
Todesfalle Schwarzes Meer: Drohnen versenken Frachter vor NATO-Küsten!

Explosionen in der Nacht, vermisste Seeleute, Getreide auf dem Meeresgrund: Allein im Oktober sollen Drohnen im westlichen Schwarzen Meer mindestens sieben Handelsschiffe versenkt oder schwer beschädigt haben. Mehrere Angriffe trafen Schiffe in den Wirtschaftszonen der NATO- und EU-Staaten Bulgarien und Rumänien. Wer hinter den Angriffen steckt, ist offiziell nicht geklärt. In Sofia und Bukarest richtet sich der Verdacht aber klar gegen Moskau.
Eine Chronik der Angriffe
Den Auftakt machte nach Angaben einer ukrainischen Nachrichtenplattform der Massengutfrachter „Royad Mammadov“. Er fuhr unter der Flagge von St. Kitts und Nevis und gehörte einem türkischen Unternehmen. Am 5. Oktober sei er mit ukrainischem Getreide an Bord rund 20 Seemeilen vor der rumänischen Küste gesunken. Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland vor, es setze konsequent auf Terror.
Danach folgten die Angriffe Schlag auf Schlag:
- 6. Oktober: Die unter der Flagge Togos fahrende „Alfa Watan“ sinkt vor Bulgarien, ihre Besatzung gilt als vermisst. Am selben Tag trifft es auch den Weizenfrachter „Able“ unter der Flagge Palaus.
- 13. Oktober: Die „HS Dignity“ geht vor der bulgarischen Küste unter, elf Seeleute werden vermisst. Die „Chelsea-3“ wird beschädigt, ihre Crew retten bulgarische Einsatzkräfte.
- 14./15. Oktober: Medienberichten zufolge geraten nahe der Sulina-Mündung vor Rumänien zwei Chemietanker in Brand. Einer davon, die „Yara J“, wird sogar in rumänischen Hoheitsgewässern getroffen.
Wie internationale Medien berichten, sollen bei der Angriffsserie mindestens 23 Seeleute ums Leben gekommen sein.
Bulgarien denkt an Artikel 4
Bulgarien prüft Berichten zufolge, den UN-Sicherheitsrat einzuschalten und Artikel 4 des NATO-Vertrags zu ziehen, womöglich zusammen mit Rumänien. Nach dieser Klausel beraten sich die Verbündeten, wenn ein Mitglied „die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit“ bedroht sieht. Regierungschef Rumen Radew sagte vor dem Parlament, Russland habe ein Motiv. Beweisen könne Bulgarien eine Schuld Moskaus allerdings nicht.
Ein Detail aus dem Seerecht spielt dabei eine wichtige Rolle. Die ausschließliche Wirtschaftszone, die bis zu 200 Seemeilen weit reichen darf, ist kein Staatsgebiet. Wer dort angreift, verletzt also nicht automatisch das Territorium eines Landes. Genau in dieser rechtlichen Grauzone bewegen sich die Täter. Auch deshalb hält sich Rumäniens Präsident Nicușor Dan laut Medienberichten mit Forderungen nach Artikel 4 bislang zurück.
Berlin schickt Worte und Eurofighter
Außenminister Johann Wadephul (CDU) war am 13. und 14. Oktober in der Region und ließ sein Ministerium auf X erklären:
„Das Schwarze Meer wird immer mehr zum Kriegsschauplatz. Die Angriffe auf zivile Schiffe sind ein unhaltbarer Zustand. Wir stehen an Bulgariens Seite: Diese Eskalation dürfen wir nicht einfach geschehen lassen.“
Einen Aggressor nannte er nicht. Rumänien versicherte Wadephul, deutsche Eurofighter würden den Luftraum über Südosteuropa gemeinsam mit rumänischen Jets schützen. Die NATO hat nach Worten von Generalsekretär Mark Rutte ihre Drohnenabwehr an der Ostflanke verstärkt. Das Europäische Parlament will in Straßburg über eine Resolution beraten, die der rumänische Abgeordnete Dan Barna angestoßen hat. Beobachter fragen sich, ob Resolutionen gegen Drohnen viel ausrichten.
Die Rechnung landet beim Verbraucher
Russland und die Ukraine gehören zu den größten Weizenexporteuren der Welt. Das Getreideabkommen von 2022 hatte den Seeweg zeitweise gesichert, bis Moskau es im Sommer 2023 aufkündigte. Seither muss Kiew auf Ausweichrouten wie die Donauhäfen und die Küstengewässer der NATO-Nachbarn setzen. Genau dort schlagen die Drohnen jetzt ein.
Der rumänische Getreideexperte Cezar Gheorghe sagte der Nachrichtenagentur AP, der Handel in Constanța laufe weiter. Die Versicherungsprämien im gesamten Schwarzmeerraum stiegen jedoch. Seine größte Sorge sei ein schwerer Zwischenfall im Hafen selbst, schon im Juni war dort eine ukrainische Seedrohne explodiert. Gheorghe meint dazu: „Es ist nur eine Frage der Zeit.“
Höhere Prämien bedeuten teurere Fracht und am Ende teureres Brot, auch in deutschen Supermärkten. In unsicheren Zeiten wie diesen zeigt sich, warum viele Sparer neben Konto und Wertpapieren auch auf physisches Gold und Silber setzen. Edelmetalle sind kein Versprechen einer Regierung und hängen an keiner Lieferkette.
Hinweis: Dieser Beitrag dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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