
Milliarden per Telefon: Brüssel öffnet für Kiew erneut die Schatulle

Ein Telefonat, und schon geht es um Milliarden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Mitte Oktober nach einem Gespräch mit EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen angekündigt, dass Brüssel rund drei Milliarden Euro zusätzlich für Drohnen und Raketen bereitstelle. Am 14. Oktober bestätigte die Kommission dann eine Auszahlung von 2,86 Milliarden Euro an Kiew.
Selenskyj nennt die Zahl, Brüssel liefert sie nach
Der Ablauf ist bemerkenswert. Die Summe nannte zuerst Selenskyj. Laut Medienberichten hatte von der Leyen die Hilfe zwar öffentlich bestätigt und erklärt, das Geld solle vor allem die ukrainische Luftverteidigung stärken. Eine Zahl nannte sie dabei aber nicht.
Die offizielle Bestätigung kam erst in einer Pressemitteilung der Kommission. Demnach fließen die 2,86 Milliarden Euro in Drohnen, Luftabwehrsysteme, Raketen, Radartechnik, elektronische Kampfführung und Munition. Russland trete an der Front auf der Stelle, heißt es darin sinngemäß von der Leyen, verschärfe aber seine Luftangriffe auf Zivilisten und Infrastruktur.
Ganz aus der Luft gegriffen ist das nicht. Selenskyj zufolge hatte kurz vor dem Telefonat eine russische Shahed-Drohne ein Kraftwerk in Kiew zerstört. Auch aus der Region Charkiw meldete die Ukraine neue Angriffe auf Energieanlagen. Der vierte Kriegswinter steht bevor.
Eine Tranche jagt die nächste
Erst am 7. Oktober hatte Brüssel 1,24 Milliarden Euro nach Kiew überwiesen. Dieses Geld ist für Drohnen, Munition und Raketen aus ukrainischer Produktion gedacht. Innerhalb einer Woche summieren sich die beiden Zahlungen damit auf gut vier Milliarden Euro.
Beide Tranchen stammen aus dem sogenannten Unterstützungsdarlehen der EU. Dieses umfasst 90 Milliarden Euro für 2026 und 2027, davon 60 Milliarden für Verteidigung und 30 Milliarden als Haushaltshilfe. Allein für 2026 sind nach Angaben der Kommission 28,3 Milliarden Euro für die ukrainische Rüstungsindustrie eingeplant. Weitere Auszahlungen sollen in den kommenden Wochen folgen.
Darlehen auf Pump
Das Wort „Darlehen“ klingt solide. Doch wie wird es finanziert? Medienberichten zufolge nimmt die EU dafür gemeinsam Schulden am Kapitalmarkt auf. Zurückzahlen müsse die Ukraine erst, wenn Russland Reparationen leistet. Wann das passieren soll, kann heute niemand sagen. Für die Steuerzahler im größten Nettozahlerland Deutschland ist das ein ernüchternder Gedanke.
Spardruck daheim, Spendierlaune in Brüssel
Die neuen Milliarden kommen zu einem heiklen Zeitpunkt. Mehrere Mitgliedstaaten müssen sparen, und um die Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte wird weiter gestritten. Beim Europäischen Rat in dieser Woche wollen die 27 Staats- und Regierungschefs deshalb auch über den langfristigen Finanzbedarf der Ukraine beraten.
Kritiker stoßen sich weniger am Ziel, Städte und Kraftwerke vor Drohnen zu schützen. Sie stört eher das Verfahren. Wenn Milliardenbeträge zuerst in einem Telefonat auftauchen und erst danach in einer offiziellen Mitteilung, dann bleiben Transparenz und demokratische Kontrolle auf der Strecke. Daheim streitet die Große Koalition aus Union und SPD derweil über ein Schuldenpaket nach dem anderen. Und Brüssel? Bleibt bei seinem Kurs, koste es, was es wolle.
Was das für Sparer bedeutet
Ein Muster ist kaum zu übersehen. Europa finanziert immer größere Aufgaben über immer neue Schulden, ob für Infrastruktur, Aufrüstung oder Kriegshilfe. Am Ende hängt alles an Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der Staaten und in die Stabilität des Euro. Wer sein Vermögen nicht allein darauf aufbauen will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen. Edelmetalle hängen von keinem Zahlungsversprechen ab, und sie lassen sich auch nicht per Telefon verteilen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Bitte recherchieren Sie vor jeder Anlageentscheidung selbst. Für Ihre Entscheidungen sind Sie allein verantwortlich.
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