
Gold unter Druck: Doch Pekings Goldhunger trotzt dem starken Dollar!

Der Goldpreis steckt in der Zange. Ein Dollar nahe dem höchsten Stand seit 18 Monaten und überraschend hohe US-Inflationsdaten drückten die Feinunze am Mittwoch um 1,5 Prozent auf rund 4.093 Dollar. Es war der dritte Verlusttag in Folge. Chinas Zentralbank lässt sich davon nicht beirren: Allein im September kaufte sie weitere 23 Tonnen.
Inflationsschock aus Washington
Wie das US-Arbeitsministerium mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise im September um 0,6 Prozent, nach 0,4 Prozent im August. Daraufhin legte der Dollar-Index um 0,4 Prozent zu, auch die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen zogen an. Schon zum Wochenauftakt hatte Gold leicht nachgegeben und 4.176,86 Dollar gekostet.
Laut dem FedWatch-Tool der CME rechnen die Märkte inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 35 Prozent, dass die Fed die Zinsen noch im Oktober anhebt. Vor den Daten waren es rund 22 Prozent. Für Dezember gilt eine Erhöhung mit etwa 90 Prozent als nahezu sicher. Die US-Notenbank hatte erst im September die Zinsen erhöht.
Bei den anderen Edelmetallen ging es noch stärker abwärts. Silber verlor Medienberichten zufolge 6,5 Prozent auf 55,60 Dollar, Platin gab um 3,5 Prozent auf 1.604,20 Dollar nach. Das Muster ist bekannt: Steigen die Zinsen, wirkt das zinslose Gold auf kurzfristig orientierte Anleger weniger attraktiv.
Pekings stille Goldoffensive
Ein Käufer nimmt den Rücksetzer gelassen. Die People's Bank of China stockte ihre Reserven im September um 740.000 Unzen auf, also um etwa 23 Tonnen. Damit kauft sie seit 23 Monaten ohne Unterbrechung. Hinzu kommen die Importe: Von Januar bis August führte China mehr als 1.000 Tonnen Gold im Wert von 158,8 Milliarden Dollar ein. Im gesamten Jahr 2025 waren es 886 Tonnen.
Carsten Menke, Analyst bei Julius Bär, sieht nach Medienberichten ein klares Motiv: Peking wolle weniger abhängig vom Dollar und von US-Staatsanleihen werden. Nach seiner Schätzung habe die Zentralbank bis August sogar rund 190 Tonnen erworben. Davon seien 110 Tonnen nicht offiziell gemeldet worden.
Chinas Sparer flüchten in Barren und Münzen
Auch die privaten Haushalte in China kaufen Gold. Einjährige chinesische Staatsanleihen bringen nur etwa 1,2 Prozent Rendite, vergleichbare US-Papiere 4,46 Prozent. Wer in China Gold hält, verzichtet also auf wenig Zins. Der Aktienindex CSI 300 liegt in diesem Jahr rund 8 Prozent im Minus, und der Immobilienmarkt kommt nicht in Schwung. Viele Sparer greifen deshalb zu Barren, Münzen und Schmuck.
Kurzfristiges Rauschen, langfristiger Trend
Zentralbanken kaufen nach Einschätzung von ING-Rohstoffstrategin Ewa Manthey langfristig und achten weniger auf den aktuellen Preis als Privatanleger. Eine feste Untergrenze für den Goldpreis bedeutet das allerdings nicht. Abflüsse aus westlichen Gold-ETFs könnten die Nachfrage aus Asien zeitweise übertreffen.
Ole Hansen von der Saxo Bank erwartet, dass die Zentralbanken weiter umschichten. Eine Entspannung der geopolitischen Lage sieht er vorerst nicht. Wie zur Bestätigung meldeten Medien am Mittwoch einen Angriff auf die Zentrale des saudischen Ölkonzerns. State Street Investment Management nennt bis Ende des ersten Quartals 2027 ein Kursziel von 4.750 bis 5.500 Dollar je Unze. Menke rechnet langfristig damit, dass Gold auch von den wachsenden Sorgen um die US-Staatsschulden und deren Zinslast profitiert.
Was deutsche Anleger daraus lernen können
Eine einzelne Inflationszahl ändert wenig an den großen Trends. Mit Blick auf Minenaktien mahnen Analysten zur Vorsicht: Fällt der Goldpreis, schrumpfen die Gewinne der Produzenten stärker als ihre Umsätze. Steigende Zinsen drücken zudem den Wert von Projekten, die noch in der Entwicklung sind.
Physisches Gold ist unabhängig von Bilanzen, Förderkosten und Finanzierungsrunden. Die Staatsverschuldung wächst in Washington ebenso wie in Berlin, wo die Bundesregierung ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro plant. Rücksetzer wie dieser können eine Gelegenheit sein, Barren und Münzen als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen aufzustocken.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.
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