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19.10.2026
08:52 Uhr
KI-generiert

KI-Beben an der Wall Street: Plötzlich sind US-Anleihen wieder gefragt!

KI-Beben an der Wall Street: Plötzlich sind US-Anleihen wieder gefragt!
Symbolbild: KI-generiert

Die Gewinner von gestern sind die Verlierer von heute. Während der Ausverkauf bei KI-Aktien die Wall Street erschüttert, flüchten Anleger zurück in US-Staatsanleihen. Die Renditen zehn- und dreißigjähriger Treasuries sind von ihren höchsten Ständen seit über zwei Jahrzehnten deutlich gefallen. Ist das schon die Trendwende oder nur eine Atempause?

Vom Rekordhoch zur Erholung

Anfang Oktober war von „sicherem Hafen“ noch nichts zu spüren. Am 7. Oktober stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 5,36 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2002. Inzwischen liegt sie bei 5,07 Prozent.

Bei den dreißigjährigen Papieren lief es ähnlich. Ihre Rendite fiel von 5,73 auf 5,41 Prozent. Weil Kurse und Renditen gegenläufig sind, haben Anleihebesitzer in kurzer Zeit spürbar an Wert gewonnen.

Wenn der KI-Rausch verfliegt

Ausgelöst hat die Erholung ausgerechnet die wachsende Skepsis gegenüber dem KI-Boom. In der vergangenen Woche verlor der Nasdaq 100 5,5 Prozent. Am härtesten traf es Chiphersteller und KI-Infrastrukturkonzerne wie Nvidia, Micron, SanDisk, CoreWeave und Nebius, also genau die Titel, die monatelang als unaufhaltsam galten.

Der Mechanismus dahinter ist bemerkenswert. Die milliardenschweren KI-Investitionen hatten den Anleihemarkt bisher doppelt belastet: Sie heizten Konjunktur und Inflation an, und gleichzeitig konkurrierten neue Unternehmensanleihen mit den Staatspapieren um das Kapital der Anleger. Allein Firmen mit Investment-Grade-Rating haben in diesem Jahr Anleihen über rund 1,7 Billionen Dollar platziert, 29 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Jetzt könnte sich das umkehren. John Briggs, US-Zinsstratege bei Natixis, rechnet damit, dass Anleger weniger neue Papiere kaufen, wenn ihre KI-bezogenen Anleihen an Wert verlieren. Hinzu kommt, dass Spekulanten in großem Stil auf fallende Anleihekurse gesetzt haben. Lösen sie diese Short-Positionen auf, verstärken ihre Eindeckungskäufe die Rallye zusätzlich.

Comeback der klassischen Absicherung?

Afonso Borges, Anleihestratege bei Julius Bär, spricht von einem möglichen Wendepunkt. Ein von KI ausgelöster Abschwung wirke wie ein klassischer negativer Nachfrageschock: Er dämpfe die Inflation, und Staatsanleihen könnten ihre alte Rolle als Portfolioschutz zurückgewinnen. Masahiko Loo von State Street Investment Management sieht es ähnlich:

„Sollte es zu einer größeren, durch KI ausgelösten Flucht aus risikoreichen Anlagen kommen, erscheinen US-Staatsanleihen zunehmend in der Lage, genau jene Absicherung zu bieten, die Anleger in weiten Teilen der vergangenen Jahre vermisst haben.“

Der Inflations-Elefant im Raum

Nicht alle teilen diese Hoffnung. Steven Barrow von der Standard Bank hält die Rallye für einen „Trugschluss“. Er verweist auf die hartnäckige Inflation, die hohen Ölpreise und den langfristigen Trend, dass Anleger Aktien gegenüber Staatsanleihen bevorzugen. Medienberichten zufolge ist die US-Teuerung zuletzt auf 3,7 Prozent gestiegen.

Auch die Fed bleibt ein Risiko. Eine Zinserhöhung im Oktober halten die Märkte nur noch zu 13 Prozent für wahrscheinlich, für Dezember rechnen aber knapp 78 Prozent mit einem Zinsschritt. Für 2027 wird eine weitere Erhöhung erwartet. Ein sicherer Hafen, dessen Wert die Inflation Jahr für Jahr schmälert, ist nur bedingt sicher.

Die Woche der Wahrheit

Zum Wochenstart beruhigt sich die Lage etwas, die Nasdaq-Futures legen um 1,3 Prozent zu. Bloomberg-Stratege Mark Cranfield hält nach dem Ausverkauf Einstiegschancen für möglich. Wie es weitergeht, dürften die Quartalszahlen von Meta, Tesla, SpaceX und Lam Research in dieser Woche zeigen.

Auch Gold steckt in diesem Spannungsfeld. Laut Marktberichten haben die Rekordrenditen das Edelmetall deutlich unter sein Allzeithoch gedrückt, während Zentralbanken weiterhin große Mengen kaufen. Fallende Renditen machen das zinslose Metall wieder attraktiver. Wer sich nicht allein auf Tech-Aktien oder den Schuldenberg in Washington verlassen will, kann physisches Gold und Silber als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio nutzen, denn Edelmetalle tragen kein Ausfallrisiko eines Emittenten.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung. Er enthält keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Wertpapiere oder Anlageprodukte. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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