
Deepfake-Streit: Ausgerechnet Fernandes berät jetzt den NRW-Landtag!

Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes tritt am Donnerstag, dem 1. Oktober, als Sachverständige im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf auf. Der Ausschuss für Kultur und Medien befasst sich mit digitaler Gewalt und Deepfakes. Eingeladen hat sie Medienberichten zufolge die SPD. Pikant ist das deshalb, weil ein Gericht erst im Juni einen Deepfake-Verdacht rund um ihren Fall gestoppt hat.
Von der Promi-Trennung in den Ausschuss
Neben Fernandes sollen unter anderem Vertreter der Landesanstalt für Medien und der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW zu Wort kommen. Grundlage der Anhörung ist unter anderem ein Antrag der SPD-Fraktion. Sie will schärfere Regeln gegen digitale Gewalt, mehr Hilfsangebote für Betroffene und stärker in die Pflicht genommene Internetplattformen.
SPD-Fraktionschef Jochen Ott griff zu drastischen Worten. Er nannte digitale Gewalt die „Pest des 21. Jahrhunderts“. Nach seinen Worten treffe sie vor allem Frauen, Kinder, Jugendliche und queere Menschen. Man müsse klären, „wie wir digitale Gewalt verhindern, konsequent bekämpfen und Betroffene besser schützen können“.
Was das Gericht dem „Spiegel“ untersagt hat
Zum politischen Thema wurde die Sache vor allem durch Fernandes' Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Im März berichtete der „Spiegel“ ausführlich darüber. Fernandes wirft Ulmen unter anderem vor, in ihrem Namen gefälschte Profile betrieben und darüber pornografische Darstellungen verbreitet zu haben. Ulmen weist die zentralen Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung.
In vielen Berichten entstand danach der Eindruck, es gehe auch um selbst erstellte Deepfake-Pornovideos. Das Hanseatische Oberlandesgericht untersagte dem Magazin im Juni, einen solchen Verdacht zu erwecken. Nach Ansicht der Richter fehlte dafür der nötige Mindestbestand an Beweistatsachen. Weder aus Fernandes' eidesstattlicher Versicherung noch aus ihrer Strafanzeige ergebe sich ein solcher Vorwurf.
Der Vollständigkeit halber: In anderen Punkten durfte der „Spiegel“ laut Gerichtsbeschluss weiter berichten. Fachmedien sprachen deshalb von einem Teilerfolg für beide Seiten. Beim Kernbegriff der jetzigen Debatte, den Deepfake-Videos, fiel die Entscheidung jedoch klar aus.
Korrekturen bei ARD und WDR
Den Schaden hatte da längst die Berichterstattung angerichtet. Mehrere Medien mussten ihre Darstellungen nachträglich berichtigen. Berichten zufolge gehörten auch ARD und WDR dazu. Sie hatten zunächst gemeldet, Ulmen werde die Verbreitung von Deepfakes vorgeworfen. Für den gebührenfinanzierten Rundfunk ist das ein unangenehmer Befund, denn er verlangt von seinen Zuschauern Sorgfalt und Vertrauen.
Trotzdem wurde ausgerechnet dieser Fall zum Ausgangspunkt einer bundesweiten Debatte über Deepfake-Pornografie. Kritiker sehen darin ein bekanntes Muster: Erst kommt die Empörung, dann die Gesetzesinitiative, und die Faktenprüfung folgt irgendwann später.
Symbolpolitik statt Sachverstand?
Niemand bestreitet, dass manipulierte Bilder und Videos ein echtes Problem sind. Künstliche Intelligenz macht Fälschungen in Sekunden möglich, und Betroffene brauchen wirksamen Schutz. Gerade deshalb stellt sich eine Frage: Ist eine prominente Beteiligte an einem laufenden Rechtsstreit die richtige Sachverständige, ausgerechnet zu einem Detail, das ein Gericht für ihren Fall so nicht bestätigt hat?
Beobachter könnten darin eher eine gezielte Inszenierung als nüchterne Politikberatung sehen. Dazu kommt ein grundsätzlicher Einwand. Wer die Plattformen „stärker in die Verantwortung“ nehmen will, sollte genau sagen, wo Schutz vor Missbrauch endet und wo Eingriffe in die Meinungsfreiheit beginnen. Mit dem Digital Services Act gibt es auf EU-Ebene schon ein umfangreiches Regelwerk. Ob zusätzliche Landesinitiativen mehr bringen als neue Bürokratie, muss sich erst noch zeigen.
Anhörung live im Netz
Die öffentliche Sitzung zum Thema „Digitale Gewalt und Deep Fakes im Netz“ beginnt am 1. Oktober um 15.30 Uhr. Der Landtag überträgt sie im Internet. Die Bürger können sich also selbst ein Bild davon machen, wie viel Fachwissen und wie viel Symbolpolitik in dieser Anhörung steckt.
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