
Zucker-Abgabe: Ausgerechnet Fritz-Kola rebelliert gegen Klingbeil!

Die schwarz-rote Bundesregierung will Limonade, Cola und Eistee ab dem 1. Juli 2027 mit bis zu 32 Cent pro Liter zusätzlich besteuern. Nach dem Kabinettsbeschluss vom 14. Oktober formiert sich in der Getränkebranche massiver Widerstand. Und der kommt von einer Seite, mit der in Berlin kaum jemand gerechnet hätte: vom Hamburger Szene-Hersteller Fritz-Kola.
Der Mittelstand zahlt die Zeche
Gründer und Geschäftsführer Mirco Wolf Wiegert spart nicht mit Kritik. Die Steuer benachteilige den Mittelstand und spiele den Marktführern in die Hände. Die im Entwurf vorgesehene Ausnahme gelte nach seinen Worten nur für Kleinunternehmen mit bis zu einer Million Litern Abfüllmenge.
Wer darüber liegt, steht ohne Schutz da. Das trifft genau die Firmen, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden. Fritz-Kola beschäftigt rund 340 Mitarbeiter und kam 2023 auf rund 116 Millionen Euro Umsatz. Weltkonzerne wie Coca-Cola könnten die Mehrkosten wegstecken. Der Mittelstand könne sie laut Wiegert dagegen „kaum abfedern“.
Für die Hamburger geht die Rechnung bitter auf: Ihre Cola enthält 10,5 Gramm Zucker je 100 Milliliter. Damit fiele sie in die höchste Steuerstufe.
Ein Bürokratiemonster mit 200 neuen Zöllnern
Noch schwerer wiegt aus Sicht des Unternehmens der Verwaltungsaufwand. Fritz-Kola spricht von einem „Bürokratiemonster“. Der Bund will die Abgabe über ein Steuerlagermodell eintreiben, wie man es von Tabak und Alkohol kennt, mit Zollkontrollen inklusive.
Allein beim Zoll sollen dafür 200 neue Stellen entstehen. Für Zoll und IT plant der Bund bis 2029 mit Kosten von rund 89 Millionen Euro. Ein Staat, der Bürokratieabbau verspricht und dann neue Behördenstrukturen hochzieht? Wiegert schlägt stattdessen ein schlankes digitales Meldeverfahren vor. Den Starttermin im Juli 2027 hält das Unternehmen ohnehin für zu ambitioniert.
So soll die Zuckersteuer funktionieren
- 26 Cent je Liter ab fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter
- 32 Cent je Liter ab acht Gramm Zucker pro 100 Milliliter
- Betroffen: Cola, Limonaden, Eistees, Energydrinks, Fruchtnektare
- Steuerfrei: reine Säfte, Pflanzendrinks, Milch, Getränke mit Süßstoff
Das Finanzministerium rechnet mit Mehreinnahmen von 690 Millionen Euro im Jahr 2027 und 925 Millionen Euro im Jahr 2028. Offiziell geht es um Gesundheit. Kritiker vermuten dahinter vor allem einen Griff in die Taschen der Bürger, um Haushaltslöcher zu stopfen.
„Zweifach gebrochenes Versprechen“
Auch Wesergold-Chef Andreas Reimer geht auf die Barrikaden. Gegenüber der Wirtschaftswoche erklärte er:
„Wir lehnen diese Steuer komplett ab.“
Reimer spricht von einem „zweifach gebrochenen Versprechen“, denn die Bundesregierung habe zugesagt, es werde keine weiteren Steuern geben. Das klingt vertraut. Schon beim 500-Milliarden-Sondervermögen erlebten die Bürger, wie schnell Wahlversprechen der Union verblassen.
Politisch so gut wie durch
Viel Hoffnung bleibt der Branche nicht. Medienberichten zufolge hatte das Kanzleramt einen ersten, schärferen Entwurf von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) vor rund zwei Wochen noch gestoppt, weil er als nicht mehrheitsfähig galt. Nun liegt der Kompromiss vor. Union und SPD sollen ihn als Formulierungshilfe in den Bundestag einbringen. Ende November, wenn der Etat für das kommende Jahr beschlossen wird, könnte die Entscheidung fallen.
Pikant: Szene-Marke auf dem CDU-Parteitag
Bemerkenswert ist der Absender des Protests. Fritz-Kola pflegt seit Jahren ein linksalternatives Image, kooperiert mit dem FC St. Pauli und hat seine Zentrale in diesem Sommer ins Hamburger Schanzenviertel verlegt. Berichten zufolge sammelt das Unternehmen auch Spenden gegen Rechtsextremismus.
Im Februar 2026 trat die Firma dann allerdings als Sponsor des CDU-Bundesparteitags in Stuttgart auf und stellte mehrere Paletten Getränke bereit. Dem NDR gegenüber erklärte Wiegert, man habe vor der Bundestagswahl 2025 gleich hohe Beträge an CDU, SPD, Grüne und FDP gespendet. In den sozialen Netzwerken sorgte das bei Teilen der eigenen Anhängerschaft trotzdem für heftigen Gegenwind.
Die Lehre daraus? Spätestens wenn der Staat an die eigene Kasse will, endet jede Gesinnungsfrage. Dann zählt für Unternehmer nur noch, was am Ende unter dem Strich übrig bleibt.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Für eine verbindliche Beurteilung wenden Sie sich bitte an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.
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