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Hormus-Schock: China tankt Russland – und Europa schaut nur zu

Hormus-Schock: China tankt Russland – und Europa schaut nur zu
Symbolbild: KI-generiert

Die faktische Blockade der Straße von Hormus bringt die Energieströme der Welt durcheinander, doch Peking hat sich längst neu aufgestellt. Russland ist Chinas unangefochtener Öllieferant Nummer eins. Beim Flüssiggas legten die russischen Lieferungen an China von Januar bis September sogar um 60 Prozent zu. Europa plant derweil den vollständigen Ausstieg.

Moskau liefert, Riad verliert

Russischen Medien zufolge waren Chinas Ölimporte im Juni auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gefallen. Seitdem erhöht Peking die Mengen schrittweise. Für August meldete die chinesische Hauptzollverwaltung 8,93 Millionen Barrel pro Tag. Das sind 6,2 Prozent mehr als im Juli, aber immer noch 22,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Auffällig ist, dass unter den großen Lieferländern nur Russland zulegen konnte. Im August gingen täglich 2,64 Millionen Barrel nach China, ein Plus von 22,6 Prozent gegenüber Juli und von 41,3 Prozent gegenüber August 2025. Die Bilanz von Januar bis August zeigt, wie weit Moskau vorne liegt:

  • Russland: rund 77,65 Millionen Tonnen (2,33 Mio. Barrel/Tag), plus 18,1 Prozent
  • Saudi-Arabien: 40,42 Millionen Tonnen (1,21 Mio. Barrel/Tag), minus 22,9 Prozent

Das rätselhafte Öl aus „Malaysia“

Mit dem Stillstand am Golf brachen Chinas Einfuhren aus dem Nahen Osten im Mai auf 1,9 Millionen Barrel pro Tag ein. Schon seit Jahren kauft Peking gezielt weniger bei den Saudis. Gleichzeitig steigen die Importe aus Malaysia. Experten zufolge handelt es sich dabei zu einem großen Teil um iranisches und in geringerem Umfang venezolanisches Rohöl, das falsch deklariert werde, um US-Sanktionen zu umgehen.

Für Russland ist die Lage ein Glücksfall. Wie die Zeitung Kommersant am 8. Oktober berichtete, haben sich die Sorten ESPO und Urals im September um 28 bis 33 Prozent verteuert. In Indien sei aus dem früheren Preisabschlag sogar ein Aufschlag geworden. Ausgerechnet das sanktionierte Öl wird damit zur gefragten Ware.

Pekings Raffinerien im Bieterkampf

Berichten zufolge kaufen Chinas staatliche Raffinerien das russische Rohöl nahezu komplett auf. Unabhängige Betreiber suchten deshalb nach Alternativen aus dem Irak, dessen Öl günstiger sei. Dazu kommt Druck aus Washington: Eine US-Blockade halte mindestens 50 Tanker mit iranischem Öl vor der chinesischen Küste fest. So wollten die USA Teheran dazu bringen, den seit sieben Monaten andauernden Krieg zu ihren Bedingungen zu beenden.

Flüssiggas: Das Pendel schwingt nach Osten

Auch beim LNG richtet sich Russland nach Asien aus. Nach Analysen des Datendienstes Kpler exportierte das Land in den ersten neun Monaten 2026 rund 25,35 Millionen Tonnen, 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Allein im September waren es 3,36 Millionen Tonnen. Davon gingen 2,2 Millionen Tonnen nach Asien, aber nur 0,72 Millionen nach Europa.

China bezog von Januar bis September 7,43 Millionen Tonnen, das entspricht 29 Prozent der russischen Exporte. Damit gleicht Peking einen Teil der ausgefallenen Lieferungen aus Katar aus. Russland dürfte Katar als zweitgrößten Lieferanten hinter Australien inzwischen überholt haben. Ein Berater nannte im Kommersant als Grund für das September-Plus vor allem die Rückkehr von Yamal LNG nach planmäßigen Wartungsarbeiten.

Dazu kommt die eisfreie Saison im Nordmeer. Sie ermöglicht mehr Lieferungen aus dem Werk Arctic LNG 2 auf der Halbinsel Gydan, das auf der US-Sanktionsliste steht. China ist bislang der einzige Abnehmer und hilft sogar beim Ausbau. Beim Pipelineprojekt Power of Siberia 2 lässt ein Liefervertrag dagegen weiter auf sich warten.

Europas teurer Sonderweg

Die EU steigerte ihre russischen LNG-Bezüge im selben Zeitraum nur um 7 Prozent, Anfang 2027 sollen sie offiziell enden. Kritiker sehen darin eine Politik, die vor allem Europas Verbraucher und Industrie belaste. Moskau verkaufe sein Gas dann eben in Fernost, während Brüssel und Berlin teurere Alternativen einkaufen müssten. Ob das Russland wirklich schwächt oder vor allem China stärkt, ist aus Sicht vieler Beobachter mehr als fraglich.

Eines zeigt die Entwicklung deutlich: Energie ist zur geopolitischen Waffe geworden, und die Preise reagieren entsprechend nervös. Wer sein Vermögen gegen solche Schocks absichern möchte, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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