
Goldschatz zum Spottpreis: Zündet Washington die nächste Gold-Rakete?

Die USA führen über 8.000 Tonnen Gold in ihren Büchern, bewertet zu einem Preis aus den 1970er-Jahren. Ein Stratege der Schweizer Privatbank UBP hält es für möglich, dass das US-Finanzministerium diesen Schatz neu bewertet. Er sieht darin das größte Aufwärtsrisiko für den Goldpreis bis zum Jahresende. Am Mittwoch rutschte das Edelmetall allerdings erst einmal ab.
Heiße Inflationsdaten drücken den Goldpreis
Auslöser war der US-Verbraucherpreisindex. Medienberichten zufolge stiegen die Preise im September um 3,7 Prozent zum Vorjahr, erwartet worden waren 3,6 Prozent. Prompt wetteten die Märkte wieder auf eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank Fed im Oktober.
Gold gab daraufhin kräftig nach. Zuletzt notierte die Feinunze bei 4.079,42 US-Dollar, ein Tagesminus von 1,96 Prozent. Laut Agenturberichten war es bereits der dritte Verlusttag in Folge.
Gold trotzt den Renditen erstaunlich gut
Peter Kinsella, der bei UBP die Investment Services für Großbritannien leitet, sieht das Glas trotzdem halb voll. Seit der Zinserhöhung der Fed um 25 Basispunkte im September habe Gold zwar nachgegeben. Der Rückgang sei aber gemessen am massiven Zinsanstieg eher verhalten ausgefallen.
Die Zahlen haben es in sich: Die zehnjährigen US-Staatsanleihen rentierten zeitweise bei 5,30 Prozent. Die inflationsgeschützten TIPS, ein Maßstab für die Realzinsen, kletterten auf knapp unter 3 Prozent. Früher war das Gift für Gold, denn das Metall wirft keine Zinsen ab. Für Kinsella zeigt der nur moderate Kursrückgang, dass sich die alte Verbindung zwischen Gold und Zinsen weiter lockere.
„We believe that most of the move in interest rates is now largely complete, giving only limited downside risks for gold and the wider precious metals complex from current levels."
Seine Begründung: Privatanleger hätten im August und Anfang September ihre Gold-ETF-Positionen aufgestockt, Profis ihre Netto-Long-Positionen an den Terminmärkten ausgebaut. Und das trotz steigender Renditen.
Notenbanken stehen als Käufer bereit
Dazu kommen die Zentralbanken. Chinas Notenbank gehört laut Kinsella auch 2026 wieder zu den größten Käufern. Zwar kauften derzeit weniger Notenbanken Gold als zuvor. Das liege aber wohl an den hohen Preisen und nicht an fehlendem Interesse. Laut einer Umfrage des World Gold Council wollen rekordhohe 45 Prozent der Zentralbanken ihre Goldbestände in den nächsten zwölf Monaten erhöhen. Bei deutlichen Kursrücksetzern dürften sie also zugreifen.
Die Zinsangst hält der Stratege ohnehin für übertrieben. Die Märkte rechneten mindestens drei weitere Zinsschritte ein, das sei zu viel. Der Anstieg der Kerninflation gehe größtenteils auf Einmaleffekte zurück. Sobald sich die Lage im Nahen Osten rund um den Iran entspanne, habe die Fed Spielraum, auf weitere Erhöhungen zu verzichten.
Der Joker heißt Neubewertung
Jetzt wird es richtig spannend. Per Gesetz bewertet Washington seine Goldreserven bis heute mit 42,22 Dollar je Unze. Das sind rund 11 Milliarden Dollar in den Büchern. Zum Marktpreis ist der Bestand dagegen weit über eine Billion Dollar wert, was Finanzminister Scott Bessent Berichten zufolge selbst bestätigt hat.
Würde das Finanzministerium die Reserven auf Marktniveau anheben, wäre das laut Kinsella eine stille Abwertung des Dollars gegenüber Gold. Das wäre ein starkes Signal an die Märkte und könnte den sogenannten „Debasement Trade" wiederbeleben. Gemeint ist die Flucht aus Papiergeld in reale Werte, die 2025 den Goldpreis angetrieben hatte.
Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet der Staat könnte damit zugeben, dass das alte Metall mehr wert ist als die eigene Währung. Bei einem Schuldenberg von fast 40 Billionen Dollar dürfte die Versuchung in Washington groß sein. Und Sparer in Deutschland, die das Schuldenmachen in Berlin und Brüssel mit Sorge sehen, verstehen die Logik dahinter sehr gut.
Fazit: Ruhe bewahren
Kurzfristig rechnet UBP mit einer engen Handelsspanne. Mittelfristig sprechen die Käufe der Notenbanken, die nachlassende Zinsabhängigkeit und der mögliche Neubewertungs-Joker für Gold. Physisches Gold und Silber können deshalb als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio zur Vermögenssicherung beitragen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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