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12.10.2026
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Solar-Pleite im Saarland: Next2Sun scheitert am Kapital – und an Brüssel?

Solar-Pleite im Saarland: Next2Sun scheitert am Kapital – und an Brüssel?
Symbolbild: KI-generiert

Der nächste Dominostein fällt: Die Next2Sun-Gruppe aus dem saarländischen Dillingen hat beim Amtsgericht Saarbrücken für zwei Tochtergesellschaften Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Der Agri-PV-Pionier mit mehr als 140 Mitarbeitern bekam schlicht nicht genug Geld zusammen. Und das ausgerechnet mitten im Solarboom.

Geniale Idee, leere Kasse

Betroffen sind die Next2Sun Technology GmbH und die Next2Sun Mounting Systems GmbH. Die Next2Sun AG und die Next2Sun Projekt GmbH seien nach aktuellem Stand nicht betroffen, ebenso wenig die Gesellschaften, die bereits laufende Anlagen betreiben. Die Projektentwicklung soll weitergehen, die Suche nach Investoren ebenfalls.

Bekannt wurde das 2015 gegründete Unternehmen mit senkrecht aufgestellten, beidseitig aktiven Solarmodulen. Zwischen den Reihen können Landwirte weiter ihre Felder bestellen. Der Clou: Die Anlagen erzeugen vor allem morgens und abends Strom und verschärfen so nicht die ohnehin schon heftige Mittagsspitze im Netz.

Nach eigenen Angaben hat die Gruppe Anlagen mit über 65 Megawatt Leistung umgesetzt. Standorte gibt es in Deutschland, Österreich, Polen und Japan.

Fünf Millionen gezeichnet – und trotzdem pleite?

Branchenberichten zufolge wollte Next2Sun über eine Aktienemission bis zu fünf Millionen Euro einsammeln. Ende September meldete man sogar Zeichnungen und Angebote über mehr als diese Summe. Bei einer Prüfung Anfang Oktober zeigte sich jedoch, dass ein Teil davon nicht verbindlich genug war. Das Unternehmen formuliert es so:

„Bei dieser Bewertung wurde deutlich, dass einige dieser Angebote nicht das notwendige Maß an Engagement boten, das erforderlich war, um den Kapitalbedarf des Unternehmens mit ausreichender Sicherheit für eine nachhaltig gesicherte mittelfristige Fortsetzung des Betriebs zu decken.“

Im Klartext: Es fehlte Geld. Die Emission kommt deshalb nicht zustande. Anlegergelder würden Berichten zufolge nicht entgegengenommen.

Gesetz beschlossen, Freigabe fehlt

Besonders brisant ist die politische Vorgeschichte. Mit dem Solarpaket I hatte die Ampel 2024 eine eigene Ausschreibungsschiene für besondere Solaranlagen wie Agri-PV beschlossen. Die beihilferechtliche Genehmigung aus Brüssel fehlt Medienberichten zufolge aber bis heute. Streitpunkt sei eine Klausel zur Rückforderung von Überförderung, die Berlin erst ab Mitte 2027 für nötig hält.

Geschäftsführer Sascha Krause-Tünker sagte der „Bild“, die Gruppe sei von 2021 bis 2024 im Schnitt um gut 80 Prozent gewachsen. Er sei davon ausgegangen, dass die beschlossene Förderung das Wachstum noch beschleunige. Stattdessen herrscht Stillstand. Jetzt will die Bundesregierung die Sonderschiene per EEG-Novelle ganz streichen und durch einen Bonus von 0,5 Cent je Kilowattstunde ersetzen. Verbände und Bundesrat halten das für zu wenig.

Der Fall zeigt: Wer sein Geschäftsmodell auf politische Versprechen baut, hängt am Tropf von Ministerien und EU-Kommission. Dreht der Wind in Berlin oder Brüssel, wackelt das Fundament.

Eine Branche im Insolvenz-Sog

Next2Sun ist kein Einzelfall. Die Pleiten der jüngsten Zeit lesen sich wie ein Krisenprotokoll:

  • Meyer Burger: Die deutschen Töchter scheiterten im Vorjahr, rund 600 Arbeitsplätze in Sachsen und Sachsen-Anhalt gingen verloren.
  • Soluxtec und Priwatt: Beide meldeten im Frühjahr Insolvenz an.
  • Enerparc und pvwerk: Die Hamburger Schwesterfirmen stellten im September ihre Anträge. Rund 100 Projekte, die sich im Bau befinden, kommen auf den Prüfstand.
  • BSH GmbH & Co. KG und Energiekonzepte Deutschland sind ebenfalls insolvent.

Das Paradoxe daran: Das gesetzliche Ausbauziel von 128 Gigawattpeak für 2026 war schon im August erreicht. Die Module landen auf Dächern und Feldern, während die Firmen dahinter reihenweise untergehen. Bei Soluxtec will laut Fachpresse ausgerechnet ein chinesischer Investor die Produktion weiterführen.

Was Anleger daraus lernen sollten

Gegenüber der „Bild“ räumte Krause-Tünker ein: „Ganz ohne Personalabbau wird's wahrscheinlich nicht gehen.“ Für die Beschäftigten ist das bitter. Anleger sehen hier erneut, wie riskant Beteiligungen an Geschäftsmodellen sein können, die von Subventionen abhängen. Physisches Gold und Silber brauchen weder Förderbescheide noch Genehmigungen aus Brüssel. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie deshalb eine sinnvolle Ergänzung zur Vermögenssicherung sein.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen allein die Verantwortung.

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