
Ölschock treibt US-Inflation: Droht der nächste Zinshammer der Fed?

Amerika erwartet am Mittwoch neue Inflationsdaten, und die Vorzeichen sind schlecht. Von Dow Jones befragte Ökonomen rechnen damit, dass die Verbraucherpreise in den USA im September um 0,6 Prozent zum Vormonat und um 3,6 Prozent zum Vorjahr gestiegen sind. Hauptgrund sind die Energiepreise, die seit Beginn des Iran-Kriegs kräftig gestiegen sind.
Im August hatte die Teuerung laut US-Arbeitsministerium noch bei 3,4 Prozent gelegen. Damit würde sich die Inflation noch weiter vom Ziel der Notenbank Federal Reserve entfernen, die zwei Prozent anstrebt.
Unter der Oberfläche brodelt es
Die Kernrate ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel soll im Monatsvergleich nur um 0,2 Prozent zugelegt haben. Im Jahresvergleich wären es 2,5 Prozent. Das klingt harmlos. Im August lag dieser Wert allerdings noch bei 2,4 Prozent. Auch die Kernrate steigt also wieder.
Bei den Erzeugerpreisen, die am Donnerstag veröffentlicht werden, erwarten Ökonomen ein Plus von 0,6 Prozent zum Vormonat und 5,5 Prozent zum Vorjahr. Diese Preise steigen erfahrungsgemäß zuerst. Später landen sie oft beim Verbraucher.
Brent über 100 Dollar: Das Öl gibt den Takt vor
Die Ölsorte Brent, die als weltweiter Richtwert gilt, wurde zuletzt für rund 105 Dollar je Barrel gehandelt. Allein im September stieg der Preis um mehr als 14 Prozent, im gesamten dritten Quartal sogar um etwa 42 Prozent. Laut den Daten für August hatte sich Benzin innerhalb eines Jahres bereits um mehr als 27 Prozent verteuert, Heizöl sogar um 52 Prozent.
Präsident Donald Trump hat vergangene Woche die Beschränkungen für russischen Diesel gelockert, um den weltweiten Ölhandel anzukurbeln. Analysten glauben jedoch nicht, dass das die Preise spürbar senken wird. Russischer Diesel als Mittel gegen die Inflation? Das zeigt, wie wenig Spielraum Washington noch hat.
„Beim September-Verbraucherpreisindex gibt es ein echtes Aufwärtsrisiko. Wenn sich die Inflation so bewegt, liegen die Modelle aller in der Regel unter dem tatsächlichen Ergebnis." (Joe Brusuelas, Chefvolkswirt von RSM, sinngemäß übersetzt)
Die Fed dreht die Zinsschraube
Robert Sockin, Chefökonom für die USA beim Vermögensverwalter PGIM, warnt vor Folgeeffekten. Wenn der Ölpreis hoch bleibe, könnten auch andere Waren und Dienstleistungen teurer werden. Dann könne die Fed den Energieschock kaum noch als vorübergehendes Problem abtun. Die Liste der Gründe für Zinserhöhungen sei lang, sagte Sockin. Beim Zeitpunkt sei er unsicher, bei der Richtung aber nicht.
Im vergangenen Monat hat die Fed die Zinsen zum ersten Mal seit drei Jahren erhöht. Aus dem Protokoll der Sitzung geht hervor, dass sie wohl weitere Erhöhungen erwartet. Laut dem FedWatch-Tool der Börse CME halten Händler eine weitere Erhöhung im Dezember für sehr wahrscheinlich. Medienberichten zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit bei rund 88 Prozent.
Politischer Sprengstoff vor den Midterms
Es sind die letzten Inflationsdaten vor den Kongresswahlen im November. Dort entscheidet sich, ob die Republikaner die volle Kontrolle in Washington behalten. Laut der Universität Michigan ist das Vertrauen der Verbraucher in die Wirtschaft in diesem Jahr in allen politischen Lagern gesunken. Bei Republikanern und Unabhängigen fiel es seit Jahresbeginn sogar stärker als bei Demokraten.
Was das für Sparer bedeutet
Für deutsche Anleger ist das keine ferne Nachricht. Teures Öl trifft auch Europa, und eine straffere Fed bewegt Anleihen, Aktien und Währungen weltweit. Gold reagiert kurzfristig empfindlich auf steigende Zinsen und notierte zuletzt Berichten zufolge bei rund 4.160 Dollar je Feinunze. Das ist deutlich unter dem Rekord von über 5.300 Dollar zu Jahresbeginn, aber immer noch weit über dem Niveau vor einem Jahr.
Krieg, hohe Staatsschulden und Inflation, die immer wieder zurückkommt: Genau in solchen Zeiten hat sich Gold historisch als Wertspeicher bewährt. Physisches Gold und Silber können daher als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sinnvoll sein.
Hinweis: Dieser Beitrag dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Er ist keine Aufforderung, Wertpapiere, Edelmetalle oder andere Anlagen zu kaufen oder zu verkaufen. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.
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