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18.10.2026
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Asyl-Wende in Ceuta: Plötzlich nennen 70 Prozent ihre Sexualität!

Asyl-Wende in Ceuta: Plötzlich nennen 70 Prozent ihre Sexualität!
Symbolbild: KI-generiert

Fast drei Monate nach dem Massenansturm auf die spanische Exklave Ceuta halten sich dort noch immer rund 10.000 Migranten auf, die meisten aus Marokko. Bei den Asylanträgen ist der spanischen Polizei inzwischen ein auffälliges Muster aufgefallen: Rund 70 Prozent der Antragsteller geben an, in ihrer Heimat wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt zu werden. In den ersten Wochen hatte das kaum jemand gesagt.

Erst Arbeit, dann Verfolgung

Am 30. und 31. Juli gelangten nach späteren Regierungsangaben rund 72.000 Menschen in die kleine Stadt an der nordafrikanischen Küste. Zum Vergleich: Bei der Ceuta-Krise im Mai 2021 waren es rund 10.000. Die große Mehrheit ist inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. Laut Innenminister Fernando Grande-Marlaska wurden seither knapp 1.200 Asylanträge gestellt.

Interessant ist, wie sich die Begründungen verändert haben. Wie die Madrider Tageszeitung ABC unter Berufung auf Polizeiquellen berichtet, nannten die Antragsteller zunächst vor allem wirtschaftliche Gründe: keine Arbeit in der Heimat, die Hoffnung auf ein besseres Leben. Nach dem europäischen Asylrecht reicht das aber nicht für einen Schutzstatus. In den vergangenen Wochen habe sich das Bild dann deutlich gewandelt.

Polizei vermutet gezielte Beratung

Den Ermittlern zufolge stammen etwa 95 Prozent der Anträge von marokkanischen Staatsbürgern. Die Polizei hält es laut ABC für möglich, dass die Migranten gezielt beraten werden, mit welchen Angaben sie ihre Chancen verbessern können. Wer diese Hinweise geben soll, bleibt offen.

Raúl Piera, Vertreter der Polizeigewerkschaft SUP in Ceuta, nennt sogar noch höhere Zahlen. Der Lokalzeitung El Pueblo de Ceuta sagte er, schon etwa drei Wochen nach den Grenzübertritten hätten zwei Drittel der Antragsteller Verfolgung wegen ihrer Sexualität geltend gemacht. Inzwischen seien es seiner Einschätzung nach etwa 90 Prozent. Eine amtliche Statistik dazu gibt es allerdings nicht.

Echte Not neben möglichem Missbrauch

Die Lage ist nicht so einfach, wie es scheint. In Marokko stellt Artikel 489 des Strafgesetzbuchs gleichgeschlechtliche Handlungen unter Strafe, mit Haft von sechs Monaten bis zu drei Jahren. Echte Verfolgung gibt es also. Spanische Medien berichten auch über Betroffene, die von ihren Familien verstoßen und von der Justiz bedroht worden seien.

Genau deshalb schadet jeder vorgeschobene Antrag am Ende denen, die wirklich Schutz brauchen. Laut ABC wurden bisher erst fünf Anträge aus diesem Grund anerkannt. Der Innenminister betont, für einen Asylantrag brauche es einen ernsthaften Beweis. Wie man die sexuelle Orientierung eines Menschen in einem Amtsverfahren prüfen will, ist allerdings rechtlich und ethisch heikel.

Schwere Vorwürfe gegen Madrid

Ceutas Regierungschef Juan Vivas wirft der sozialistischen Regierung von Pedro Sánchez vor, zu spät und zu schwach reagiert zu haben. Sánchez verteidigt sein Vorgehen und weist den Vorwurf der Fahrlässigkeit zurück. Wie es überhaupt zu dem Massenansturm kommen konnte, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Im benachbarten Melilla wächst unterdessen die Sorge, dass so etwas auch dort passieren könnte.

Für Deutschland ist das mehr als eine Nachricht vom Rand Europas. Wer in Ceuta ankommt, steht auf dem Boden der EU und damit grundsätzlich vor den Toren des Schengen-Raums. Der Fall zeigt deutlich, wo das europäische Asylsystem verwundbar ist. Ein Verfahren, das Schutz vor Verfolgung bieten soll, gerät unter Druck, wenn die Begründungen auffällig einheitlich werden. Kritiker sehen darin einen weiteren Beleg, dass Brüssel und die nationalen Regierungen beim Schutz der Außengrenzen und bei der Prüfung von Asylanträgen noch immer hinterherhinken. Den Preis zahlen die Steuerzahler und vor allem die tatsächlich Verfolgten.

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