
Hacker kochen Frankreichs Kühlregale: Wie sicher ist unser Essen?

In der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 2026 haben unbekannte Angreifer die Kühlanlagen Hunderter französischer Supermärkte gekapert und auf bis zu 50 Grad aufgeheizt. Betroffen waren Ketten wie Intermarché, Netto, Coopérative U, Carrefour und Monoprix. Die Ware verdarb tonnenweise, an einigen Orten brannte es sogar. Der Angriff zeigt, wie dünn das Eis ist, auf dem unsere Lebensmittelversorgung steht.
Gefriertruhe wird Backofen
Die Methode war so simpel wie perfide. Laut Ermittlern übernahmen die Täter Kühlsteuerungen des dänischen Herstellers Danfoss, vor allem ältere Modelle der Typen AK-SM800 und AK-SC355. Dort aktivierten sie die Abtaufunktion dauerhaft. Die soll eigentlich nur kurz laufen, damit sich kein Eis bildet. Diesmal heizte sie stundenlang.
Alarme schlugen Berichten zufolge nicht an. Nachts war niemand da, um einzugreifen. Am Morgen fanden die Mitarbeiter verdorbene Tiefkühlware, geschmolzenes Eis und zum Teil verschmorte Geräte vor.
Laut Medienberichten waren mehr als 300 Filialen von Intermarché und Netto betroffen, über 100 Märkte von Coopérative U und rund 80 Carrefour-Läden. Zwei Geschäfte im Elsass meldeten zusammen 270.000 Euro Schaden. Insgesamt rechnet man mit Verlusten im zweistelligen Millionenbereich.
Eine Lücke mit Ansage
Das eigentlich Brisante ist: Die Schwachstelle war seit Langem bekannt. Die Sicherheitsforscher von Team 82 der Firma Claroty hatten schon 2025 Tausende Steuerungen gefunden, die offen im Internet erreichbar waren. Fachleuten zufolge reichte als Benutzername „admin“, das Passwort war schlicht das aktuelle Datum.
Danfoss machte die Befunde im März 2025 öffentlich und lieferte im August 2025 ein Update für die neuere Gerätereihe. Die beiden älteren Modelle bekamen nach Herstellerangaben schon seit 2016 bzw. 2021 keine Updates mehr. Danfoss habe empfohlen, sie auszutauschen. Viele Betreiber haben das offenbar nicht getan. Bequemlichkeit hat eben ihren Preis, und diesmal lag er im Tiefkühlregal.
Auf Anordnung von Premierminister Sébastien Lecornu ermittelt nun die französische Cybersicherheitsbehörde ANSSI, die Pariser Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren eingeleitet. Wer hinter dem Angriff steckt, weiß bisher niemand. Es gab kein Bekennerschreiben und keine Lösegeldforderung. Ein britischer Sicherheitsexperte schließt nicht einmal aus, dass Jugendliche dahinterstecken, die einfach herumprobiert haben. So leicht soll der Zugriff gewesen sein.
Auch Deutschland im Visier?
Beruhigen kann das niemanden. Den Ermittlungen zufolge stecken dieselben Schwachstellen auch in Supermärkten in Belgien, den Niederlanden, Spanien, Polen und Deutschland. Fast zur selben Zeit gab es beim Konzern Ahold Delhaize IT-Probleme, offenbar ohne Verbindung zum Angriff in Frankreich. Bei der Tochter Albert Heijn blieben in den Niederlanden Regale leer. Sogar in den USA meldeten die Konzernketten Stop & Shop und Food Lion Störungen.
Genau das ist die Kehrseite der Globalisierung. Wenn in Europa die IT eines Konzerns ausfällt, merken das Kunden auf der anderen Seite des Atlantiks. Just-in-Time-Lieferketten haben keine Reserven. Was nicht im Lager liegt, kann auch nicht nachgeliefert werden.
Ernährungssouveränität statt Abhängigkeit
Gleichzeitig wird die Produktion vor Ort weniger. In Österreich steht Berichten zufolge die Herstellung von Tiefkühlgemüse vor dem Aus. Wie lange will sich Europa noch auf Lieferketten verlassen, die schon an einem veralteten Steuergerät scheitern? Brüssel spricht gern über Lebensmittelsicherheit. Die heimische Landwirtschaft aber wird mit Auflagen überzogen, bis sich die Arbeit für viele Betriebe nicht mehr lohnt.
Fazit: Vorsorge ist Eigenverantwortung
Frankreich war ein Warnschuss. Der nächste Angriff könnte größer ausfallen. Wer klug ist, verlässt sich nicht allein auf Staat und Konzerne. Ein Notvorrat zu Hause, etwas Bargeld und Werte, die unabhängig von Servern und Stromnetzen bestehen, gehören zur Krisenvorsorge. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen ein solcher Anker sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte sich selbst informieren und trifft seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung.
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