite und hartnäckige Käuferschicht.
Zur Einordnung: Gold hatte 2025 Medienberichten zufolge rund 64 Prozent zugelegt und erstmals die Marken von 3.000 und 4.000 Dollar überschritten. Anfang 2026 folgte ein Rekordhoch jenseits der 5.000 Dollar, danach kam die Korrektur. Wer heute von einer „Schwäche“ spricht, redet also über eine Verschnaufpause auf sehr hohem Niveau.
Drei Säulen tragen den Goldmarkt
Morgan Stanley stützt die eigene Zuversicht auf drei Entwicklungen:
- Chinas Kaufhunger: Die Goldimporte der Volksrepublik steuern auf den höchsten Stand seit 2017 zu, womöglich sogar auf einen langjährigen Rekord. Nach der Feiertagspause rund um die „Golden Week“ dürfte die Nachfrage laut der Bank schnell zurückkehren.
- Notenbanken kaufen weiter: Neben China kauft auch die polnische Zentralbank in großem Stil Gold. Sie will sich damit gegen Währungsrisiken und die wachsenden Schuldenberge der Welt absichern. Nach Daten des World Gold Council haben die Zentralbanken schon 2025 erneut mehr als 1.000 Tonnen erworben.
- ETFs stocken auf: Normalerweise ziehen Anleger bei straffer Geldpolitik Geld aus Gold-ETFs ab. Derzeit bauen die Fonds ihre Bestände aber aus. Kurzfristige Verkaufswellen führt Morgan Stanley vor allem auf computergesteuerte Handelsfonds zurück, die ihre Positionen umschichten.
Warum Notenbanken lieber Gold horten
Bemerkenswert ist vor allem die zweite Säule. Zentralbanken handeln auf lange Sicht und kaufen nicht aus einer Laune heraus. Wenn Warschau oder Peking ihre Reserven in Gold umschichten, ist das auch ein Urteil über die Stabilität von Papierwährungen.
Dieses Misstrauen kann man auch in Deutschland nachvollziehen. Die Bundesregierung hat ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro aufgelegt, obwohl im Wahlkampf noch Haushaltsdisziplin versprochen worden war. Wer so neue Schulden macht, darf sich kaum wundern, wenn Sparer nach Werten suchen, die keine Regierung beliebig vermehren kann.
Silber hängt am großen Bruder
Auch Silber profitiert von dem Trend. Laut Morgan Stanley folgt das Metall derzeit viel stärker dem Goldpreis als Industriemetallen wie Kupfer. Die Nachfrage der Solarindustrie hat sich nach den starken Preissprüngen im Vorjahr zwar etwas abgekühlt, weil die Hersteller Material einsparen. An den großen Treibern ändert das wenig: Staaten bleiben hoch verschuldet, und viele Anleger wollen sich gegen Inflation schützen.
Was den Knoten lösen könnte
Die Analysten nennen zwei mögliche Auslöser. Drücken Eingriffe am Markt für langlaufende Anleihen die Renditen wieder nach unten oder fällt der Ölpreis, würde der aktuelle Druck auf Gold und Silber nach Einschätzung der Bank sofort wegfallen. Auf Sicht von zwölf Monaten überwiege das Aufwärtspotenzial deutlich.
Fazit: Durchhalten statt in Panik verkaufen
Die aktuelle Seitwärtsphase taugt nicht als Grund zur Panik. Sie zeigt eher, wie widerstandsfähig Gold geworden ist. Notenbanken, asiatische Käufer und institutionelle Anleger stützen den Markt gleichzeitig. Wer Vermögen langfristig sichern will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio nutzen, damit es unabhängig von Zinsentscheidungen und Haushaltslöchern geschützt ist.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Prognosen von Banken und Analysten sind keine Garantie für künftige Kursentwicklungen. Jeder Leser sollte sich selbst informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.

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